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Rassismus-Skandal erschüttert die Champions League

Revue
 
 

Fever Pit’ch

9. Dezember · Ausgabe #476 · Im Browser ansehen

Das Fußballthema des Tages


Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Kein Außenstehender hat beim Europacup-Spiel gestern Abend in Paris gehört, welches Wort der Vierte Offizielle Sebastian Coltescu aus Rumänien dem Co-Trainer von Istanbul Basaksehir tatsächlich an den Kopf geknallt hat. Nur so viel kann man sagen: Pierre Webo, mit 38 Jahren ein erfahrener Mann auf der Trainerbank, flippt nicht grundlos aus und provoziert nicht grundlos einen Spielabbruch beim Stand von 0:0 nach 15 Minuten. Ob das Wort, das gefallen sein soll, nun “negro” oder angeblich rumänisch “negru” für schwarz war, spielt keine Rolle: Die Champions League erlebt einen ungeahnten Rassismus-Skandal.
Zum ersten Mal steht ein Uefa-Vertreter unter Verdacht, noch am Rasen alle Werte des Fußballs mit Füßen getreten zu haben. Die Spieler von Basaksehir taten das einzig Richtige, als sie das Spielfeld verließen. Das Auswärtsspiel bei Paris Saint-Germain war es nicht wert, dass man stillschweigend die vernommene rassistische Äußerung eines Schiedsrichters hinnimmt, damit die Uefa ihr Millionenspiel weiterspielen kann. Die rote Linie konnte in der Königsklasse nicht deutlicher markiert werden: Bis hierher und nicht weiter! Pierre Webo verdient höchste Anerkennung dafür, dass er sich gewehrt hat, und seine Mannschaft, dass sie Solidarität zeigte.
Beide Klubs werden heute gemeinsam versuchen, zu ihrer Tagesordnung zurückzukehren, die restliche Spielzeit nachholen und beim Einlaufen zumindest ein sichtbares Signal gegen Rassismus setzen. Das alleine wird nicht reichen. Die Uefa, die Millionen in ihren Kampagnen gegen jede Form von Diskriminierung steckt, darf eben nicht zur Tagesordnung übergehen und muss den Fall von Paris nicht nur aufklären, sondern ggf. Strafen aussprechen, die eine unmissverständliche Sprache sprechen, wenn der Verdacht erhärtet wird. Der Uefa sollte klar sein: Heute Abend steht erneut die eigene Glaubwürdigkeit der Uefa auf dem Spiel.
Einen alkoholfreien Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Rassismus-Skandal erschüttert die Champions League
Tumulte am Spielfeld
Tumulte am Spielfeld
Der Vierte Offizielle provoziert Spielabbruch in Paris
Das Champions-League-Spiel zwischen Paris St. Germain und Istanbul Basaksehir wird am Mittwoch (18.55 Uhr) fortgesetzt, nachdem es wegen einer angeblichen rassistischen Äußerung des Vierten Offiziellen aus Rumänien unterbrochen worden war. Das teilte die Uefa nach Gesprächen mit beiden Klubs mit. Mit einem neuen Schiedsrichtergespann sollen die verbleibenden Minuten gespielt werden.
“Eine gründliche Untersuchung des Vorfalls” werde unverzüglich eingeleitet, hieß es weiter. Zuvor hatte Basaksehir auf Twitter bereits angekündigt: “Unsere Spieler haben beschlossen, nicht mehr auf das Spielfeld zurückzukehren.” 
Rassismus-Vorfall führt zu Spielabbruch in Paris
In der 14. Minute kam es im Pariser Prinzenpark zum Eklat. Das Schiedsrichtergespann hatte den Basaksehir-Assistenzcoach Pierre Webo wegen unsportlichen Verhaltens auf die Tribüne geschickt. Bei diesem Vorgang soll das Wort “negro” gefallen sein. Dies warfen die Istanbul-Offiziellen dem rumänischen Schiedsrichter lautstark vor, wie deutlich über die Außenmikrofone zu hören war. 
Das Schiedsrichtergespann wurde angeführt von Ovidiu Hategan, als Vierter Offizieller stand Sebastian Coltescu an der Seitenlinie. Nach minutenlanger Diskussion verließen die Mannschaften nach offiziell gespielten 22:30 Minuten geschlossen das Feld. 
Die Uefa hatte zunächst mitgeteilt, dass nach Rücksprache mit beiden Mannschaften vereinbart worden sei, “das Spiel mit einem anderen Vierten Offiziellen wieder aufzunehmen”. Allerdings tat sich auf dem Rasen nichts. Später packten die Spieler in den Katakomben ihre Taschen und verließen das Stadion. Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, der Sympathien für Basaksehir pflegt, schaltete sich ein und verurteilte die Zwischenfälle “scharf”. 
Beide Teams spielen in Gruppe H, in der RB Leipzig das Weiterkommen durch das 3:2 (2:0) gegen Manchester United unabhängig vom Ausgang des Spiels in Paris klarmachte.
Offiziell: Spiel zwischen PSG und Basaksehir neu angesetzt
Collinas Erben
»Der mit der Kapuze«, »der mit dem Pferdeschwanz«, »der mit dem Ohrring« – alles kein Problem. Aber eine Identifizierung über die Hautfarbe? Ein No-go, völlig egal, in welcher Sprache und mit welchem Ausdruck. (1/4) https://t.co/q5sHRUtWb2
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Von Alex Steudel
Großer Mönchengladbach-Fan war ich nie, ich geb’s zu. Ich war kleiner als die anderen, wendig und stand immer vorn rum. Wenn wir auf der Straße kickten, wollte ich also nie Heynckes sein, ich war Gerd Müller. Ich hatte ohnehin damals, in den 70ern, eine kurze Bayernfan-Phase, ja, ich geb’s zu. Spielten die Bayern gegen Borussia, hatte ich stets Angst, dass die Gladbacher gewinnen könnten. Und die gewannen gar nicht selten. 
Die Bundesliga-Spiele waren wie Feiertage für mich. Allerdings nur zehnminütige, weil die Sportschau ja nie mehr als eine Zusammenfassung zeigte. Europapokal der Landesmeister war anders. Der kam live. Und wenn dort Borussia Mönchengladbach lief, war alles anders. 
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Dann war ich natürlich für die Fohlen, die der Redakteur Wilhelm August Hurtmanns von der Rheinischen Post so getauft hatte, weil sie immer ungestüm nach vorn spielten. Dann liebte ich plötzlich Berti Vogts für genau denselben Ehrgeiz, für den ich ihn fürchtete, wenn er ihn gegen die Bayern zeigte. Dann wollte ich unbedingt, dass Rainer Bonhofs Freistoßtorpedos, die ich sonst am Bayern-Tor vorbeibetete, ihr Ziel fanden. 
Ich werde nie den 29. März 1978 vergessen. Wir hatten Osterferien und waren zu Mamas Familie nach Griechenland gefahren. Trotz Zeitverschiebung durfte ich dort am späten Mittwochabend Gladbach gegen Liverpool gucken. Halbfinal-Hinspiel im Landesmeisterpokal. Bonhof versenkte einen Freistoß kurz vor dem Abpfiff zum 2:1. Ich sah den Ball fliegen und konnte es nicht fassen. Wahrscheinlich stand mein Mund offen. Bis heute kann es für mich kein Freistoß mit diesem aufnehmen. Der Treffer wurde Tor des Monats 1978. Für mich ist er eine Art Tor meines Lebens.
Als der Ball das Netz nach hinten ausgebeult hatte, nickten meine griechischen Onkels mir, ihrem einzigen Neffen aus Deutschland, beeindruckt und wohlwollend zu – ich war ja in dem Moment quasi Mönchengladbachs Statthalter in Griechenland und fühlte mich, als hätte ich den Ball persönlich in die Maschen gejagt. Ich, Alex Bonhof. Angetrieben von Berti Steudel. So fühlte sich das an, damals. 
Es droht ein Nichtangriffspakt
Zwei Wochen später unterlag Mönchengladbach dem FC Liverpool 0:3, Aus im Halbfinale. Da war ich schon wieder in Deutschland. Kenny Dalglish schoss ein Tor. Verzeihung, aus heutiger Sicht natürlich SIR Kenny Dalglish. Der Trainer der Reds hieß Bob Paisley. Jürgen Klopp war zehn Jahre alt. So lange ist das her.
Und jetzt kommt’s.
Wenn die Fohlen heute in Madrid das Achtelfinale der Champions League erreichen, wird Borussia VfL Mönchengladbach zum ersten Mal seit 1978 in der K.o.-Runde des wichtigsten Klubwettbewerbs der Welt stehen. 
Gladbach hatte danach zwar immer wieder den Uefa-Cup erreicht und 1979 sogar gewonnen. Aber in der Königsklassen-K.o.-Runde standen sie seit der Niederlage gegen Liverpool nie mehr. Heute, 42 Jahre und acht Monate später, könnte also ein Tag für die Geschichtsbücher werden.
Im Spiel bei Real Madrid rennen nicht Vogts, Bonhof, Heynckes oder Wimmer über den Platz, sondern Kramer, Ginter, Stindl, Thuram. An der Linie steht Marco Rose, nicht der große Udo Lattek, der 2015 gestorben ist. Es wird ein ganz besonderer Abend. Vielleicht werde ich Daumen drücken und mich an damals erinnern. An Bonhofs Hammer, meine griechischen Onkels und die gute, alte Zeit, in der man im Fernsehen noch ein großes “R” links oben einblendete, wenn die Wiederholung kam.
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