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Rot für Schalke-Trainer Wagner: Jetzt drehen alle durch

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Wozu die Jungstars Erling Haaland und Giovanni Reyna bei Borussia
 

Fever Pit’ch

5. Februar · Ausgabe #335 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Wozu die Jungstars Erling Haaland und Giovanni Reyna bei Borussia Dortmund in der Lage sind, zeigten sie ihrem Trainer Lucien Favre beim Pokal-Aus gestern Abend in Bremen (2:3). Kaum waren die zwei Teenager auf dem Platz, schossen sie ihre Tore und nährten die letzte Hoffnung auf den Einzug ins Pokal-Viertelfinale. Aber da war die Messe schon gelesen, die chronisch wacklige BVB-Abwehr längst gestrauchelt: Haaland und Reyna wurden zu spät eingewechselt. Mit dem Schongang für Haaland hat sich Trainer Favre verpokert. Man kennt das von ihm. Der Schweizer ist keiner, der für Mut und Entschlossenheit bekannt ist. Sonst hätte er von Anfang an den Jungen aufgestellt, dessen Anwesenheit allein den Gegner beeindruckt.
Anders als Favre steht Julian Nagelsmann nicht im Ruf, bei seinen Vorgaben an seine Mannschaft besonders zimperlich zu sein. Beim Pokal-Aus in Frankfurt (1:3) ließ der Trainer von RB Leipzig seinen besten Torjäger Timo Werner draußen, um den Gegner mit einer taktischen Änderung zu irritieren. Nun, der Plan scheiterte: RB Leipzig, dank Timo Werner der drittbeste Sturm der Bundesliga, kam nicht zu großartigen Torchancen und lag irgendwann praktisch uneinholbar zurück. Nagelsmann wollte oberschlau sein - und darf sich im Mai das DFB-Pokalfinale in Berlin von der Tribüne aus ansehen. Das überraschende Ausscheiden ist bitter. Im Vorjahr stand die Mannschaft noch im Endspiel, und besser ist der Kader allemal geworden.
“Wir fahren nicht nach München und singen: Wir fahren nach Berlin.” Julian Nagelsmann, RB Leipzig
Die zwei Pokalspiele entlarven schon, woran es beiden Bayern-Verfolgern im Moment mangelt. Man kann es Entschlossenheit nennen oder Killer-Instinkt, jedenfalls: Wer meint, mit halbgarem Geplänkel durch die entscheidende Phase der Saison huschen zu können, wird das Duell mit dem Rekordmeister unweigerlich verlieren. Es ist kein Zufall, dass Bayern München wieder auf Platz eins steht. Die drei Fünfer-Packungen, die Borussia Dortmund zum Rückrundenstart geliefert hat, macht die jüngste Favre-Taktik nur umso rätselhafter: Wenn Haaland für jeden sichtbar eine solche Wirkung entfaltet - warum nimmt man ihn dann raus? Nur weil es Pokal ist? Der Junge ist 19. Er steht voll im Saft und braucht jede Spielminute. Lernt Favre denn nie dazu?
Einen entschlüsselten Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Rot für Schalke-Trainer Wagner: Jetzt drehen alle durch
Die umstrittene Szene mit David Wagner
Die umstrittene Szene mit David Wagner
Wirbel um Szene mit Hertha-Verteidiger Torunarigha
Von Pit Gottschalk
Es ist im Moment eine Unverschämtheit, was die deutschen Schiedsrichter pfeifen. Jeder versteht ja, dass Respektlosigkeit und Rudelbildung auf dem Fußballplatz schneller und konsequenter bestraft werden müssen. Aber die Regelauslegung ist nicht mehr nachvollziehbar. Der DFB-Pokal hat’s gezeigt.
Tatort 1: das Pokalspiel gestern Abend zwischen Schalke 04 und Hertha BSC (3:2 n.V.). Der Schalker Mittelfeldspieler Mascarell schickt seinen Gegenspieler Torunarigha mit einem Tackling zu Boden. Trainer David Wagner fängt den Berliner mit beiden Händen auf, kann aber nicht verhindern, dass Torunarigha seinen Frust über die verspielte Führung an einer Wasserkiste auslässt und sie zu Boden schmeißt. Schiedsrichter Osmers kontrolliert die Szene am Monitor. Alle denken: um Gelb-Rot zu checken. Weit gefehlt: Er schickt Wagner mit Rot auf die Tribüne. Keine Zeitlupe kann erklären, was der Schiedsrichter entschieden hat. Es ist dubios.
"Das was weniger als nichts"
Wurde der Hertha-Star rassistisch beleidigt?
Tatort 2: das Pokalspiel zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund (3:1). Im Strafraum attackiert der Bremer Moisander seinen Gegenspieler Reyna zunächst im Zweikampf, der geht zu Boden. Als er wieder steht, schubst Moisander den Dortmunder in Gesichtsnähe, Reyna fällt erneut zu Boden. Schiedsrichter Winkmann prüft die Szene am Monitor. Alle denken: eine Tätlichkeit von Moisander - Rot und Strafstoß wären die Folge. Winkmann denkt nicht daran. Beide Spieler sehen Gelb, das Spiel wird mit Freistoß für Werder Bremen fortgesetzt. Später wird BVB-Profi Julian Brandt sagen, dass wohl jeder Schiedsrichter sein eigenes Regelwerk hat.
Besser kann man es nicht ausdrücken. Das deutsche Schiedsrichterwesen kann aktuell nicht für sich in Anspruch nehmen, eine einheitliche Linie zu verfolgen. Und selbst wenn: Nachvollziehbar sind die Entscheidungen nicht mehr. Es ist eine Situation wie beim Videobeweis entstanden: Der guten Absicht folgt ein Chaos, das Verunsicherung und Reputationsschaden auslöst. Man fragt sich: Was haben die Schiedsrichter bei ihrem Treffen im Wintertrainingslager verabredet? Mit höchstem Aufwand will man das Spiel perfektionieren und die Fehlerzahl minimieren. Aber das Vorhaben wird scheitern, wenn die Schiedsrichter nicht ihrer Kernkompetenz nachgehen.
Aber 3:2 n.V.! Schalke gewinnt Pokal-Schlacht gegen Hertha BSC Aber 3:2 n.V.! Schalke gewinnt Pokal-Schlacht gegen Hertha BSC
Die eigenen Gesetze
BVB-Aus in Bremen: Wille besiegt Wunderstürmer BVB-Aus in Bremen: Wille besiegt Wunderstürmer
Borussia Dortmund verfällt in alte Muster
"Haben 0,0 Tiefe gehabt"
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Timo Werner draußen: Der Trainer erntet Kritik
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Deutlicher Sieg in Kaiserslautern, aber…
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Die erste Frage
Von Alex Steudel
Wenn wie heute ein Fußballspiel in Leverkusen stattfindet, muss ich immer an einen der schwierigsten Momente meiner Reporterzeit denken: Ende der 90er-Jahre war das, Ligapokalfinale in der BayArena. Bayern gewann, und wie immer durften wir Reporter den Spielern Fragen stellen. Nach dem Spiel eine Frage stellen ist nicht so einfach, wie man denkt. Bei mir ging’s schief.
Die Situation in der sogenannten “Mixed Zone”, wo nach dem Abpfiff Fußballer zu Journalisten geworfen werden, ähnelt im Grunde der Begegnung mit einem Hai. Meistens geht alles gut. Der Hai schaut dich prüfend an, beschäftigt sich kurz mit dir, dreht vielleicht eine Runde um dich herum und schwimmt dann gutgelaunt weiter. Aber manchmal geht alles schlecht. Irgendwas an dir nervt den Hai, und dann frisst er dich halt auf.
Fußballprofis sind nach einem Spiel wie Haie: oft nervös, immer hungrig. Mit den Kräften am Ende und Blutspuren am Trikot schauen sie dich an, als wollten sie dir sagen: Du hast mir gerade noch gefehlt. Und dann hängt alles von der ersten Frage ab. Die erste Frage nach einem Fußballspiel ist immer die schwierigste. Sie schafft das Gesprächsklima. Manchmal zerstört sie es. Viele Reporter gehen deshalb erstefragetechnisch auf Nummer sicher: “1:3 verloren. Woran lag’s?” Oder: “2:1 – ihr Kommentar zum Spiel?” 
Die schlechteste erste Frage, die ich je gestellt habe, bekam in Leverkusen Thomas Helmer ab. Der heutige Doppelpass-Moderator hatte zuvor aus dem Spiel heraus den Ball übers Stadiondach geschossen. Das kommt quasi nie vor, und ich fand es witzig. Was ich nicht ahnte: Helmer fand es nicht witzig.
Die größten Ausraster und Sprüche
Als der amtierende Europameister nach dem Abpfiff zu uns Journalisten kam, nahm ich allen Mut zusammen. Ich war ziemlich neu als Bayern-Reporter und wollte heute unbedingt derjenige mit der ersten Frage sein. Kaum hatte ich sie gestellt, wusste ich auch schon, wie dämlich sie war.
“Thomas, hast Du in Deiner Karriere schon mal einen Ball aus dem Stadion geschossen, oder war das heute das erste Mal?”
Helmer guckte mich fassungslos an. Meine Kollegen drehten ihre Köpfe zu mir und richteten ihre Diktiergeräte vor Schreck ins Leere. Ob das wirklich meine erste Frage sei, wollte Helmer wissen, und er schaute die anderen mit einem Blick an, der eine klare Botschaft enthielt: Was für einen Trottel habt ihr mir denn hier angeschleppt? Dann murmelte Helmer: “Unglaublich.” Ich muss vermutlich nicht erwähnen, wie sehr ich mich schämte.
Manchmal ebnet eine gute erste Frage aber den Weg für ein Interview, das niemand vergessen wird. “Was hat das deutsche Spiel so schwerfällig und so anfällig gemacht?”, fragte ZDF-Reporter Boris Büchler bei der WM 2014 den Nationalspieler Per Mertesacker. Deutschland war gerade ins Viertelfinale eingezogen. “Das ist mir völlig wurscht”, antwortete Mertesacker. Und daraus entwickelte sich dann das legendäre Drei-Tage-Eistonne-Interview.
Oder: “Was sagen Sie zu Hagi?” (ausgesprochen: Hadschi), fragte ein Reporter bei der EM 2000 Mehmet Scholl vor dem Rumänien-Spiel. Ich saß im Presseraum und fand die Frage harmlos. “Gesundheit”, antwortete Scholl. 
Die besten Sprüche von Mehmet Scholl
Ich bewunderte früher übrigens einen Kollegen von der Münchner “tz”, der ein Patentrezept gegen schlechte erste Fragen entwickelt hatte und es stoisch anwendete. Er gilt als Erfinder der sichersten ersten Frage aller Zeiten. Kam ein Spieler aus der Kabine, hielt er ihm sein Diktiergerät unter die Nase, schaute ihn tief an. Dann stellte er die immer gleiche Frage: “Und?”
Pures Gift für jede erste Frage ist: Antipathie. Wenn klar ist, dass dich der Befragte nicht mag. Bei den Bayern herrschte diese Konstellation früher zwischen Manager Uli Hoeneß und dem zuständigen Radioreporter des BR. Der musste nur den Mund aufmachen, da lief Hoeneß schon fc-bayern-rot an. Zwischen den beiden entwickelte sich im Laufe der Jahre ein regelrechter Wettstreit. Der Reporter fragte, Hoeneß antwortete schnippisch, der Reporter hakte nach, Hoeneß regte sich furchtbar auf. Lustigerweise kam oft was Gutes heraus, weil der Reporter nicht lockerließ, Hoeneß spätestens bei Rückfrage zwei die Kontrolle über sich verlor und tolle Sachen schrie.  
Gereizt! Als Per Mertesacker zurückschlug
Nur einmal war Hoeneß wirklich fies. Nach einem Spiel im Olympiastadion erfuhr der BR-Radioreporter über seinen Knopf im Ohr, dass er Hoeneß für “Heute im Stadion” interviewen müsse. Und zwar sofort und: Live. Der Reporter schob hektisch alle Kollegen zur Seite, arbeitete sich zu Hoeneß vor, baute sich drei Zentimeter vor ihm auf stellte seine erste Frage. Die leider keine war.
“Herr Hoeneß, Sie sind der Manager des FC Bayern München”, sagte der BR-Reporter live im Radio.
“Ich weiß selbst, wer ich bin”, antwortete Hoeneß live im Radio.
Im Brennpunkt
HSV darf im Volksparkstadion Pyrotechnik abbrennen HSV darf im Volksparkstadion Pyrotechnik abbrennen
Von Kristof Stühm
Wer schon einmal bei einem Rammstein-Konzert war, wird die Aufregung um das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion kaum verstehen können. Dagegen sind die Pläne des Hamburger SV für den kommenden Samstag - zehn Rauchtöpfe vor der Nordtribüne - gelinde gesagt Kinkerlitzchen. Und doch ist die Aktion beim Heimspiel gegen den KSC natürlich ein Signal mit großer Außenwirkung.
In schöner Regelmäßigkeit brummt der DFB den Klubs Geldstrafen auf, weil Teile der Fans verbotenerweise auf der Tribüne zündeln. Gelöst haben die Bußgelder das Problem aber nicht, die Situation ist und bleibt irgendwie festgefahren. Und vielleicht bringt der Vorstoß des HSV ja wieder etwas Bewegung in die Lage. Ein Test ist es sicher wert.
Der HSV kann sich nur selbst stoppen
Die geplante Aktion kann man jedenfalls als Entgegenkommen des Klubs und des Verbandes verstehen. Doch wie reagiert der harte Kern der Fans? Geben sich die Pyro-Liebhaber damit zufrieden? Oder ist der Reiz des Verbotenen stärker? 
Klar ist jedenfalls, dass nun nicht das Motto “Feuer frei” gelten kann. Bengalische Feuer mitten im Block zu zünden oder Raketen auf andere Zuschauer abzufeuern, ist gefährlich. Und gehört weiterhin verboten.
Alle mal herschauen!
Hier tritt Alphonso Davies als Backstreet Boy auf Hier tritt Alphonso Davies als Backstreet Boy auf
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