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Nach EM-Qualifikation 2020: Kein Grund zur Euphorie

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Als ich gestern Abend den Welt-Artikel zum England-Gastspiel im K
 

Fever Pit’ch

18. November · Ausgabe #287 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Als ich gestern Abend den Welt-Artikel zum England-Gastspiel im Kosovo las, wurde mir ganz anders. Die Zuschauer im Stadion erhoben sich und sangen gemeinsam mit ihren Gästen lautstark die englische Nationalhymne, sie applaudierten und gaben Großbritannien zu verstehen: Wir danken euch für eure Unterstützung im Bürgerkrieg damals.
Was für rührende Szenen! Was für ein Kontrast! Vor wenigen Wochen noch waren die Engländer in Bulgarien rassistisch von Stadionbesuchern beleidigt worden, mussten Hitler-Grüße ertragen und waren am Ende froh, mit heiler Haut heimzukommen. Ich werde nie verstehen, worin die Genugtuung beim ausgelebten Hass auf den Gegner bestehen soll.
Wir kennen das Phänomen ja aus der Bundesliga. Zu viele Kurven schöpfen ihre Selbstbestimmung aus der Ablehnung des Gegners, sie singen gedankenlos ihre Beleidigungen und verbreiten Schmähungen, als hätte keiner in der Herde jemals eine gute Kinderstube erlebt. Das Argument mit der Fankultur lasse ich nicht durchgehen: Hass bedient keine Kultur.
Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic, oftmals finanziell geschädigt durch Entgleisungen des eigenen Anhangs, befürchtete jetzt im Kicker-Interview die möglichen Konsequenzen: die Abschaffung der Stehplätze in den Stadien. Die Klubs wollen das nicht. Aber welches Argument habe man schon, wenn die Leute auf den billigen Plätzen kein Benehmen zeigen?
Die Vereine tun alles dafür, dass die Preise im Stehplatzbereich moderat bleiben, und müssen regelmäßig draufzahlen, weil Pyrotechnik und Schmähbanner Strafen nach sich ziehen. Jedes kritische Wort, das eine härtere Gangart im Sinne des Fußballs und im Namen der Mehrheit im Stadion fordert, wird als reaktionär verspottet. Welche Kultur soll das sein?
Niemand wünscht sich in der Bundesliga eine Stadionatmosphäre, wie es jetzt die Nationalmannschaft beim Länderspielsieg in Mönchengladbach erlebt hat. Wer will schon leere Ränge und eine extra einbestellte Blaskapelle? Aber das muss ja nicht im Umkehrschluss bedeuten, dass die Krawallos die Regie übernehmen. Sonst sind die Stehplätze irgendwann weg.
Einen sesshaften Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Nach EM-Qualifikation 2020: Kein Grund zur Euphorie
Und drin ist der Ball: Toni Kroos mit Doppelpack. Foto: Imago / Huebner
Und drin ist der Ball: Toni Kroos mit Doppelpack. Foto: Imago / Huebner
"Nur Potenzial alleine hilft dir am Ende nicht weiter"
Von Oliver Mucha
Bei allem Respekt: Wenn fast die Hälfte der Mitgliedsverbände an der EM teilnimmt, war die EM-Qualifikation für die sich im Umbruch befindende deutsche Nationalmannschaft absolute Pflicht. Das war auch den Spielern und Verantwortlichen klar. Jubelszenen blieben nach dem Sieg gegen Weißrussland daher aus.
Bundestrainer Joachim Löw ist sich seiner Baustellen bewusst. Dass sein Zeitplan durch die zahlreichen Ausfälle in den vergangenen Wochen durcheinandergewirbelt wurde, ist nicht seine Schuld. Dennoch ist jetzt Eile geboten. Nach dem Jahresabschluss gegen Nordirland gibt es noch zwei Länderspiele im März, dann muss Löw seinen vorläufigen Kader benennen.
Haben wir eine Titel-Chance, Herr Löw?
Die 38 EM-Kandidaten auf dem Prüfstand
Löw wird die Genesung seiner Schlüsselspieler Leroy Sane und Niklas Süle genau verfolgen. Doch auch wenn dieses Duo rechtzeitig zum Turnierstart wieder fit wird, ist das DFB-Team kein Titelfavorit. Dafür wirkte die Defensive selbst gegen harmlose Weißrussen nicht sattelfest genug, die Leistungen gerade der jungen Spieler sind naturgemäß noch schwankend.
Diese Ausgangslage muss aber nicht einmal schlecht sein. Ohne den großen Druck, dass nur der Titel oder zumindest die Finalteilnahme ein Erfolg sind, kann die Mannschaft ein Stück weit unbekümmert an die Aufgabe herangehen. Was sie leisten kann, hat sie zumindest in Ansätzen schon bewiesen.
Jetzt sind Löw und seine Spieler gefordert, die nächsten Schritte zu machen, auch wenn andere Nationen wie Frankreich, England oder Belgien in ihrer Entwicklung schon weiter sind.
Oliver Mucha ist Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (SID)
Luca Waldschmidt erleidet zahlreiche Verletzungen Luca Waldschmidt erleidet zahlreiche Verletzungen
Heute im Fernsehen
Ein Versprechen für Frankfurt Ein Versprechen für Frankfurt
FCBlogin
„Wir wurden vom ,Fanclub Nationalmannschaft‘ eingeladen, mussten nichts für die Tickets zahlen.“ Sogar die "lustigen Musikfans" werden nunmehr inszeniert... Meine Güte, Bierhoff! https://t.co/ehVZWnSLDJ
#GERBLR
2:18 PM - 17 Nov 2019
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ballbesitz vs. Umschaltspiel
Von Alex Steudel
Joachim Löw hat vor dem Weißrusslandspiel gesagt, dass die Zeit des Ballbesitzfußballs im Nationalteam zu Ende geht. Umschaltspiel sei jetzt das heiße Ding.
Okaaaaay, dachte ich, das kann ja heiter werden.
Und dann hatte Deutschland 71 Prozent Ballbesitz gegen Weißrussland. Ausgerechnet gegen Weißrussland, das so schwach ist, dass man Keinballbesitz hätte super üben können. Da frage ich mich: Wieso haben die Spieler das bloß gemacht? Also einfach den Ball besitzen, die EM ist doch bald. Lesen die eigentlich keine Zeitung?
Dazu muss ich folgendes anmerken: Mein Verhältnis zum DFB-Team war schon immer schwierig. Ich hinterfrage es seit meiner Kindheit nach jedem Fehlpass und nach jedem 4:0 neu. Also oft. Ich bin traumatisiert und frühgeschädigt, ich sag’ nur: Deutschland gegen Österreich 1978. Nie war mir etwas peinlicher als diese Niederlage und die mitleidigen Blicke, die ich in einem Straßencafé in Griechenland erntete, in dem ich mit meinem Vater während des Spiels saß.
Damals schwor ich mir in meinem zwölfjährigen, traumatisierten Zustand, immer kritisch und distanziert mit der Nationalmannschaft umzugehen, in guten wie in schlechten Zeiten, und so überstand ich sogar die EM 2000 gut, weil mich Hans Krankl quasi darauf vorbereitet hatte.
Bei diesem Länderspiel gab es viele Verlierer Bei diesem Länderspiel gab es viele Verlierer
Und jetzt soll also wieder alles anders werden? Warum? Ich werde wie Pep Guardiola nie verstehen, was an Ballbesitz schlecht sein soll. War nicht schon früher auf dem Bolzplatz derjenige der King, der den Ball mitbachte?
Hätte sich 1979 je irgendjemand auf dem Bolzplatz getraut, zu den anderen zu sagen: “Hey, Leute, ich habe eine Idee: Wir überlassen den Ball den anderen und machen Umschaltspiel”?
Der Ballbesitzer, der hat immer alles bestimmt im Fußball. Fragen Sie mal Louis van Gaal. Der ließ die Bayern so lange den Ball besitzen, dass er während eines einzigen mehrjährigen Angriffs immer wieder heimlich aufgepumpt werden musste.
Endlich wieder was zu feiern Endlich wieder was zu feiern
Eine Ballsportart, in der man den Ball nicht will, das geht nicht in meinen Kopf rein. Never ever. Und ich weiß natürlich, dass es da Jürgen Klopp gibt. Aber der ist halt als Trainer so gut, dass er sogar Nichtballbesitz übersteht.
Ich bekenne mich jedenfalls hiermit eindeutig zu Ballbesitz und gegen Umschaltspiel. Umschaltspiel ist für mich, wenn der HSV im Fernsehen kickt und ich deshalb den Kanal wechsle.
Meiner Meinung nach ist ohne Ballbesitz bei der EM spätestens im Achtelfinale Schluss. Vermutlich gegen Österreich.
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Alle mal herschauen!
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