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Schalke 04 auf Bayern-Jagd: Darin liegt eine Gefahr

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Als ich vor einer Woche Jochen Schneider, den neuen Sportvorstand
 

Fever Pit’ch

30. September · Ausgabe #247 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Als ich vor einer Woche Jochen Schneider, den neuen Sportvorstand von Schalke 04, bei der Talkshow Sky90 in München traf, konnte ich nicht anders: Ich musste Abbitte leisten. Von seiner Entscheidung im Frühsommer, den Trainer David Wagner ins Ruhrgebiet zu holen, war ich nicht überzeugt gewesen. Meine Argumentation: Wagner habe zwar fantastische Arbeit in der Premier League geleistet (Aufstieg und Klassenerhalt mit Huddersfield Town), aber keine Bundesliga-Erfahrung als Cheftrainer vorzuweisen.
Nach der verkorksten Saison auf Schalke, die beinahe in der 2. Liga geendet hätte, sah ich einen dringenden Bedarf für einen erfahrenen Mann, wie ihn wenig später der Hamburger SV in Dieter Hecking fand. Umso mehr, weil der große personelle Umbau im Kader ausblieb. Meine Überschrift lautete: Schalke geht mit David Wagner ein unnötiges Risiko ein. Heute weiß ich: Jochen Schneider hat den richtigen Mann geholt. Nicht nur das persönliche Gespräch sei entscheidend gewesen, sondern auch die Spielphilosophie.
Von einem neuen Schalke zu sprechen, ist freilich viel zu früh. Jedoch: Der Start, so viel darf man sagen, ist viel versprechend. Nach sechs Spieltagen liegt der FC Schalke 04 nur einen Zähler hinter Bayern München auf Platz vier und hat schon gegen zwei der drei Mannschaften, die vor ihm liegen, gespielt. Das Zwischenhoch ist angesichts des Fiaskos, das man voriges Jahr beobachten konnte, eine Überraschung und reizte Alex Steudel zu gewohnt süffisanten Bemerkungen weiter unten im Newsletter.
Einen barocken Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Der gefühlte Unterschied: Auf den Trainer kommt es an
Laut sind beide: David Wagner und Lucien Favre. Fotos: Imago Images
"Ich habe dafür noch keine Erklärung"
Von Pit Gottschalk
Wenn es jemals eines Beweises bedurft hätte, dass Trainer einen maßgeblichen Einfluss auf die Spielweise ihrer Mannschaft haben, dann hat ihn David Wagner erbracht. Von den elf Schalkern, die den Tabellenführer RB Leipzig sensationell 3:1 abgefertigt haben, spielten acht vorige Saison schon auf Schalke, als der Trainer noch Domenico Tedesco hieß.
So schlecht kann der Kader also nicht gewesen sein, den Manager Christian Heidel bei seinem Abgang Anfang des Jahres hinterlassen hat. Mit derselben Truppe, die im Frühjahr gegen den Abstieg kämpfte, liegt der Tedesco-Nachfolger David Wagner auf Platz vier, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigen würde. Auf den Trainer kommt es an.
Beim Nachbarn BVB kann sich Lucien Favre folglich nicht damit herausreden, dass er mit dem Formtief seiner Mannschaft nichts zu tun hat. Sein Verweis auf die 76 Punkte, die er vorige Saison geholt hat und die in diesem Jahrzehnt nur zweimal übertroffen wurden (2012 von Jürgen Klopp und 2016 von Thomas Tuchel), entschuldigt ihn keineswegs.
Die nächste M-Debatte Die nächste M-Debatte
Von den vergangenen fünf Pflichtspielen konnte Borussia Dortmund nur ein einziges gewinnen, das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (4:0). Dem 1:3 bei Union Berlin folgten in der Bundesliga zwei 2:2-Unentschieden bei Eintracht Frankfurt und zuletzt gegen Werder Bremen sowie zwischendurch die Nullnummer gegen Barcelona in der Champions League.
Steckt Borussia Dortmund deshalb in einer Krise? Tabellarisch ja: Platz 8 nach sechs Spieltagen - das klingt beschämend, wenn man die Investition von 125 Mio. Euro in neue Spiele zugrunde legt. Mit 11 von 18 möglichen Punkten hat der BVB den schlechtesten Saisonstart seit fünf Jahren hingelegt. Sogar Freiburg und Schalke stehen besser da.
Man kennt das von Lucien Favre: Einer guten Saison folgt gerne die Ernüchterung. Zweimal hat er als Trainer Klubs in der Bundesliga geführt. 2007 bis 2009 Hertha BSC und 2011 bis 2015 Mönchengladbach. In Berlin brachte er sein Team von Platz zehn auf vier - dann der Absturz mit Entlassung. In Gladbach dauerten die Schwankungen länger.
"Es fehlt etwas" "Es fehlt etwas"
Zunächst der Sprung vom Relegationsplatz auf Platz vier - anschließend Mittelmaß mit Platz acht. Dann wieder Aufschwung: Platz sechs und drei. Danach schmiss er von selbst hin. Sein Nervenkostüm war ruiniert. Und diesmal? Vor TV-Kameras bringt Favre keinen Satz mehr geradeaus heraus, der Aufschluss über die Situation seiner Mannschaft gibt.
Der Mann, 61 Jahre alt, bleibt ein Rätsel. Weil er selbst keine Anhaltspunkte liefert, dass das aktuelle Tief allein dem Umstand geschuldet, dass die mit Julian Brandt, Thorgan Hazard, Mats Hummels und Nico Schulz hochgradig aufgerüstete Mannschaft nicht eingespielt ist, muss man notgedrungen auf die Bedeutungslosigkeit der Tabelle am 6. Spieltag hinweisen.
Der Vor-Vorgänger Peter Bosz legte 2017 einen Traumstart mit 14 Punkten hin. Nur Wochen nach der Tabellenführung, noch während der Hinrunde, verlor er seinen Arbeitsplatz. Nicht zu vergessen: Jürgen Klopp 2011. Nur sieben Punkte aus sechs Spielen, Platz 11. Und am Ende der historische Erfolg: Deutscher Meister mit 81 Punkten. Nie war der BVB besser.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Schalke 04 auf Bayern-Jagd: Darin liegt eine Gefahr
Von Alex Steudel
Schalke!!!
Gestern früh wurde mir mit dem Aufwachen schlagartig klar, dass es heute kein anderes Kolumnen-Thema geben kann als Schalke 04, die Mannschaft der Stunde, das neue Superteam um den noch neueren Supertrainer David Wagner, der einfach alles richtig macht: S04 hat eine aggressive Abwehr, spielt Vertikaltempofußball, die Jungs rennen bis zum Umfallen, und dann hat Wagner auch noch den erst 22-jährigen Amine Harit in den Griff bekommen, der auf der Zehn großartig kickt und auch selber Tore macht.
Was für ein ein toller Typ, dieser Wagner, wollte ich eigentlich hier hinschreiben und meiner Beweisführung zu Tabellenplatz vier noch ein Sahnehäubchen hinzufügen, nämlich den Hinweis, dass Wagner als Spieler mal das Zimmer mit Jürgen Klopp geteilt und sich da bestimmt mit dem Erfolgsvirus infiziert hat. Was soll da diese Saison noch schief gehen?
Warum Schalke überraschend weit oben steht
Eine Menge kann schiefgehen, denn gerade noch rechtzeitig fiel mir dann beim Zähneputzen ein, dass der September der Monat der verfrühten Lobeshymnen im Fußball ist. Die Klubs haben erst eine Handvoll Spiele absolviert, das Gesamtbild ist unscharf, und trotzden neigen alle dazu, den Tabellenstand als Spiegelbild der Realität zu betrachten und ihn einfach aufs Saisonende hochzurechnen, und das ist echt gefährlich.
Vergangene Saison zum Beispiel jubelten, ebenfalls nach Spieltag sechs, alle über Hertha BSC, und Experten erklärten ganz genau, warum die Berliner das neue Superteam sind. Die hatten ja auch gerade den FC Bayern geschlagen (wie jetzt die Schalker die Leipziger) und waren Dritter. Leider hielt sich dann aber Hertha BSC nicht an diese Komplimente und landete am Saisonende auf Platz elf.
Schalke 04 hat wieder echte Kerle
Zufall? Eine Spielzeit davor war, ebenfalls wie heute nach sechs Spieltagen, Hannover 96 Vierter, und alle erklärten genau, warum das so ist, und was Hannover so viel richtig macht, aber Hannover machte danach gar nicht mehr so viel richtig, wurde durchgereicht, bekam Abstiegsangst und wurde am Ende Dreizehnter, und kein Hahn krähte mehr nach Hannover.
Irgendjemand hat mal gesagt, man dürfe vor dem zehnten Spieltag keine Prognosen wagen und schon gar nicht Anfangserfolge durcherklären, es gibt im Frühherbst einfach zu viele Klippen, an denen sich auch der FC Schalke 04 noch den Bug aufreißen kann, also halte ich mich jetzt daran, keine verfrühten Lobeyhymnen auf die Königsblauen, die nur einen Punkt hinter Tabellenführer FC Bayern stehen, allenfalls ein anerkennendes Augenbrauenlupfen.
Wir sprechen uns Ende Oktober.
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