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Perisic zum FC Bayern: Das kann doch nicht alles sein

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Gestern schrieb mir ein Newsletter-Leser etwas genervt, dass Feve
 

Fever Pit’ch

13. August · Ausgabe #206 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Gestern schrieb mir ein Newsletter-Leser etwas genervt, dass Fever Pit'ch am Montag zu viel Tönnies und zu wenig Fußball geboten hätte. Leider hat der Mann recht. Zu meiner Verteidigung: Das Thema, das Schalke gerade aufwühlt, ist nicht allein die Aussage von Clemens Tönnies zu Afrika, sondern eine hochpolitische Frage: Wie viel Distanz hält der Fußball zum alltäglichen Rassismus, den unser Land zeigt? Anders: Wo endet Meinungsfreiheit, wo beginnt Diskriminierung? Die Deutschen reden sich in Rage und finden keinen gemeinsamen Nenner. Der Schauspieler und Vorzeige-Schalker Peter Lohmeyer kündigte jetzt seine Mitgliedschaft im Verein - wegen Tönnies.
Der Toleranz-Appell aus den beiden Verbandszentralen in Frankfurt ist das eine, das andere die Lebenswirklichkeit in den Stadien. In Chemnitz solidarisiert sich das Publikum öffentlichkeitswirksam mit einem Freund der rechtsradikalen Szene. In Rostock mussten wir gestern einen Spruch lesen, der in Inhalt und Schrift an die dunkelste deutsche Vergangenheit erinnert: “Außer Rand und Band, für Verein und Vaterland”. Alles harmlos? Vielleicht. Und doch weckt der Fall Jatta beim Hamburger SV bei zu vielen Leuten alte Ressentiments, nur weil zwei Trainer in Gambia ein ungeklärtes Zeugnis über Bakery Jattas Alter und Namen abgelegt haben.
Mein besonnener Kollege Jan Christian Müller hat zur Komplexität dieses Themas einen äußerst klugen Kommentar in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht. Ich kann jedem nur die Lektüre “Die vielen kleinen Jattas” empfehlen, weil sie Mahnung und Erkenntnisgewinn in einem bietet. Für alle anderen komme ich umgehend: zum Sport.
Einen ehrlichen Dienstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Perisic zum FC Bayern: Das kann doch nicht alles sein
Foto: Imago Images / Sven Simon
Perisic-Wechsel rückt Stück für Stück näher
Von Thomas Niklaus
Erst mal kein Leroy Sané, dafür Ivan Perisic. Die offizielle Bestätigung steht zwar noch aus, doch die Diskussionen um Bayern Münchens wahrscheinlichen Zugang sind bereits in vollem Gange. Ist der Kroate nach der schweren Verletzung bei Wunschspieler Sane nur eine Notlösung? Oder kann der Vize-Weltmeister dem Rekordmeister tatsächlich weiterhelfen?
Zumindest Niko Kovac hat darauf eine klare Antwort. Man könne bei Perisic “nicht über eine B-, C- oder X-Lösung sprechen. Wir müssen uns mal alle hinterfragen, was zuletzt hier lief und gerade läuft. Man macht einen Spieler schlecht. Egal, ob er kommt oder nicht. Ich finde, sowas gehört sich nicht”, sagte der Bayern-Trainer am Montagabend in der ARD. Er gehe davon aus, dass der Transfer “klappt”.
Niko Kovac verteidigt Perisic-Transfer Niko Kovac verteidigt Perisic-Transfer
Ähnlich sieht das Stefan Effenberg. “Ich weiß nicht, ob er eine Notlösung ist. Ich finde, Perisic ist ein herausragender Spieler”, sagte der 51-Jährige bei Sport1. Perisic könne dem FC Bayern “sofort weiterhelfen und braucht keine Eingewöhnungszeit”.
Möglicherweise steht Perisic, 2011 mit Dortmund deutscher Meister, bereits am Freitag beim Bundesligaauftakt der Bayern gegen Hertha BSC im Münchner Kader. Am Montagmittag war Perisic im Krankenhaus Barmherzige Brüder bei Bayern-Internist Roland Schmidt zum Medizincheck. Der Profi bestätigte dies Bild: “Ja, ich hatte gerade den Medizincheck.” Am Mittwoch könnte er ins Training einsteigen.
"Ziele des Rekordmeisters müssen korrigiert werden" "Ziele des Rekordmeisters müssen korrigiert werden"
Aus Italien wurden bereits Eckdaten des Deals genannt: Von einer Leihgebühr von rund fünf Millionen Euro für ein Jahr ist die Rede mit anschließender Kaufoption für 20 Millionen. Im Vergleich zu den weit über 100 Millionen Euro für Sane wäre das ein Schnäppchen für die Münchner.
Trainer Kovac gilt als Fürsprecher von Perisic, den er aus gemeinsamen Zeiten bei der kroatischen Nationalmannschaft bestens kennt. Kovac soll dem früheren Dortmunder und Wolfsburger 2015 auch zu einem Wechsel zu Inter geraten haben. Dort steht Perisic noch bis 2022 unter Vertrag, hat aber unter dem neuen Trainer Antonio Conte offenbar keine Perspektive mehr.
"Finde den Perisic-Transfer sehr, sehr gut" "Finde den Perisic-Transfer sehr, sehr gut"
Kovac glaubt dagegen an seinen Landsmann. Perisic unterstrich insbesondere bei der WM 2018 in Russland seine Qualitäten als robuster und laufstarker Kämpfer mit Torinstinkt. Bei den Bayern gilt er auf dem Flügel als Back-up für Kingsley Coman und Serge Gnabry.
Doch angeblich sind nicht alle Verantwortlichen bei den Bayern von Perisic restlos überzeugt. Erst die Kreuzbandverletzung bei Sané soll etwa bei Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu einem Umdenken in der Personalie geführt haben.
3:1 bei Energie Cottbus: Bayern-Beweis von Stärke bleibt aus 3:1 bei Energie Cottbus: Bayern-Beweis von Stärke bleibt aus
Der Druck auf Salihamidzic ist ungeachtet einer Verpflichtung von Perisic weiter groß. Noch fehlt es im arg dünnen Kader der Münchner an Quantität. Der Name Steven Bergwijn (21) von der PSV Eindhoven hält sich hartnäckig. Auch Philippe Coutinho vom FC Barcelona und U21-Europameister Marc Roca (Espanyol Barcelona) sollen weiter im Fokus sein. Offen ist auch, was die Bayern bei Timo Werner von RB Leipzig planen, der 2020 ablösefrei kommen könnte. Der Kicker nennt sogar Gareth Bale von Real Madrid als möglichen weiteren Leih-Kandidaten.
Und über allen Spekulationen schwebt die Frage: Verpflichten die Bayern Sané trotz dessen Knie-OP und einer Ausfallzeit bis Februar oder März 2020? Nur mit einem wilden Gerücht räumte Kovac am Wochenende kategorisch auf: Franck Ribery wird beim FC Bayern kein Comeback feiern.
Thomas Niklaus ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
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