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Nati in der Nations League: Die organisierte Langeweile

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Inzwischen gehen die Interpretationen sehr weit auseinander, ob d
 

Fever Pit’ch

13. November · Ausgabe #458 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Inzwischen gehen die Interpretationen sehr weit auseinander, ob der Auftritt von Karl-Heinz Rummenigge und seinen Gefährten eine äußerst gelungene Strategie darstellte, um die bisherige Verteilung der TV-Gelder zugunsten des FC Bayern München zu verteidigen, oder doch eine Show-Veranstaltung.
Untypisch für den Rekordmeister ist eine solche Machtdemonstration nicht. Fast muss man sagen: Die Kampfansage an abtrünnige Vereine (vier in der ersten und zehn in der zweiten Liga), dass an den bestehenden Verhältnissen nicht mehr gerüttelt werden sollte, erinnerte doch sehr an Uli Hoeneß.
Als Bayern-Manager hat Uli Hoeneß jeden Widerstand mit Einschüchterungsgesten und Lautstärke gebrochen, wenn jemand seinen Bayern auf die Pelle rückte. Max-Jakob Ost hat den Werdegang und die Methoden der Hoeneß-Bayern hörbar aufgezeichnet.
“11 Leben” heißt seine Podcast-Reihe über die Welt von Uli Hoeneß. Man lernt, wie der FC Bayern zur Großmacht heranwuchs, trotz Schulden und Schwierigkeiten, und wie ein einzelner Visionär auch davon lebte, dass er die anderen Vereine klein hielt. Wer das hört, durchschaut Rummenigge.
Ein verschwörerisches Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Nati in der Nations League: Die organisierte Langeweile
Einige Volltreffer und ein Warnschuss Einige Volltreffer und ein Warnschuss
Von Alex Steudel
Am Samstag gibt’s angeblich ein richtiges Länderspiel. Mit Stammspielern und so. 
Diesmal nennen wir es Nations League und nicht Testspiel, denn diesmal geht es um viel – also relativ viel. Genau genommen geht es um die Qualifikation zur nächsten Nations League. Obendrein kann man sich in der Nations League sogar für die Playoffs qualifizieren. Man muss es nur geschickt anstellen und den Modus kennen.
Glaube ich zumindest. Ich selbst verstehe den Modus nicht. Ich habe den Versuch abgebrochen, um die Kolumne bis heute 6.10 Uhr fertig zu kriegen. Das hatte recht viel mit Sätzen wie diesem zu tun: 
“In einem WM-Playoff-Turnier treten die zehn Gruppenzweiten der WM-Qualifikation und die zwei besten Nations-League-Gruppensieger an, die weder zu den Gruppenersten noch -zweiten der WM-Qualifikation zählen.”
Machen wir uns nichts vor: Das Spannendste an der Nations League ist ihr Modus. Der Rest ist und war Langweile. Weiß zum Beispiel jemand, wer voriges Jahr im Halbfinale stand? Gab’s überhaupt eins? Und wie sieht der Pokal aus? Na? Weiß keiner, weil es keinen interessiert.
Es kommt noch besser: Kurioserweise interessiert die Nations League nicht mal diejenigen, die mitspielen. Nationalspieler Toni Kroos hat diese Woche gesagt: “Wenn es eine Spielergewerkschaft gäbe (…),  würden wir weder Nations League, noch einen spanischen Supercup in Saudi-Arabien oder eine Klub-WM mit 20 oder mehr Mannschaften spielen.” 
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ich fasse das mal so zusammen: Die Nationalelf macht in einem Wettbewerb mit, in dem sie sich für etwas qualifizieren soll, das die Nationalelf für überfüssig hält. “Am Ende der Tage sind wir (…) als Spieler nur die Marionetten von Fifa und Uefa”, sagt Weltmeister Kroos.
Da ist man ja als Zuschauer gleich doppelt motiviert.
Die Uefa begründete die Schaffung der National League – den Satz habe sogar ich gleich verstanden – “mit dem Wunsch der Nationalverbände, die Zahl der Freundschaftsspiele zu verringern”. Wie es trotzdem zu Dreierpack-Wochen mit Ersatzspielerfestivals à la Deutschland-Tschechien kommen konnte, ist mir ein Rätsel. Vermutlich geht es ausnahmsweise mal um Geld.
Flexibilität in der Argumentation ist halt wichtig in diesen Zeiten. Womit ich zu einer Nations-League-Regel komme, die nirgends steht und doch umgesetzt wurde:
“Steigt Deutschland aus der A-Liga der Nations League ab, gilt keine Regel mehr, und Deutschland bleibt einfach drin in der A-Liga.” 
Anders ausgedrückt: Wenn die mit der Kohle und den Sponsoren absteigen, regeln wir sie einfach wieder rauf. So lief das letztes Jahr.
Millionen von HSV-Fans lagen übrigens in Abstiegsagonie jahrelang nachts wach und beteten doch vergebens für so eine Regel.
Bayern-Stars da, vier Spieler weg
Sehnsucht nach feurigen Flanken
Ich vermute, der Nations-League-Modus und seine Ausstiegsklauseln wurden von einem Beamten verfasst, der früher bei der EU war. Er qualifizierte sich mit Werken wie der “DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) zur Änderung und Berichtigung im Hinblick auf die Sicherheitsmanagementsysteme in Unternehmen zur Führung der Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit und im Hinblick auf Erleichterungen für Luftfahrzeuge der allgemeinen Luftfahrt in Bezug auf die Instandhaltung und die Führung der Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit” für die Uefa. Diese Verordnung gibt es wirklich, sie ist 105 Seiten lang und liest sich ähnlich locker wie die Nations-League-Ordnung. Probiert es mal, wie sprechen uns in zwei, drei Wochen wieder.
Und dann erzähle ich euch, warum wir im Fußball ein Nachwuchsproblem haben: Die Kids kommen auf der Straße nicht mehr zum Kicken, weil sie dauernd den Nations-League-Modus diskutieren müssen.
Samstag im Fernsehen
20.45 Uhr, ZDF: Deutschland - Ukraine
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Was sonst noch so los ist
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