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Schalke 04 droht Machtkampf in der Führungsebene

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Kingsley Coman ist ein begnadeter Fußballspieler. Beim FC Bayern
 

Fever Pit’ch

11. Dezember · Ausgabe #33 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Kingsley Coman ist ein begnadeter Fußballspieler. Beim FC Bayern hat der dribbelstarke Franzose seinen Marktwert auf 50 Mio. Euro verdoppelt. Verwunderlich ist der Wertanstieg schon. In den drei Jahren in München kam Coman nur auf 66 Spiele in der Bundesliga (neun Tore) und 18 Spiele in der Champions League (vier Tore). Zu oft war der 22-Jährige verletzt.
Jetzt hat er in einem Interview seinen Frust geäußert, dass der Körper nicht immer so will wie sein Kopf, und ein vorzeitiges Karriere-Ende nicht ausgeschlossen - siehe Kicker-Bericht unten. Mich macht der Fall nachdenklich. Wir alle, ich vorneweg, beurteilen gerne schnell die Leistung von Fußballspielern und hadern, wenn sie nicht so funktionieren, wie wir wollen. Hier ist wieder so ein Moment, um zu erkennen: Hinter jeder einzelnen sportlichen Leistung steckt immer ein Mensch mit seinen Sorgen, Nöten, Ängsten, Emotionen. Sehr häufig vergessen wir das.
Euer Pit Gottschalk

Schalke 04 droht Machtkampf in der Führungsebene
Er wirkt nachdenklich, der Schalke-Manager Christian Heidel. Foto: Imago/Team 2
Die zwei Meldungen haben nur scheinbar nichts miteinander zu tun. Bei Hannover 96 bringt Martin Kind in der NDR-Sendung “Sportclub” seinen Kampfgeist zum Ausdruck, dass er das Vereinsrecht auf 50+1 kippen und seine Übernahme des Vereins notfalls juristisch durchsetzen will.
Tage später muss sich Sportvorstand Christian Heidel auf Schalke gegen Quälgeister im Aufsichtsrat wehren, die seine Kompetenz bei Transfers bestreiten und ihm einen Ex-Fußballer als Aufpasser ins Management setzen wollen. Beide Meldungen werfen Grundsatzfragen auf.
Schalke sucht Fußball-Experten für Heidel (+)
Wie professionell müssen Bundesliga-Vereine heutzutage geführt werden? Vernebelt die im Fußball traditionsreiche Romantik den Blick auf die Notwendigkeiten eines millionenschweren Unternehmens? Wie viel Eitelkeit verträgt eine moderne Vereinsführung im Profifußball noch?
Beim FC Schalke droht darüber ein Machtkampf auszubrechen, wie einsam Heidel mit seinem Vertrauensmann Axel Schuster die Kaderplanung verantworten darf. Via Bild lässt jemand im elfköpfigen Aufsichtsrat Zweifel an seinen Personalien seit Amtsantritt 2016 streuen.
So geht das ständig im deutschen Fußball. Was noch vor vier Monaten ein festes Fundament zu haben schien, verfügt angesichts von 14 Punkten aus 14 Bundesliga-Spielen die Standfestigkeit eines Kartenhauses. Schalke spielt “House of Cards”. Heidel ahnt die Machenschaften im Hintergrund.
Er möchte keinen, der ihm ins Handwerk pfuscht, und bis Vertragsende 2020 alleine die Verantwortung für die sportlichen Belange beim FC Schalke tragen. Dazu gehört, dass er eine enge Abstimmung allein mit seinen zwei Vorstandskollegen und seinem Boss im Aufsichtsrat pflegt.
Aufsichtsratschef Clemens Tönnies teilt Details im Eilausschuss nur mit seinen Vertrauten Huub Stevens und Peter Lange. Alle anderen in Aufsichtsrat und Umfeld erfahren, wie es weiterläuft, aus zweiter Hand. Daraus entsteht die Saat für Eifersüchtelei und Besserwisserei.
Genau hier prallen die zwei Ideologien der Bundesliga aufeinander. Die eine sagt: Ein Verein gehört allen, also darf jeder mitreden. Die andere: Ein Verein, der erfolgreich sein will, braucht eine starke Führung, bestehend allein aus dem Dreieck Trainer-Manager-Klubchef.
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Damit sind wir bei Martin Kind. Er nimmt für sich in Anspruch, Hannover 96 mit Millionen-Investments aus der Bedeutungslosigkeit geführt zu haben. Darum möchte er jetzt durchregieren, indem er die Mehrheit am Klub beansprucht. Die Front dagegen ist riesig und hat gute Argumente.
Ein Verein ist, wie der Name schon sagt, eine Vereinigung und eben kein Unternehmen. Inzwischen jonglieren Klubs aber mit so vielen Millionen, dass Unternehmensstrukturen und verschiedene Organisationsformen eine Abkehr vom e.V. nahelegen. Die Liga ist hin- und hergerissen.
In zu vielen gewählten Aufsichtsräten in zu vielen Klubs sitzen zu viele Mitgliedervertreter, die entweder aus Vereinsliebe, Geltungssucht oder Beziehungspflege ins Gremium kamen. Zu selten aus Kompetenz. Das war schon früher so. Auch auf Schalke. Nur waren die Konsequenzen kleiner.
Ein eingetragener Verein muss mit Schwächen eines wild versammelten Gremiums halt leben. Ein Aufsichtsrat wie auf Schalke wurde ja von den Mitgliedern gewählt. Das gilt es zu respektieren. Nur sollte man sich vom Gedanken lösen, dass Mitglieder immer die richtigen Vertreter wählen.
Schalke 04 steckt zum Beispiel im Dilemma. Kommt tatsächlich ein neuer Sportchef, hat ihr Aufsichtsrat damit Heidel offiziell und zu Unrecht ein Defizit unterstellt. Kommt keiner, verstummt das Gerede im Hintergrund nicht. Auf Schalke hat man dafür einen Namen: “das alte Schalke”.
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