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Reif für die Insel: Timo Werner hat alles richtig gemacht

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Ich kann ja nichts dafür: Ich freue mich aufs Bundesliga-Wochenen
 

Fever Pit’ch

5. Juni · Ausgabe #385 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Ich kann ja nichts dafür: Ich freue mich aufs Bundesliga-Wochenende. Und ganz besonders auf zwei Spiele am Samstag: auf die Bayern in Leverkusen und anschließend auf Borussia Dortmund gegen Hertha BSC. Auf das erste, weil ich eine Sensation wittere und wieder Spannung im Titelkampf, wenn Bayern überraschend verliert. Auf das zweite, weil Bruno Labbadia jetzt den Dortmundern zeigen kann, wie er die alte Dame aufgetakelt hat. Ach, könnte ich doch nur im Stadion sein. Früher wäre ich, vor Corona, mit Abpfiff 17.15 Uhr von Leverkusen über die A1 gerast, um rechtzeitig zum Anpfiff 18.30 Uhr im Westfalenstadion zu sein. Okay, das ist jetzt übertrieben. Was ich eigentlich sagen will: Ich mag die Bundesliga. Immer noch.
Ein verkehrsberuhigtes Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Reif für die Insel: Timo Werner hat alles richtig gemacht
Timo Werner noch im RB-Trikot
Timo Werner noch im RB-Trikot
Torjäger verlässt wohl RB Leipzig und geht zum FC Chelsea
Von Pit Gottschalk
Es ist sehr bedauerlich, dass Timo Werner nicht in der Bundesliga bleibt, sondern sein Glück voraussichtlich beim FC Chelsea in London sucht. Die Bundesliga hat in der Coronakrise alles unternommen, damit die Übertragungsrechte weltweit an Wert gewinnen. Deutschlands bester Stürmer hätte das Aushängeschild der Bundesliga bleiben können.
Denn Timo Werners Weg bei den deutschen Vereinen ist eigentlich noch nicht zu Ende. Mit dem VfB Stuttgart war er Richtung Abgrund gestrauchelt, mit RB Leipzig hat er bislang keinen Titel gewonnen. Der nächste logische Schritt wäre Borussia Dortmund oder Bayern München gewesen, um Greifbares zu gewinnen. Doch beide Klubs wollten ihn letzten Endes nicht.
Am Preis kann es nicht gelegen haben. Ein Stürmer, der Tempo und Torinstinkt so miteinander paart, dass über zwei Dutzend Tore in einer Saison herauskommen, ist seine 60 Mio. Euro Ablöse wert. Bayern gibt sogar für Verteidiger 30 Prozent mehr aus. So darf sich jetzt die Premier League freuen: eine Attraktion mehr made in Germany.
Man sollte Timo Werner deshalb keinen Vorwurf machen. Von der Jugend an hat er in Stuttgart vorgespielt und die Erwartungen in den vier Jahren in Leipzig mehr als erfüllt. Mit 24 Jahren beginnt jetzt seine Veredlung als Profifußballer: die Zeit, wenn die Karriere vergoldet und versilbert wird. Chelsea zahlt vermutlich noch mehr, als Bayern jemals gewollt hätte.
Das muss kein Nachteil sein. Man hat es bei Leroy Sané gesehen. Dessen Wünsche haben sich bei Manchester City offenbar nicht so erfüllt, wie es sich der Ex-Schalker vorgestellt hatte. Sonst wäre er wohl auf der Insel geblieben. Wenn Bayern ihn jetzt zurück nach Deutschland holt, dann zu einem britischen Tarif: Verschlechtern will sich kein Profi beim Wechsel.
Schon bei Toni Kroos war zu beobachten, wie der Stellenwert eines jungen deutschen Spielers erst im Ausland gewinnt. Vermutlich ergeht es Timo Werner nicht anders. In Deutschland sah Bayern München in ihm kein größeres Potenzial, als es Robert Lewandowski aktuell im Sturm bietet. Insofern: Timo Werner hat alles richtig gemacht.
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
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Nix Starfriseur: Die 3. Liga ist der Kracher
Von Alex Steudel
Eine kleine Zahlenspielerei zum Warmwerden: Für den Gegenwert des Erstliga-Kaders vom FC Bayern könnte sich der FC Carl Zeiss Jena 151 komplette Mannschaften zusammenkaufen.
Falls ihr euch jetzt wundert: Es war unter den aktuellen Umständen nur eine Frage der Zeit, bis ich die 3. Liga wiederentdecken würde. Erstens ist Corona, und zweitens hatte ich mitbekommen, dass 1860 München, also der Klub, über den ich in den Neunzigern schrieb, um den Aufstieg kämpft. Als ich genauer hinsah, erkannte ich: In der 3. Liga kämpfen irgendwie alle um den Aufstieg. Und das machte mich neugierig.
Ich gebe zu: Früher hat mich der Anblick von Drittliga-Ergebnissen emotional bewegt wie das Panini-Bild eines Paderborn-Spielers oder die nächste HSV-Auswechslung. Diese Woche habe ich aber erstmals seit langem wieder auf die Drittligatabelle geschaut, und ich traute meine Augen nicht. 
“Was ist denn da los?”, dachte ich.
Das ist los: Die 3. Liga ist der Traum eines jeden Fußballfans. Tabellenplatzübergreifend gibt es quasi keine Langeweile. Zehn Teams kämpfen am 30. Spieltag um den Aufstieg. Zehn! Es wären elf, wenn der FC Bayern II aufsteigen dürfte. Das ist unglaublich. Gewinnt zum Beispiel am Samstag der Achte Würzburg bei Sechzig, könnten die Franken auf Relegationsplatz drei springen. Ingolstadt hat am Sonntag die Möglichkeit, von Rang 7 auf 1 zu schießen. Und ab Platz 12: Tobt der Abstiegskampf. Großaspach und Jena sind die Einzigen, die als Absteiger mehr oder weniger feststehen. Der Rest schwitzt wie Hölle.
Ist das nicht herrlich?
Natürlich habe ich diese Kolumne nicht geschrieben, um die Tabelle vorzubeten. Ich habe recherchiert, also nach Ursachen gesucht und sie gefunden. Zufall oder eine Laune der Fußballgötter ist das ganze jedenfalls nicht, die 3. Liga ist aus einem ganz bestimmten Grund das, was die 1. Liga sein möchte, aber immer weniger ist: Sie ist so wahnsinnig spannend wegen ihrer Ausgeglichenheit, was die Kohle angeht.
Eng, enger – dritte Liga Eng, enger – dritte Liga
Das ganze Dilemma in einem Wort: Armut. Bis auf Bayern II, das ich aus genannten Gründen nicht dazuzähle, bewegen sich die Marktwerte von 19 Drittliga-Mannschaften mehr oder weniger auf demselben Niveau. Die Differenz zwischen der zweitteuersten Mannschaft Kaiserslautern (Marktwert aller Spieler zusammengerechnet: 7,7 Millionen Euro) und dem billigsten Kader von der SG Sonnenhof-Großaspach (4,2 Mio.) beträgt schlappe dreieinhalb Millionen. Alle haben also gleich viel, oder besser: gleich wenig. In Liga 3 kann kein Spieler Goldsteaks essen oder einen Starfriseur einfliegen. Warum? Weil der vermutlich mehr verdient als der Spieler.
Klar, dass in so einer Liga Spannung Alltag ist.
Zum Vergleich: In der 2. Liga beträgt der Abstand zwischen dem Reichsten Stuttgart (59,4) und dem Ärmsten KSC (9,2) schon 50 Millionen Euro! Und in der ersten Liga ist der Unterschied noch verrückter: FC Bayern (756) und Paderborn (25,5) trennen beängstigende 730 Millionen Euro Marktwert! Das muss man sich mal überlegen, das ist eine knappe dreiviertel Milliarde.
Kein Wunder, dass die Tabellen der oberen Ligen allzuoft Spiegelbilder der finanziellen Möglichkeiten ihrer teilnehmenden Klubs sind. Kein Wunder, dass der FC Bayern zum achten Mal Meister wird.
Der Fußball muss sich wohl entscheiden: Will er Ligen mit wenigen reichen Superklubs, in denen Spielergebnisse so überraschend daherkommen wie Socken von Oma an Weihnachten? Oder will er jedes Wochenende dieses nervenzerfetzende Gefühl auslösen, das ein Fan hat, wenn Klinsi gerade seinen Klub übernommen hat?
Klar ist: Richtige Spannung wird’s nur mit Gehaltsobergrenzen geben. Und dafür braucht’s halt eine weltweit gültige Regelung.
Ehrlich gesagt: Ich habe die Lösung nicht. Aber ich gucke jetzt mal öfter in die 3. Liga.
Alle mal herhören!
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