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Rassismus auf Schalke: Einzelfall oder Liga-Problem?

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Es ist fast witzig, was der umstrittene Spielerberater Mino Raiol
 

Fever Pit’ch

6. Februar · Ausgabe #336 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Es ist fast witzig, was der umstrittene Spielerberater Mino Raiola über das Transfergebaren im internationalen Fußball sagt. Er spricht von “Menschenhandel” und wirft Vereinspräsidenten vor, dass sie Profis benutzten “wie Handschuhe”. Dreimal laut gelacht! Raiola ist jener Mann, der über viele Jahre das Transfersystem auspresste wie eine Zitrone und aufgrund dubioser Geschäftsgebaren geächtet war und gesperrt wurde. Dass ausgerechnet er gegen jene pestet, die ihm ans Leder wollten, verwundert nicht. Sein Interview offenbart nämlich die Wahrheit, wie zahnlos Verbände nach den Auswüchsen ihrer Branche schnappen. Berater wie Raiola finden immer Worte und Tricks, um im Geschäft zu bleiben, und vor allem Vereine, denen sie begehrte Ware andienen können. Zuletzt Borussia Dortmund, wo man sich über die Vermittlung von Erling Haaland freute. Niemand kann Raiola übelnehmen, dass er einem Brot- und Vermögenserwerb nachgeht. Aber er sollte nicht so einen Stuss erzählen. Er bereichert sich, wo er kann, und seine Verbalattacke dient allein seinem Geschäftszweck: Er selbst will wegbeißen, wer ihn beim Verdienen stört.
Einen romantischen Donnerstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Rassismus auf Schalke: Einzelfall oder Liga-Problem?
"... dann kicken wir nicht weiter" "... dann kicken wir nicht weiter"
Von Thomas Lipinski
Affenlaute in Italien, Hitlergrüße bei Englands Länderspiel, antisemitische Rufe in der 3. Liga - rassistische Ausfälle sind beim Fußball fast alltäglich. Nur die Bundesliga-Klubs schienen zuletzt nicht betroffen. Ja, der eine oder andere Spieler berichtete über Beleidigungen wegen seiner Hautfarbe oder Herkunft. Doch Szenen wie in anderen Ländern oder unteren Klassen, in denen Spielabbrüche drohten, gab es im deutschen Oberhaus lange nicht.
Seit dem Pokal-Achtelfinale auf Schalke ist klar: Dieses Thema betrifft nicht nur die anderen, sondern auch die Bundesliga. Warum auch sollten sich Rassisten, die bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft beschimpfen und beleidigen, bei ihren eigenen Klubs zurückhalten?
Glaubwürdig? Schalke hat ein Problem
In den vergangenen Jahren hatte die aktive Fanszene gerade in der Bundesliga mit vielen Aktionen und Kampagnen den Rassismus aus den Stadien anscheinend verbannt - doch er kehrt zurück. Warum sollte es im Fußball anders sein als im Alltag? 
Wenn 75 Jahre nach dem Holocaust Synagogen angegriffen, in den Parlamenten Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung als salonfähig angesehen und Menschen wegen ihrer Herkunft durch die Straßen gejagt werden sowie für erschreckend viele Wutbürger Flüchtlinge aus Bürgerkriegsländern die Wurzel allen Übels sind, darf sich niemand wundern.
Erklärung des Schiedsrichters wirkt dürftig
Der Fußball ist keine Insel der Glückseligen - auch wenn er mit den zahlreichen Spielern aus allen Ländern, Kulturen und Religionen eigentlich ein Beispiel für Integration sein müsste. Er ist ein Abbild der Gesellschaft. In der gegen Andersdenkende in Sozialen Medien meist ungestraft gehetzt wird, Fakten nach eigenem Gusto verdreht oder komplett ignoriert und immer wieder Fremde angefeindet werden - eben auch im Stadion. 
Von Einzelfällen zu reden, wie bei den DFB-Länderspielen, mag angesichts der (noch) geringen Zahl nachvollziehbar erscheinen. Doch schnelles, hartes Durchgreifen ist gefragt, sonst könnte auch in der Bundesliga der Rassismus wieder alltäglich werden.
Thomas Lipinski ist Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (SID)
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