Profil anzeigen

Ottmar Hitzfeld: Der General wird heute 70

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Heute erscheint die 50. Ausgabe von Fever Pit'ch. Ich darf zufrie
 

Fever Pit’ch

12. Januar · Ausgabe #50 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Heute erscheint die 50. Ausgabe von Fever Pit'ch. Ich darf zufrieden sein. Seit dem Start am 5. November wächst die Zahl der Leser kontinuierlich. Jede Ausgabe erreicht im Emailfach eine Öffnungsrate von über 50 Prozent. Jede - bis auf eine. Der Newsletter Nr. 31 zu Borussia Dortmund und der bevorstehenden Herbstmeisterschaft schaffte exakt 49,18 Prozent und ist der einzige U50. Ihr merkt schon: Ich habe sonst keine Sorgen. Tut mir bitte den Gefallen und klickt diese Ausgabe 31 hier an - dann springt der Wert über 50 Prozent. Ich kann dann besser schlafen.
Warum ich das schreibe: Von Ottmar Hitzfeld habe ich als junger Reporter gelernt, dass man niemals nachlässig werden darf. Jeder Punkt, jedes Tor, jeder Zentimeter kann entscheidend sein. Dieses Denken hat sich in mir festgesetzt. Darum die Sache mit dem Extra-Klick. Ottmar Hitzfeld wird heute 70. Ihm ist die Jubiläumsausgabe gewidmet.
Ein ausgeschlafenes Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Ottmar Hitzfeld: Der General wird heute 70
Die größten Erfolge von Ottmar Hitzfeld: 7 Meisterschaften, 3 DFB-Pokalsiege, 2mal Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger, 2mal Schweizer Meister und Pokalsieger. Fotomontage: Imago/Sven Simon
Um Ottmar Hitzfeld als Trainer zu begreifen, blickt man am besten ins Jahr 1984 zurück. Er arbeitete damals beim Schweizer Provinzklub SC Zug und musste auf seiner ersten Trainerstation einen Präsidenten ertragen, über den er inzwischen sagt: „Wer das mitgemacht hat, den kann nichts mehr erschüttern.“ Dagegen sei Bayern München „wie ein Säuseln im Winde“ gewesen.
Ein Beispiel. Seine Mannschaft hatte 1:2 in Winterthur verloren, als Präsident Werner Hofstetter wütend in die Umkleidekabine stürmte und Hitzfeld am Kragen packte. „Du redest immer wie ein Pfarrer und nimmst die Spieler in Schutz!“, brüllte er. „Das muss aufhören!“ Die Kabinentür flog auf, einer schrie „Pressekonferenz!“, und Hitzfeld rettete seine Haut, bevor Schlimmeres passierte. 
Noch heute, 34 Jahre später, erzählt Hitzfeld ehrfürchtig davon, wie er damals gewürgt worden ist. Hingeschmissen hat er seinerzeit nicht. „Irgendwie musste ich meine erste Saison zu Ende bringen.“ Sonst hätte seine Karriere, das ahnte Hitzfeld, von Beginn an einen Makel im Lebenslauf gehabt. Also Hacken zusammen, eiserne Disziplin, stur durch den Wind, keine Schwäche zeigen.
In den folgenden dreißig Berufsjahren hat die Öffentlichkeit Ottmar Hitzfeld selten anders erlebt. Weder bei Borussia Dortmund, wo er von 1991 bis 1998 wirkte, noch in seinen zwei Amtszeiten bei Bayern München. Auch heute, an seinem 70. Geburtstag, wird keine Rückschau auf sein Trainerleben den Spitznamen auslassen: Hitzfeld war und ist - „der General“.
Tatsächlich liegt das Militärische in der Familie. Sein Onkel war Otto Hitzfeld, General der deutschen Infanterie im Zweiten Weltkrieg. Trotzdem wird ihm der Begriff nicht gerecht. Generälen wird ein Zwang zur Pflichterfüllung nachgesagt. Ottmar Hitzfeld dagegen konnte immer sehr gut „Nein“ sagen. Auch wenn es ums Vaterland ging. Vorsicht kann ein Erfolgsgeheimnis sein.
2004 wollten sie ihn beim DFB zum Bundestrainer machen. Rudi Völler hatte zwei Jahre vor der WM im eigenen Land keine Lust mehr auf Rumpelfußball. Hitzfeld galt als Heilsbringer. Zweimal Champions-League-Sieger. Zweimal Welttrainer des Jahres. Zu diesem Zeitpunkt sechs Deutsche Meisterschaften. Wer sonst sollte die Trümmer nach der EM-Blamage wegräumen?
Hitzfeld verzichtete. Sein Schwager war einige Zeit vorher auf dem Weg ins Stadion zusammengebrochen. Ihm war das eine Warnung. Gesundheitlich waren ihm längst die Grenzen aufgezeigt worden. Der Bayern-Stress, die vorzeitige Trennung, ein Burn-Out: Trotzdem sollte er zurück ins Hamsterrad. Die Republik wollte ihn in die Pflicht nehmen. Er sagte ab.
Man kannte das von ihm. 1997, als er gerade mit dem BVB die Champions League gewonnen hatte, lockte Real Madrid. Der Präsident persönlich machte ihm die Aufwartung. Hitzfeld aber ließ sich nicht ködern: „Bevor ich Spanisch gelernt hätte, wäre ich schon entlassen gewesen.“ Kalkül ist ebenfalls sein Erfolgsgeheimnis.
Ende 2017 hätte es nur eines Ja-Worts bedurft, damit Hitzfeld aus dem Ruhestand in die Bundesliga zurückkehrt. Borussia Dortmund brauchte ihn als Nachfolger des glücklosen Peter Bosz wie Bayern zuvor Jupp Heynckes für den ebenso glücklosen Carlo Ancelotti. Hitzfeld aber widerstand den Lockrufen. Stattdessen kam Peter Stöger über Nacht zum BVB.
„Ich habe Jupp Heynckes für seinen Mut bewundert, sich wieder auf die Trainerbank zu setzen“, sagt Hitzfeld im persönlichen Gespräch. Heynckes, damals 72, ist sogar vier Jahre älter als er. „Aber für mich war das unvorstellbar.“ Im Herbst seines Lebens wolle er seiner Frau Beatrix für die Entbehrungen im Verlauf seiner Trainerkarriere das Kostbarste zurückgeben: gemeinsame Zeit.
Fit genug wäre er, wenn er in der Bundesliga aushelfen müsste, wie er es schon einmal bei Bayern getan hat: als Magath-Nachfolger 2007/08, als er seine letzte Meisterschaft eine Woche später mit dem DFB-Pokalsieg krönte. Er geht noch immer Golf spielen. Sein Handicap liegt bei Mitte 20, was einerseits eine gewisse Übung und andererseits genügend Gelassenheit verrät. 
„Ich habe keine Sehnsucht nach meinem alten Beruf“, versichert er. Redet so ein General? Ist Hitzfeld gleichgültig. Den Arbeitseifer als Klubtrainer mit 60 bis 70 Pflichtspielen im Jahr hatte er rechtzeitig als Schweizer Nationaltrainer auf 10 bis 15 Länderspiele pro Jahr reduziert. Nach der WM 2014 in Brasilien ging er pünktlich mit 65 in Rente und kündigte seinen Job als TV-Experte.
„Heute halte ich Vorträge und nehme an Talkrunden teil“, erzählt Hitzfeld. „Alles so, wie es mir passt. Ich kann es mir aussuchen.“ Zu seinem runden Geburtstag erreichten ihn etliche Interview-Anfragen. Die meisten hat er angenommen. Er fährt dann von seinem Alterssitz in Engelberg rüber nach Basel, um in einem Luxushotel in der Stadt Rede und Antwort zu stehen. 
Gerne spricht er nicht über die Vergangenheit und seine vielen Erfolge. „Auch als Rentner schaue ich immer nur nach vorne“, sagt er, „das war schon als Trainer meine Philosophie.“ Die Sichtweise schützte ihn stets vor Hadern nach Misserfolgen, wie er sie auch erlebte, oder nach verpassten Karrierechancen. Er ist bald dreifacher Opa. Da denkt man ans Hier und Jetzt. Nicht ans Gestern. 
Ins Fußballstadion zieht es ihn nur noch ein- oder zweimal im Jahr. Lieber, sagt Hitzfeld lachend, schaue er sich die Bundesliga-Konferenz im Fernsehen an. Seinen 70. Geburtstag will er im engsten Familienkreis feiern, Engelberg und seine Heimatstadt Lörrach liegen nicht weit voneinander entfernt.
Heute im Fernsehen
Fortuna Düsseldorf schwächt sich selbst
Kommentar zum feststehenden Abschied von Friedhelm Funkel Kommentar zum feststehenden Abschied von Friedhelm Funkel
Den Fall Friedhelm Funkel könnte man aufs Faktische reduzieren, um die ganze Absurdität seines Abschieds von Fortuna Düsseldorf vor Augen zu führen. Als Verein trennt man sich nicht von einem Trainer, der erstens einen zurück in die Bundesliga geführt hat, zweitens in der Hinrunde 18 Punkte mit durchschnittlichen Spielern holt und drittens einen exzellenten Draht zur Mannschaft hat,
Fortuna Düsseldorf hat es trotzdem getan. Der Vorstandsvorsitzende Robert Schäfer und mit ihm der Aufsichtsrat waren der Meinung, dass Funkel kein Anrecht auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung im Winter hat. Nicht mal aufgrund der oben genannten Fakten. Weil der Trainer aber nicht warten wollte, gibt man ihm zum Sommer hin den Laufpass. Trotz der oben genannten Fakten. Das verstehe, wer will.
Der Fortuna-Chef bringt sich mit der Personalie unnötig in die Bredouille. Um konkreter zu werden: Die Entscheidung kann ihn mittelfristig den Kopf kosten. Denn als Gewinner wird er nicht mehr aus der Debatte gehen. Steigt Düsseldorf am Ende der Rückrunde ab, ist der Schuldige schnell gefunden - Schäfer. Bleibt Düsseldorf drin, wird ihn alle Welt noch vehementer fragen: Wie konntet Ihr nur?
Friedhelm Funkel ist nicht nur ein außerordentlich beliebter Trainer. Er ist sogar so anständig, dass er nur einen Vertrag bei Klassenerhalt bekommen wollte. Fortuna wäre also kein Risiko eingegangen. Funkel weinte, als die Nachricht gestern im Trainingslager bekannt gegeben wurde, und will in Rente gehen. Seine Begründung: Eine solche Mannschaft bekäme er eh nirgendwo mehr. Man liest das und schüttelt den Kopf. Über Fortuna.
Ein durchsichtiges Possenspiel der Verantwortlichen
Netzreaktionen zum Funkel-Aus in Düsseldorf
Was sonst noch so los ist
„Hauptberuflicher Schiedsrichter wird kommen“ „Hauptberuflicher Schiedsrichter wird kommen“
Berufung gegen Müller-Sperre in Liverpool-Spielen
„Ich muss es mir selbst jeden Tag beweisen“ (+)
Positives Trainingslager-Fazit beim Spitzenreiter
BVB holt offenbar Argentinier Leonardo Balerdi
VfB Stuttgart würde Badstuber ziehen lassen
Wer hängt noch in China fest? Anthony Modeste!
FC St. Pauli: Alex Meier mit Traum-Debüt
Ex-Nationalspieler Robert Huth beendet Karriere
PSG: Neymar bettelte angeblich um Rückholaktion
Alle mal hinschauen!
Katar-Söldner beim Handball: Droht das 2022 auch beim Fußball? Katar-Söldner beim Handball: Droht das 2022 auch beim Fußball?
Hat Dir diese Ausgabe gefallen?
Wenn Du keine weiteren Ausgaben mehr erhalten möchtest, kannst Du den Newsletter hier abbestellen.
Wenn Dir dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Dir gefällt, kannst Du ihn hier abonnieren.
Powered by Revue
https://pitgottschalk.de/impressum-disclaimer/