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Robert Lewandowski endlich Weltfußballer des Jahres

Revue
 
 

Fever Pit’ch

18. Dezember · Ausgabe #483 · Im Browser ansehen

Das Fußballthema des Tages


Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Alex Steudel wird heute in seiner Kolumne zu Bayer Leverkusen betont subjektiv. Darum lasse ich die Fakten sprechen: Robert Lewandowski ist gestern Abend völlig zu Recht Weltfußballer des Jahres geworden. Wer in einem Jahr 55 Tore in 47 Pflichtspielen erzielt, das Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League gewinnt, dazu DFL- und Uefa-Supercup, überzeugt sogar die nervigsten Messi-Ronaldo-Lobbyisten im Weltverband.
Fifa-Präsident Gianni Infantino reiste extra nach München, um Lewandowski persönlich die begehrte Trophäe zu überreichen, und filmte die Übergabe mit dem eigenen Handy so enthusiastisch, als freue er sich selbst darüber, dass mal ein anderer Spieler als Lionel Messi und Cristiano Ronaldo die Ehrung entgegennimmt. Robert Lewandowski auf dem Olymp: Hat sich also doch gelohnt, dass er bei Bayern München blieb und nicht zu Real Madrid ging.
Ein hingebungsvolles Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Robert Lewandowski endlich Weltfußballer des Jahres
Der Große Preis
Der Große Preis
"Das ist ein großer Tag für mich!"
Von Marco Mader
Robert Lewandowski hatte sich für seinen großen Abend in den feinsten Zwirn geworfen - und der Stürmerstar von Bayern München im lilafarbenen Smoking mit Fliege wurde nicht enttäuscht. Mit 32 Jahren ist der Pole am Ziel seiner Träume: Weltfußballer!
“Uff! Das ist ein unglaubliches Gefühl, ich bin sehr stolz und zufrieden. Das ist ein großer Tag für mich und meinen Verein, die Mitspieler. Dieser Preis gehört auch ihnen und dem Staff”, sagte Lewandowski. Dass er sich bei der virtuellen Gala “The Best” von Weltverband Fifa in Zürich gegen die Superstars Lionel Messi vom FC Barcelona und Cristiano Ronaldo (Juventus Turin) durchsetzte, machte ihn “ganz besonders stolz”.
Den Siegerkelch mit dem Silberball erhielt Lewandowski aus den Händen des eigens nach München gereisten Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. “Der beste Spieler der Welt zu sein, das ist eine sensationelle Nachricht für mich”, sagte Lewandowski, “es wird schwierig, heute schlafen zu gehen.”
Der beste Lewandowski, den es je gab
Nach den Ehrungen als Deutschlands und Europas Fußballer des Jahres machte Lewandowski seinen persönlichen Titel-Hattrick perfekt. Er ist der erste Profi aus der Bundesliga, dem die Weltfußballer-Ehre zuteil wird. Einziger deutscher Sieger war 1991 bei der Premiere der Wahl Lothar Matthäus; der spielte seinerzeit aber bei Inter Mailand.
Und es blieb nicht die einzige Würdigung der Super-Bayern: Kapitän Manuel Neuer stach Jan Oblak von Atletico Madrid und Klopps Alisson Becker aus und wurde als erster Deutscher Welttorhüter. Das nächste Münchner Triple verhinderte ausgerechnet Liverpools Meistercoach Jürgen Klopp, der Hansi Flick bei der Trainer-Wahl ausstach.
“Ich bin nicht der Beste, aber ich habe den Preis gewonnen”, sagte Vorjahressieger Klopp nach der erfolgreichen “Titelverteidigung” verblüfft. Immerhin schafften es mit Joshua Kimmich, Alphonso Davies, Thiago und Lewandowski vier Triple-Münchner in die Weltelf.
Darum stach Jürgen Klopp als Welttrainer Hansi Flick aus
Als Weltfußballerin wurde in der Lobby der FIFA-Zentrale, wo sonst der goldene WM-Pokal funkelt, die Engländerin Lucy Bronze ausgezeichnet, beste Trainerin ist wie 2017 Sarina Wiegman (Niederlande). Das schönste Tor (“Puskas-Preis”) ist dem früheren Leverkusener Heung-Min Son von Tottenham Hotspur gelungen.
Die Weltfußballer-Wahl, bei der auch den verstorbenen Idolen Diego Maradona und Paolo Rossi gedacht wurde, hatte ihre Tücken: Stimmberechtigt waren neben den Kapitänen und Cheftrainern der Nationalteams aus aller Welt und über 200 Medienvertretern auch die Fans in einem Online-Voting. Doch Lewandowski war überzeugt: “Wir waren die Besten, daran gibt es keinen Zweifel.” Und, was ihn persönlich betraf: “Wenn du viele Tore geschossen und alles gewonnen hast, gibt es wohl niemanden, mit dem ich mich vergleichen kann.”
Die Bayern hatten für ihren Lewy eifrig die Werbetrommel gerührt. “Es gibt keinen, der es so verdient hat wie Robert”, sagte Flick. Für Neuer ist Lewandowski “einzigartig”. Der Pole sei “der Beste von allen”, betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: “Das war die Saison seines Lebens, es ist wirklich unmöglich, es besser zu machen.” Und Matthäus meinte: “Er ist der kompletteste Spieler auf diesem Planeten. Da kommt keiner ran.”
Marco Mader ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
2021 wird das Jahr von Bayer Leverkusen! Wetten?
Mit Volldampf und Herz
Von Alex Steudel
Heute schreibe ich eine Eigenlob-Kolumne. Mutig, ich weiß, aber ich habe sie verdient. Ich musste 2020 so viel leiden, zum Beispiel etliche Zweitligaspiele des HSV durchstehen, da werde ich mich ja wohl mal selber loben dürfen. Also: Falls ihr jemals gezweifelt haben solltet, dass meine Kolumnen stimmen – sie tun es. Die zentralen Steudel-Thesen dieses Jahres waren vollumfänglich richtig, wie wir heute wissen. 
Erstens habe ich am 12. Juni 2020 das Triple des FC Bayern vorausgesagt. Beweis: Hier klicken. Zweitens habe ich eigentlich dauernd die Problematik Lucien Favre/Dortmund hervorgehoben. Offenbar stieß die BVB-Chefetage erst letzten Sonntag auf diese Kolumnen, aber sei’s drum. Drittens wusste ich schon früh, dass der HSV wieder nicht aufsteigt. (Okay, ich gebe zu, das zu wissen, ist keine Kunst, es passt aber gut hier rein.)
Viertens habe ich schon am 3. Juni 2020 Lobeshymnen auf Bayer Leverkusen gesungen. Zurecht, wie sich unter der Woche herausstellte. Leverkusen ist seit dem 4:0 beim 1. FC Köln Erster. 
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ich bin früher immer gern nach Leverkusen gefahren. Kleines Stadion, kurze Wege, schöner Fußball. Das Stadion ist inzwischen gewachsen, die Ansprüche sind es auch, der Fußball ist besser denn je. Und ausgerechnet jetzt, da der Begriff Vizekusen allmählich in Vergessenheit gerät, steht Bayer oben. Ja, 2021 könnte das Jahr von Bayern und Leverkusen werden.
Ist das nicht toll?
Schuld ist natürlich Rudi Völler. Die graue Eminenz bastelte im Hintergrund eine tolle Mannschaft und übernahm vor zwei Jahren die Dortmunder Altlast Peter Bosz. Damit ist Völler Top-Kandidat für den Recycling-Nobelpreis.
Trainer Bosz hat inzwischen ein Spitzenteam zusammengecoacht. Am meisten begeistert mich, dass Bayer keine Ansammlung zusammengekaufter Superstars ist, sondern einfach ein funktionierender Haufen von alten, jungen, zusammengekauften, erfahrenen, hausintern geformten Spitzenspielern. 
"Der Teamgeist ist außergewöhnlich"
Erfolgreiche Mannschaften begeistern mich ja umso mehr, je weniger Namen mir was sagen. Und ich gebe zu, einige haben mir bis letzten Sommer nichts gesagt. Da wäre zum Beispiel der erst 17 Jahre alte Florian Wirtz oder ein Typ wie Edmond Tapsoba (21). Der Abwehrspieler ist vermutlich der Held in seiner Heimat Burkina Faso, hier jedoch hinlänglich unbekannt, obwohl er – und jetzt kommt’s – laut Kicker-Noten drittbester Spieler der Liga ist.
Ich freue mich jedenfalls auf das Zusammentreffen der Haudegenklubs, denn der angenehmste Aspekt der Tatsache, dass Leverkusen Tabellenführer ist, folgt Samstag um 18.30 Uhr: Wir kriegen nach Bayern-Leipzig vor zwei Wochen gleich nochmal ein Spitzenspiel: Leverkusen empfängt Bayern.
Ich kann mir übrigens durchaus vorstellen, dass die Münchner gewinnen. Ein Remis oder einen Leverkusener Sieg halte ich aber auch für möglich.
Und damit ist wieder einmal bewiesen: Meine Kolumnen stimmen immer!
Die gesammelten Steudel-Kolumnen gibt’s jetzt übrigens als Taschenbuch und eBook. Titel: “Das Fußball-Jahr 2020 unter besonderer Berücksichtigung des HSV”, 254 Seiten. Ansehen und bestellen und verschenken: Hier klicken.
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Werder: Reiseverbot an Weihnachten
"Er macht alles falsch, auch die einfachsten Dinge"
Interview mit Fürst Albert statt Eric Cantona
Ich beim Fürsten 1997
Ich beim Fürsten 1997
Von Pit Gottschalk
Vor einiger Zeit räumte ich einen Schrank auf, in dem ich fast alles verstaue, was keinen festen Platz in meiner Wohnung hat. Nutzlose Münzen, verstaubte Schneekugeln und alte Fotos. Ein Foto zeigt mich in fürstlicher Umgebung: bei einem Interview mit Prinz Albert von Monaco, dem Helden der Klatschpresse, direkt am Strand. Wie kam es dazu?
Eigentlich war ich in Monaco, um den großen Eric Cantona zu interviewen. So war es jedenfalls mit den Organisatoren einer damals neuen Sportart ausgemacht: Ich, inzwischen Chefreporter bei Sport-Bild, berichte vom Beach Soccer Turnier an der Côte d'Azur und darf bei dieser Gelegenheit den einstigen Starspieler von Manchester United interviewen, der an diesem Spaßturnier teilnahm.
Cantona war damals wie heute eine imposante Erscheinung Der Ibrahimovic seiner Zeit. Der Weltverein Manchester United hörte auf ihn. Sogar, als er einen pöbelnden Fan mit einem Kung-Fu-Tritt außer Gefecht setzen wollte. Die BVB-Fans kannten ihn aus dem Halbfinale der Champions League 1997.
Es war Cantonas Schuss, den Jürgen Kohler mit einer sensationellen Grätsche von der Torlinie kratzte. Wäre der Ball reingegangen: Borussia Dortmund hätte das Finale vor 20 Jahren in München vermutlich nicht erreicht und damit den Europapokal nicht gewonnen. Cantona ärgert sich noch heute über seinen Fehlschuss.
Dieser Cantona spielte also Beach Soccer in Monte Carlo. Beach Soccer sollte der neue Trendsport werden: Alternde Ballvirtuosen aus den Fußballnationen quälten sich barfuß durch den aufgeschütteten Sand am Hafen, um sich ein nettes Preisgeld zu verdienen. Aus Deutschland am Start: unter anderem Michael Rummenigge. Aus Frankreich: eben jener Eric Cantona. 
Ihn wollte ich interviewen. Mein Chefredakteur zeigte wenig Verständnis für meinen Ausflug. Beach Soccer: für ihn irrelevant. Die Wahrheit: war es auch. Aber ich wollte die Gelegenheit nutzen, einmal Monaco kennenzulernen. Man hörte ja so viel davon. Formel 1, wilde Partys, die Fürstenfamilie. Also überzeugte ich meinen Chef mit der Aussicht auf das Cantona-Interview. 
Grummelnd bewilligte Max Pietsch die Dienstreise. Er wollte mich ja bei Laune halten. Dummerweise hatte Eric Cantona vor Ort keine Lust auf Interviews. Ich vergesse niemals seinen Blick, als ich am Abend des Empfangs einfach seine Hand kräftig schüttelte und unverblümt meinen Gesprächswunsch vortrug. 
„No, no, Monsieur!“, sollte zum geflügelten Wort werden, wann immer ich Cantona in den nächsten zwei Tagen begegnete. Er wollte nicht. Beim Soccer durch den Sand hüpfen - kein Problem. Aber 30 Minuten reden? Nicht mit ihm. Ich war ein bisschen verzweifelt und stand unter Druck. Es gab ja so viel zu besprechen. 
Zum Beispiel die Umstände der Kohler-Grätsche. Der Weltmeister von 1990 war der Held von Manchester gewesen, im Tempel der Träume, wie das Stadion damals schon hieß, nachdem er seinerzeit verspätet aus Dortmund angereist war. „Wegen Erkältung“, hieß es offiziell von Vereinsseite. Aber das stimmte nicht, wie ich zeitnah aus der Mannschaft erfuhr. 
Jürgen Kohler war bei seiner schwangeren Frau geblieben, es gab Komplikationen. Die Umstände sollten geheim bleiben. Er fiel aus allen Wolken, als ich am Tag nach dem Triumph von Manchester anrief und mit dem Ergebnis meiner Recherche konfrontierte. „Das darfst du nicht schreiben“, bat er. „Denk bitte an meine Frau.“
In einem solchen Moment ist man als Journalist hin- und hergerissen. Einerseits möchte man seinen Lesern den Hintergrund erzählen, warum Kohlers Leistung gegen Cantona noch großartiger als ohnehin schon war. Andererseits geht es hier um einen unbeteiligten Menschen im Krankenhaus; es gibt halt private Dinge, die im Leben wichtiger sind als die schnelle Story. 
Ich holte mir das Einverständnis meines Chefredakteurs, dann war die Sache sofort geregelt: Wir schreiben natürlich kein Wort darüber. Was heute wie eine Selbstverständlichkeit klingt, war damals eine wichtige Lektion für mich, den jungen Reporter. Es gibt Grenzen in unserem Beruf. Kohler sagte hinterher: „Das vergesse ich dir nie.“
Zwei Tage später rief er mich an. Er wolle mir sagen, dass ich die Geschichte mit seiner Frau doch schreiben dürfe. Eine Sonntagszeitung habe ihn angerufen, weil sie ebenfalls davon erfahren habe; er habe diese Kollegen aber nicht zur Zurückhaltung bewegen können, keine Chance. Jetzt war ich beeindruckt: Kohler war komplett fair. 
Und ich tat, was ich nicht anders tun konnte: Ich sagte ihm zu, dass trotzdem kein Wort darüber schreiben würde - die Gegenargumente, siehe oben, verboten es mir ja immer noch. Kohler dankte schweigend. Manchmal frage ich mich, warum die Offenheit zwischen Spielern und Schreibern heutzutage so selten geworden ist.
In Monaco wollte ich hören, was Eric Cantona zu Kohlers Grätsche und den Folgen zu sagen hatte. Ganz ehrlich: Über „Bonjour“ und einem inzwischen freundlichen Necken inklusive Schulterklopfen für meine berüchtigte Beharrlichkeit kam ich nicht hinaus. Nicht beim Frühstück, wo ich ihn traf. Nicht in der Lobby und nicht beim Abendessen mit dem gesamten Teilnehmerfeld. 
Längst machte sich Eric Cantona einen Spaß daraus, mir ein „No“ zu sagen, noch bevor ich die Stimme erhob. Den Druck gab ich an den Veranstalter weiter: Man habe mich ja mit großen Versprechen nach Monaco gelockt, und jetzt - nix passiert. Zu solchen Vorwürfen kann ich verdammt böse gucken. 
Der junge Franzose, der das Turnier organisiert hatte, bekannte sich schuldig: Nie habe er mit der Bockigkeit von Eric Cantona gerechnet, aber was solle er tun? Ich lächelte müde und sagte: Ersatz beschaffen! Ja, gerne, meinte er: Wie wäre es mit Prinz Albert? Prinz Albert, der Sohn von Fürst Rainier und Grace Kelly, war schon damals eine Berühmtheit. 
Ein Partykönig mit maximaler Bedeutung für die Yellow Press. Ja, und er war Sportfan. Sogar Olympiateilnehmer im Bob. Aber was sollte Prinz Albert in Sport-Bild? Ich stellte mir kurz das Gesicht meines Chefredakteurs vor, wenn ich ihm sagte: Entschuldigung, Herr Pietsch, das mit Eric Cantona hat übrigens nicht geklappt - aber ich habe ein Interview mit Prinz Albert…
Nun schaute mich der junge Franzose fragend an und erwartete meine Antwort. „Klappt das denn auch?“, fragte ich vorsichtig zurück und hoffte, dass sich diese merkwürdige Situation in Gelächter auflöst. „Natürlich!“, antwortete er so schnell, als habe er nur auf ein Stichwort gewartet. „Er ist mein Cousin.“ Ich hielt das für einen Spruch und willigte spontan ein. 
Auf dem Zimmer fand ich später eine Nachricht: Interview auf der Terrasse im Hotel Le Méridien Beach Plaza, vermutlich gegen drei. Bitte pünktlich sein. Schnell sprach sich im Hotel herum, dass ich offenbar den ersten und wohl einzigen Interviewtermin seit langer Zeit mit Prinz Albert hatte. Wildfremde Kamerateams bedrängten mich plötzlich. 
Ob sie denn dabei sein dürften, wenn ich mit Seiner Hoheit spreche? Mich überforderte das alles. Hoheit — sagt man das zu einem Fürsten? Ich hatte genug mit einer anderen Herausforderung zu kämpfen: Was frage ich Prinz Albert überhaupt? Und für wen? Irgendwann willigte ich ein, dass der Privatsender ProSieben Kamera und Mikrofon aufstellen durfte.
Punkt drei kam Prinz Albert auf die Terrasse. Ich, eigentlich eher Rüpel als Snob, war bestens vorbereitet. Feiner Anzug, perfekter Krawattenknoten, ein ausgefeilter Fragenkatalog. Ich dachte: Wenn schon Yellow, dann richtig. Mein Hauptthema: der Unfalltod von Prinzessin Diana ein paar Wochen vorher. Alles auf Englisch. Zu Sport: keine einzige bedeutende Frage.
Gut eine halbe Stunde saß ich wohl mit ihm zusammen. Die Gesprächsatmosphäre war angenehm. Die Sonne strahlte besonders schön. Der künftige Fürst merkte nicht eine Sekunde, wie ich unter meinem Sakko schwitzte. Als der Termin endete, gönnte ich mir ein Bier und entschied: Eric Cantona kann mich mal. 
Am Abend sah ich Prinz Albert tanzend in einer Diskothek. An mein Gesicht konnte er sich nicht mehr erinnern, das war nach einem Blickwechsel offensichtlich. Mir egal. ProSieben war begeistert von dem TV-Interview, es lief in den Klatschsendungen rauf und runter. Ein Honorar habe ich niemals erhalten. 
Brauchte ich auch nicht. Ich war schon froh, dass mich mein Chefredakteur nie mehr auf Eric Cantona und Beach Soccer angesprochen hat.
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Alle mal herschauen!
Der König von Manchester: Wie gut war eigentlich Eric Cantona?
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