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Rat an die Schiedsrichter: Mehr reden, weniger hören!

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Rödinghausen hat keine 10.000 Einwohner und ist in einer Liga, in
 

Fever Pit’ch

14. Februar · Ausgabe #342 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Rödinghausen hat keine 10.000 Einwohner und ist in einer Liga, in der sich Großstädte wie Essen, Oberhausen und Aachen tummeln, aktuell das Maß aller Dinge. Fünf Spiele in Folge hat der SV Rödinghausen zuletzt in der Regionalliga West gewonnen und sich an der Tabellenspitze einen Vorsprung von sieben Punkten erarbeitet. Alles könnte märchenhaft im Nordosten von Nordrhein-Westfalen sein - wenn gestern nicht die eine Nachricht den Ort erschüttert hätte. Die Vereinsführung will nicht in die 3. Liga aufsteigen.
Der RevierSport, über das Geschehen in den obersten Amateurligen immer bestens informiert, berichtet von “Trauer, Tränen und Wut” in der Umkleidekabine. Die Spieler fühlen sich, man kann es verstehen, um den Lohn ihres Trainings gebracht. Meister werden und dann nicht aufsteigen dürfen: Für einen Mannschaftssportler gibt’s wohl wenig Schlimmeres. Und trotzdem: Die Entscheidung, die Lizenz für die 3. Liga nicht zu beantragen, mag zunächst hart klingen - sie ist aber richtig.
Geschäftsführer Alexander Müller will alle Auflagen und Konsequenzen geprüft und vor allem durchgerechnet haben und kam zu dem Schluss, dass der Aufstieg zu unkalkulierbaren Risiken für den Verein führen würde. Zum Beispiel beim Stadion: Platz für mindestens 10.001 Zuschauer soll die Spielstätte in Liga 3 bieten. Ein Umbau des bestehenden Stadions ist nicht sinnvoll, ein Neubau “weder wirtschaftlich noch nachhaltig”. Am Ende siegte die Vernunft über Euphorie und Expansionslust: Lieber nicht aufsteigen.
Das Gute daran: Für Größenwahn blieb keine Beinfreiheit. Das Bedenkliche: Vermutlich sind die Auflagen zu hoch. “Der DFB stellt die Anforderungen für die 3. Liga bei sämtlichen Vereinen auf eine Stufe, egal, ob du jetzt in Duisburg, München oder Rödinghausen spielst”, wird Alexander Müller im Kicker zitiert. Deshalb entscheidet nicht Sport über den Aufstieg, sondern Wirtschaftskraft. Essen, Oberhausen und Aachen dürfen wieder hoffen. Wir lernen: Kommerzialisierung findet nicht nur in der Champions League statt.
Ein amateurhaftes Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Rat an die Schiedsrichter: Mehr reden, weniger hören!
Jonas Nohe (SPORT1) über die Regel-Auslegung der Schiedsrichter
Jonas Nohe (SPORT1) über die Regel-Auslegung der Schiedsrichter
Neue Gelb-Regel spielt im Amateurfußball keine Rolle
Von Jonas Nohe
Nun also die Kehrtwende.
Vier Spieltage nachdem die Schiedsrichter der deutschen Top-Ligen durch eine DFB-Direktive dazu angehalten wurden, Unsportlichkeiten konsequenter zu ahnden - de facto also schneller Gelbe Karten zu zeigen - wird in obersten Fußball-Kreisen bereits über eine Lockerung der Regel nachgedacht.
Mit der Vorbildfunktion des Profifußballs für den Amateurbereich wurde das neue Vorgehen unter anderem begründet. Nun allerdings scheint es schneller Geschichte zu sein, als es auf den meisten Sportplätzen des Landes ankommen konnte: Im Amateurfußball haben gerade erst die Vorbereitungsspiele auf die Rückrunde begonnen.
Unabhängig davon, für welche Regelauslegung sich die deutschen Spitzenschiedsrichter in Zukunft entscheiden: An meiner Herangehensweise als Amateur-Schiedsrichter wird sich nichts ändern - und ich bin mir sicher, dass es vielen Kollegen genauso geht.
In rund 100 Amateurspielen, die ich inzwischen geleitet habe, bin ich bisher mit einem einzigen Platzverweis, einer Gelb-Roten Karte, ausgekommen.
Hätte ich mehr verteilen können? Mit Sicherheit. Aber was hätte ich davon gehabt?
Am Ende geht es doch darum, dass auf dem Platz inklusive Unparteiischem 23 Leute ihrem Hobby nachgehen - dem Fußball.
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Solange dem keiner im Wege steht und ein respektvoller Umgang unter allen Beteiligten herrscht, gibt es für mich als Schiedsrichter keinen Grund, mich unnötig in den Vordergrund zu stellen.
Wenn also jemand nach einer Entscheidung voller Unverständnis abwinkt oder mal kurz seinen Frust rausschreien muss, ohne dabei persönlich gegen mich oder einen Gegenspieler zu werden, dann soll er das meinetwegen tun.
Das heißt nicht, dass es keine Grenze gibt. Aber wenn es bei einem Spiel grundsätzlich fair und respektvoll zugeht, spricht doch nichts dagegen, diese Grenze etwas weiter zu ziehen.
Natürlich müssen Bundesliga-Schiedsrichter bei all den Augen, die allwöchentlich auf sie gerichtet sind - egal ob durch die Medien, die Vereine oder die Schiri-Beobachter - ein Spiel anders leiten, stringenter pfeifen.
Aber, und da bin ich ganz der Meinung von Schalke-Trainer David Wagner: Durch mehr Gelbe Karten in der Bundesliga wird es im Amateurfußball keinen einzigen Gewaltexzess weniger geben.
In den unteren Ligen tun sich Schiedsrichter durch das übermäßige Wedeln mit Gelben und Roten Karten ohnehin keinen Gefallen. Meiner Erfahrung nach heizt das die Stimmung auf den Sportplätzen des Landes meist eher auf, als sie zu beruhigen.
Daher sollte für jeden Unparteiischen im Umgang mit den Spielern auf dem Platz ein Leitsatz entscheidend bleiben: Mehr reden, weniger hören!
Das gilt im Übrigen für Bundesliga-Schiedsrichter genauso wie für Amateur-Schiris.
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
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Ach, Berlin!
Die Berliner tun mir leid. Ich sage das in aufrichtiger Anteilnahme, ich kenne mich mit Leid aus. Ich habe in Berlin gelebt. Und ich Iebe jetzt in Hamburg. Und ich bin Anhänger der Stuttgarter Kickers, die in die 5. Liga abgestürzt sind. Eine schlimmere Kombi gibt’s im Fußball nicht. Wenn Leid ein Verein wäre, ich wäre Hauptsponsor.
Während der HSV zumindest in den Achtzigern was riss und die Stuttgarter Kickers immerhin Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald, Fredi Bobic und Thomas Tuchel hervorgebracht haben, war Hertha BSC konsequent erfolglos. Die Berliner versuchen seit Jahrzehnten, auf ein Niveau mit anderen Hauptstädten zu kommen – wie Madrid, Rom oder London, wo Pokal und Meisterschaft zur Serienausstattung gehören: Aktuell, nur mal so, ist Real Tabellenführer in Spanien, Lazio Pokalsieger in Italien, London eine Art Exklusivausstatter der Premier League. Fünf Erstligisten aus der Hauptstadt spielen da.
Alles, was Berlin an Fame vorzuweisen hat: die Rückenansicht von Jürgen Klinsmann.
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Es ist so traurig. Die Hertha schafft einfach nix. Den Status “Weltklub” hat sie nur einmal in ihrer Geschichte erreicht – als Klinsmann kürzlich eben dieses Wort benutzte. Meister wurde der Verein zuletzt vor 89 Jahren, und den DFB-Pokal gab’s überhaupt noch nicht. Aktuell spielen die Erfolglosen trotz neuer Sponsorengeldquelle und dem wahren Transfermassaker im Januar gegen den Abstieg.
Und das Olympiastadion? Ist eine Gruft, in die keiner will. Die Alternative: eine neue reine Fußballarena. Kriegen sie aber auch nicht hin, weil vierkommasieben Mieter was dagegen haben.
Inzwischen leidet ganz Berlin an chronischem Titeldefekt. Auch andere Sportarten sind schon infiziert: Alba Berlin wurde zuletzt vor zwölf Jahren Basketball-Meister, im Eishockey warten die Eisbären seit sieben Jahren auf einen Titel. Schlimm.
Jürgen Klopp zeigt, warum Klinsi veraltet ist
Wenn die Bayern der Rekordmeister sind, dann ist Berlin der Minusrekordmeister. Nichtmal so ein bisschen Olympia konnten sie nach Deutschland holen.
Wie dramatisch die Situation ist, erkennt man übrigens an dieser Kolumne. Ich musste mir nicht mal einen Flughafenscherz ausdenken. Das Thema trug sich ganz von selbst.
Alle mal herhören!
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Klinsmann-Aus: Ecken, Kanten und Respektlosigkeit
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