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Schalke 04 gegen Dortmund: Verkehrte Welt im Ruhrgebiet

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Als Bayern München im Frühjahr Torwart Alexander Nübel in aller Ö
 

Fever Pit’ch

26. Oktober · Ausgabe #269 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Als Bayern München im Frühjahr Torwart Alexander Nübel in aller Öffentlichkeit umschmeichelte, griff der Schalker Sportvorstand Jochen Schneider beherzt zum Telefon und bat Karl-Heinz Rummenigge um Zurückhaltung. Der Anruf beim Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern war dringend nötig: Schalke steckte damals im Abstiegskampf und brauchte keine Unruhe im Kader. Rummenigge wollte ihm den Gefallen tun, verlangte aber scherzend eine Gegenleistung: einen Schalker Sieg im Revierderby gegen Borussia Dortmund - gegen den Bayern-Rivalen um die Meisterschaft. Schneider musste nicht lange überlegen. Schalke gewann 4:2 in Dortmund.
Die Historie des ewig brisanten Duells im Ruhrgebiet bietet Tausende von diesen Anekdötchen. Jeder Fan im Kohlenpott kann welche erzählen. Dank Sport-Informations-Dienst (SID) schildern wir heute die elf größten Derby-Momente seit 1925. Vom Hundebiss bis zum Torwart-Tor, von der versauten Meisterfeier bis zur irren Aufholjagd: Allein die Rückschau macht so viel Lust auf das Derby, dass man heute keine Minute verpassen möchte. Es steht ja eine Menge auf dem Spiel. BVB-Trainer Lucien Favre muss die Veltins-Arena nur als Sieger verlassen - dann feiert ihn Borussia Dortmund als Helden. Zumindest: in den nächsten Wochen.
Ein farbloses Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Schalke 04 gegen BVB: Verkehrte Welt im Ruhrgebiet
So will David Wagner seinen Freund Jürgen Klopp heute ärgern So will David Wagner seinen Freund Jürgen Klopp heute ärgern
Von Thomas Nowag und Thomas Lipinski
Jürgen Klopp hat einige vogelwilde Revierderbys erlebt, aber dieses heute wird verwirrender als jedes andere. “Das ist die verrückteste Situation meines Lebens”, sagt der Meistertrainer vor der 177. Auflage des ewigen Duells der Erzrivalen Schalke 04 und Borussia Dortmund, und er schlägt sich dabei gegen die Stirn: “Ich bin zu 100 Prozent schwarz-gelb. Aber jetzt ist mein bester Freund Schalke-Trainer! Ich weiß immer noch nicht, wie ich das klarkriegen soll.”
Dabei ist die Lage schon so verrückt genug. David Wagner, eben jener bester Freund, war einst königsblauer Eurofighter, hat dann vier Jahre lang die zweite Mannschaft der Borussen trainiert und nun die Schalker zu neuem Leben erweckt. Er kann dem angezählten BVB-Trainer Lucien Favre mit einem Sieg am Samstag ganz erhebliche Probleme bereiten. Der Name Jose Mourinho geistert schon durch Dortmund, das sich eigentlich immer noch (besonders in Person von Hans-Joachim Watzke) nach Klopp sehnt. 
Wirklich komisch, Herr Favre! Wirklich komisch, Herr Favre!
Michael Zorc hat 23 Derbys bestritten und mehr gewonnen als jeder andere Spieler (10). Das Erfolgsrezept des Sportdirektors für Samstag lautet: Kampf garniert mit Kampf, dazu Kampf. “Macht Schalke einen Meter, machen wir einen Meter und am besten noch ein bisschen mehr. Wir wollen sehen, dass jeder Spieler mit jeder Faser seines Körpers gewinnen will.”
Zorc bemüht sich in der diffizilen Situation intensiv um Ruhe. Das Mourinho-Gerücht entbehre “jeder Grundlage. Wir führen keine Trainerdiskussion. Wir sind froh, dass wir Lucien Favre haben”, beteuerte er nach der Champions-League-Niederlage bei Inter Mailand (0:2). Und dennoch wollte er Favres wunderliche Analyse, der harmlos-uninspirierte BVB habe “gut gespielt”, keineswegs teilen. “Wir hätten deutlich konsequenter und zielstrebiger agieren müssen”, sagte er.
"BVB ist in der Favoritenrolle" "BVB ist in der Favoritenrolle"
Im April hatten beide Mannschaften noch Welten getrennt. Dortmund schien dem Meistertitel entgegenzustreben, Schalke kämpfte leblos gegen den Abstieg - und siegte dann unter Huub Stevens beim BVB 4:2. Sechs Monate später ist das Derby ein Duell auf Augenhöhe, die Schalker sind zu Hause sogar leicht favorisiert.
David Wagner muss die personifizierte Euphoriebremse geben. Wer hätte das gedacht? “Ich muss mal gucken, wie ich uns alle runterkriege”, sagte er im SID-Interview. Das fällt nicht leicht, wenn man selbst unter Strom steht: “Ich muss aufpassen, dass sich mir nicht die Nackenhaare aufstellen, wenn ich nur darüber rede.”
Diese Sorgen hätte Lucien Favre wohl gerne. Der Schweizer ist eher gefordert, seine Mannschaft endlich mal aufzupeitschen und ihr das Derby-Gen zu vermitteln. Das brisante Duell ist die große Chance für eine sportlich-emotionale Wende. “Wir brauchen jetzt diesen Push!” sagte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung und in 16 Derbys gestählt. Schließlich war die Ansage, um den Titel mitzuspielen.
Derby-Aufstellungen: Schalke mit Serdar, BVB mit Reus und Götze Derby-Aufstellungen: Schalke mit Serdar, BVB mit Reus und Götze
176 teils legendäre Spiele hat es zwischen Schalke und dem BVB seit 1925 gegeben, 94 davon in der Bundesliga (seit 1963). Die Bilanz spricht trotz des gegenläufigen Trends der vergangenen Jahre für die Königsblauen: 69 Siegen stehen 46 Unentschieden und 61 Niederlagen gegenüber, das Torverhältnis lautet 337:274.
Und David Wagner? Der hat es als Schalke-Spieler 1996 auf ganze sieben Minuten in einem 0:0 gebracht. Sein erster Derbysieg als Bundesliga-Trainer könnte in vielerlei Beziehung wegweisend werden: “Wir können es kaum erwarten.”
Thomas Nowag und Thomas Lipinski sind SID-Redakteure
Was für den BVB im richtungsweisenden Revierderby spricht Was für den BVB im richtungsweisenden Revierderby spricht
Veni, Vidi, Verlieri!
"Weiß, dass Favre mit dem BVB Meister werden kann"
Die elf größten Derby-Momente
Michael Zorc über die Bedeutung des Revierderbys Michael Zorc über die Bedeutung des Revierderbys
Das erste Derby
3. Mai 1925: Schalke 04 - Borussia Dortmund 4:2
Die Geburtsstunde des Schalker Kreisels in der Ruhrgaumeisterschaft der Kreisligen. “Kurz und flach wandert der Ball von Mann zu Mann”, schreibt der Dortmunder Generalanzeiger über das Spiel der Schalker in Herne. Ernst Kuzorra, 19 Jahre alt, trifft doppelt. Er wird zu einer Schalker Legende werden.
Der höchste Sieg
20. Oktober 1940: Schalke 04 - Borussia Dortmund 10:0
Kein Derby ist einseitiger als jenes während des Zweiten Weltkriegs in der Gauliga Westfalen. Wieder ist Ernst Kuzorra der Held, diesmal erzielt er vier Tore in der ersten Halbzeit. Nur 3000 Zuschauer sehen das Spiel in der Glückauf-Kampfbahn.
Das erste Bundesliga-Derby
7. September 1963: Schalke 04 - Borussia Dortmund 3:1
Reinhold Wosab erzielt in der sechsten Minute das erste Derby-Tor in der Bundesliga - für den anfangs überlegenen BVB. Dann aber bricht Dortmund ein, Schalke trifft vor 38.000 Zuschauern dreimal innerhalb von 14 Minuten. Im Rückspiel revanchiert sich der BVB mit einem 3:0, die Schalker bleiben erstmals in einem Bundesliga-Spiel torlos.
Das Nebelderby
12. November 1966, Borussia Dortmund - Schalke 04 6:2
Gerd Henning hatte eine Taktik. “Immer, wenn der Ball in den Nebel geschossen wurde, bin ich hinterhergelaufen. Das war anstrengend, aber okay”, berichtet der Schiedsrichter. Denn im Stadion Rote Erde sehen selbst die Spieler kaum die Hand vor Augen. “Wir mussten uns gegenseitig über den Spielstand informieren”, erzählt Schalkes Klaus Fichtel. Die Nachricht ist ernüchternd: Die Königsblauen verlieren 2:6, drei Tore erzielt Lothar Emmerich. Der sagt später: “Wenn wir etwas gesehen hätten, hätten wir noch höher gewonnen.”
Legendäres Foto: Ein Schäferhund beißt Friedel Rausch in den Allerwertesten. Foto: Imago / Horstmüller
Legendäres Foto: Ein Schäferhund beißt Friedel Rausch in den Allerwertesten. Foto: Imago / Horstmüller
Der Hundesbiss
6. September 1969: Borussia Dortmund - Schalke 04 1:1
Friedel Rausch liegt bäuchlings auf dem Rasen, das Hinterteil entblößt, einige Männer sitzen und stehen recht ratlos drumherum. “Die Narbe ist ein Andenken für immer”, berichtete Rausch, der am 18. November 2017 mit 77 verstarb, stets. Schäferhund Rex hatte herzhaft zugebissen, als Hunderte Schalker im Jubel über das 1:0 durch Hansi Pirkner den Platz stürmten. Das Foto ist eine Ikone der Bundesliga.
Fichtels Abschied
22. April 1986: Borussia Dortmund - Schalke 04 1:1
Es ist kein großes, legendäres Derby, es zieht seine Bedeutung aus der Personalie Klaus Fichtel. Der ist eigentlich als Co-Trainer zu Schalke zurückgekehrt, spielt aber dann doch wieder - auch in seinem 24. Derby. Fichtel ist damit in der Bundesliga-Ära Rekordhalter zusammen mit Roman Weidenfeller vor Michael Zorc (23). Das Spiel endet durch ein spätes Zorc-Elfmetertor 1:1, sonst wäre Fichtel auch der Mann mit den meisten Derbysiegen. So hat er neun - und Zorc zehn.
Olaf Thon springt Jens Lehmann in die Arme. Soeben hat der Schalker Torwart den Ausgleich per Kopfballtor erzielt. Foto: Imago / Werek
Olaf Thon springt Jens Lehmann in die Arme. Soeben hat der Schalker Torwart den Ausgleich per Kopfballtor erzielt. Foto: Imago / Werek
Lehmanns Tor
19. Dezember 1997: Borussia Dortmund - Schalke 04 2:2
Es ist ein Eckball, den es nicht hätte geben dürfen, aber das interessiert nachher fast niemanden - außer den BVB-Präsidenten Gerd Niebaum, der den jungen Linienrichter Dirk Margenberg als “Weihnachtsmann” beschimpft. Margenberg eröffnet mit seiner Fehlentscheidung die Chance zu einem der größten Derby-Momente: Der mit nach vorne gestürmte Schalke-Torhüter Jens Lehmann trifft in der Nachspielzeit per Kopf zum Ausgleich. Es ist das erste Tor eines Torhüters in der Bundesliga aus dem Spiel heraus. Lehmann wechselt später zum BVB.
Möllers Rückkehr
23. September 2000: Borussia Dortmund - Schalke 04 0:4
Es ist die Rückkehr des Verräters. Andreas Möller ist im Sommer vom BVB zu Schalke 04 gewechselt, was für beide Seiten ein Unding ist. Die Anfeindungen sind nicht zitabel. Dann jener 23. September: Möller macht ein Riesenspiel, mit nacktem Oberkörper feiert er vor der Schalker Kurve. Die Fans singen: “Ohne Möller habt ihr keine Chance!” Am Ende wird Andreas Möller mit Schalke Meister - aber nur für vier Minuten. Er tröstet sich eine Woche später mit dem DFB-Pokal.
Die verspielte Meisterschaft
12. Mai 2007: Borussia Dortmund - Schalke 04 2:0
Der süßeste Derby-Sieg. Der BVB hat eine schlimme Saison hinter sich, er wird es nicht in den Europapokal schaffen, doch ein Ziel bleibt: Schalke die Meisterschaft versauen! Das Stadion kocht beim Einlaufen der Mannschaften, auf einem schwarz-gelben Transparent steht: “Nur gucken, nicht anfassen!” Und tatsächlich: Der Tabellenführer stolpert, Alex Frei und Ebi Smolarek treffen für Dortmund. “Gejammert wird erst, wenn alles vorbei ist”, sagt Schalkes Fabian Ernst noch kämpferisch. Das passiert eine Woche später - Meister wird der VfB Stuttgart.
Die Aufholjagd
13. September 2008: Borussia Dortmund - Schalke 04 3:3
Lutz Wagner sitzt in der Schiedsrichterkabine. Mehrere Stunden lang. Auf DVD schaut er sich noch mal das komplette Spiel an, das er mit schwerwiegenden Fehlentscheidungen beeinflusst hat. Nachher spricht er von “persönlicher Wahrnehmung”, was niemanden wirklich zufriedenstellt. Die Schalker schäumen: Nach ihrer 3:0-Führung gleitet ihnen das Spiel aus der Hand. Christian Pander und Fabian Ernst fliegen vom Platz, das 2:3 ist ein Abseitstor, der Handelfmeter zum Ausgleich unberechtigt. Am Ende jammern aber auch die Dortmunder: Wagner hat ihnen zu früh abgepfiffen.
Das Spiel des Jahrzehnts
25. November 2017: Borussia Dortmund - Schalke 04 4:4
Schalke 04 liegt am Boden. 0:4 steht es nach nur 25 Minuten, Trainer Domenico Tedesco sagt seiner Mannschaft, er wolle nur noch die zweite Halbzeit gewinnen. Der BVB träumt von einer historischen Demütigung des Rivalen. Doch er bricht nach dem ersten Gegentor in der 61. Minute komplett zusammen. Naldo köpft in der Nachspielzeit den Ausgleich und krönt das größte Comeback der Derby-Geschichte.
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