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Nur noch ein Punkt! FC Bayern macht RB Leipzig nervös

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Natürlich würde ich mich hier am liebsten über die "Katastrophe"
 

Fever Pit’ch

27. Januar · Ausgabe #328 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Natürlich würde ich mich hier am liebsten über die “Katastrophe” auslassen, die RB Leipzig in Frankfurt gespielt hat. Oder über das “Schicksal”, das Schalke 04 bei Dienstreisen in München widerfährt. Gestern hatte ich schon die Argumentationskette geschmiedet, warum Alexander Nübel nächstes Wochenende im Tor stehen sollte und nicht Markus Schubert. Ganz normale Fußballthemen halt, die in einem Newsletter Verwendung finden sollten.
Und dann platzte die Nachricht vom Tod der Basketball-Legende Kobe Bryant in den Abend. Er hatte alles erreicht, was man in seinem Sport anstreben konnte, und als “Black Mamba” Rekorde gesetzt. Das viele Geld schützte ihn beim Hubschrauber-Absturz so wenig wie ein paar Tage zuvor die Kinder beim Busunglück in Thüringen. Leider führen uns erst solche Schockmomente die Verhältnismäßigkeit wieder vor Augen.
Zu oft reden wir Sportjournalisten von einem “Schicksalsspiel eines Trainers” oder von einem “Katastrophenstart in die Saison”. Was Schicksal und Katastrophe wirklich bedeuten, erleben die Angehörigen der Unfallopfer. In diesen Momenten schäme ich mich, dass ich selbst die Begriffe gelegentlich zu leichtfertig verwende. Wenn ein Spieler auf die Tribüne verbannt wird, geht die Welt nicht unter. Auch wenn Schlagzeilen das suggerieren.
In den nächsten Tagen werden Leben und Wirken dieses großartigen Sportlers gewürdigt werden. Der Bundesliga-Spieltag wird deswegen nicht am kommenden Wochenende ausfallen. Allmählich kehren jedes Portal und jede Zeitung von der Berichterstattung über Kobe Bryants Tod zum Alltag der Sportberichterstattung zurück. Vielleicht können wir trotzdem bei der Wortwahl künftig etwas gemäßigter vorgehen. Es wäre: angemessen.
Einen moderaten Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Nur noch ein Punkt! FC Bayern macht RB Leipzig nervös
So geht man in Zweikämpfe: Sebastian Rode gegen Yussuf Poulsen. Foto: Imago / HJS
So geht man in Zweikämpfe: Sebastian Rode gegen Yussuf Poulsen. Foto: Imago / HJS
"Sehr wenig Engagement und Elan"
Von Nikolaj Stobbe
Hoppla, was war das? Julian Nagelsmann hat seine Mannschaft zusammengestaucht und ihr in aller Öffentlichkeit mittels einer Bergsteiger-Metapher die Leviten gelesen. Der Leipziger Cheftrainer sprach mit seinem Gipfel-Grollen seinen Schützlingen den absoluten Willen ab, am Ende der Saison das Gipfelkreuz zu erreichen. Zu schlecht seien die Leistungen im Training gewesen, kritisierte Nagelsmann.
Für Verwunderung sorgte der Zeitpunkt, an dem der Leipziger Bergführer seinem Frust Luft machte. Denn immerhin sind die Sachsen derzeit noch Tabellenführer, haben auch nach der Niederlage in Frankfurt noch einen Zähler Vorsprung auf die Bayern, zwei auf Mönchengladbach und drei auf Dortmund.
Julian Nagelsmann – darum zerlegt der Trainer seine Stars Julian Nagelsmann – darum zerlegt der Trainer seine Stars
Doch offenbar ahnt der junge Cheftrainer, dass jetzt eine entscheidende Phase in der Bundesliga-Saison ansteht. Eine Phase, in der seine Mannschaft wichtigen Boden verlieren könnte. Schon in zwei Wochen kommt es in München zum Gipfelduell mit den Bayern, und nach den jüngsten Gala-Auftritten des Rekordmeisters ist eine Wachablösung an der Spitze gut möglich.
Insofern ist die Gipfelrede von Nagelsmann verständlich und gut platziert. Der jüngste Bundesliga-Trainer wollte seine Spieler wachrütteln. Der 32-Jährige scheut dabei auch vor unpopulären Auftritten nicht zurück und wird zum Lautsprecher.
Ein Blinzeln reicht im Titelkampf Ein Blinzeln reicht im Titelkampf
Nagelsmanns Spieler hatten Verständnis für das Grollen ihres Trainers. Sie übten anschließend Selbstkritik und schafften damit die Voraussetzungen dafür, dass der Schlendrian in ihren Reihen bald ein Ende haben könnte.
Hier zeigt sich der gute Instinkt ihres Trainers, dem man den Ärger und die Wut abnimmt. Der junge Coach wirkt authentisch und glaubwürdig - und zeigt mit seiner Wutrede vor allem, wie wichtig ihm selbst der Weg nach ganz oben zum Gipfelkreuz ist.
Leon Goretzka will kein Scheinheiliger sein Leon Goretzka will kein Scheinheiliger sein
Heute im Fernsehen
Norddeutsche Tiefebene
0:3! Werder Bremen wie ein Absteiger 0:3! Werder Bremen wie ein Absteiger
Reagiert Werder Bremen auf dem Transfermarkt?
Niederrhein
0:3 in Leverkusen! Fortuna Düsseldorf ganz unten 0:3 in Leverkusen! Fortuna Düsseldorf ganz unten
"Bin nicht blauäugig"
Was sonst noch so los ist
"Andreas Möller hat Eier, ganz viele haben keine" "Andreas Möller hat Eier, ganz viele haben keine"
Erling Haaland: Ein ganzes Land steht kopf
BVB-Interesse an Emre Can: Das sagt Juventus
Urs Fischer erhebt den Kampf zur Kunst
Clemens Tönnies über Rassismus, Fans empört
#WeRemember? Wir doch nicht!
"Scheißegal"
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Wer nicht kalibriert, verliert
Von Alex Steudel
Der Videobeweis ist spätestens seit dem Bayern-Spiel gegen Schalke 04 mein neues Lieblingstool. Freundlicherweise hat nämlich der DFB diese wunderbare Einrichtung, die uns vor Spielfluss und Emotionen bewahren soll, jüngst geupdated und in einer verfeinerten, neuen Version die Durchschnitts-Entscheidungszeit pro Szene auf jetzt 79 Sekunden erhöht. Kompliment. Dass ein Erling Haaland in der Zeit zwei Tore schießen könnte? Geschenkt. Fallen ja eh viel zu viele in der Bundesliga.
Mir ist es inzwischen völlig egal, was da ewigdauernd entschieden wird. Ich mag einfach den Vorgang an sich. Er bringt uns alle, quer durch die Gesellschaftsschichten, zusammen. Die fragenden Gesichter der Millionäre auf dem Platz sind die gleichen wie die der Stehplatzbesucher hinterm Tor, der Sektschlürfer im Vip-Bereich und der Fernsehzuschauer daheim. Mehr noch: Fußball ist dank Video Assistant Referee (VAR) zum weltweit einzigen Ereignis geworden, dass die Menschheit, die ansonsten mit Facebook-Hass, Umweltzerstörung, Radwegzuparken und Religionskriegen beschäftigt ist, in einem gemeinsam ausgestoßenen “Hä?” verbindet. Hä, wie lange dauert das noch? Hä, wieso soll das jetzt Abseits gewesen sein? Hä, ich dachte, der Schiri entscheidet und nicht irgendein Keller?
Die Unparteiischen scheuen dabei keinen Aufwand und werfen immer neuere Entwicklungen auf den Markt: die kalibrierte Linie zum Beispiel, also die Weiterentwicklung der Ampelblitzanlage von 1959. Ich finde: Man muss erstmal den Mut haben, etwas zu entwickeln, das nicht richtig funktioniert, und es dann trotzdem konsequent umsetzen. Ich habe vor fünf Jahren mal die Facebook-Niederlassung in New York besucht, die haben die zugrundeliegende Philosophie schon damals gelebt. Überall hingen Plakate mit der Aufschrift: “Better done than perfect.” Auf gut Schiri-Deutsch: Wer nicht kalibriert, verliert.
Herr Merk, hätten Sie gern 2001 den VAR gehabt?
Siehe das Tor von Robert Lewandowski beim 9:0 (vor Steuern) gegen Schalke. Manuel Gräfe gab den Treffer, der Videokeller widersprach – gilt nicht! So war für jeden was dabei. Und beim angeblichen Nicht-Tor von Thomas Müller bewies die stolz eingeblendete Linie: nichts. Allenfalls Müllers Fingernagel hing womöglich 0,412 Millimeter im Abseits.
Ich habe diese Woche in Sport-Bild gelesen, dass die DFL dem DFB das Schiedsrichterwesen wegnehmen und was Professionelles daraus machen will. Das war ein Schock für mich. Ich mag nicht mehr Fußballgucken ohne minutenlanges gemeinsames Überlegen, ob das jetzt ein Tor war oder nicht. Mich macht das sehr, sehr ruhig, ich ergötze mich an den fragenden Gesichtern der Spieler und des Spielbegleiters (früher: Schiedsrichter), beide so eine Art Sklaven des Kölner Kellers, dessen Name nicht ohne Grund an eine verruchte Kneipe ohne Sperrstunde erinnert.
Ich hoffe auch, dass es bald eine VAR-Version zum Runterladen für den Hausgebrauch gibt, damit ich zum Beispiel beim Finanzamt gegen meine Einkommensteuererklärung von 2018 Widerspruch einlegen kann; ich glaube nämlich, da standen ein paar abgelehnte Spesenrechnungen mindestens auf gleicher Höhe.
Und ich freue mich auf die demnächst beginnende TV-Rechtevergabe, die uns ab 2021 sicherlich ein paar den Begebenheiten angepasste Formate bringen wird, zum Beispiel “Alle Spiele, keine Tore – die Videobeweis-Konferenz” (Sky, 15.30 Uhr), “Die VAR-Schau” (ARD, 18.30 Uhr) oder “Das aktuelle Keller-Studio” (ZDF, 23 Uhr).
Alle mal herschauen!
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