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Schalke 04 und Tönnies: Schluss mit dem Bashing!

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Es ist unbestritten: Clemens Tönnies hat im Sommer eine rassistis
 

Fever Pit’ch

8. November · Ausgabe #279 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Es ist unbestritten: Clemens Tönnies hat im Sommer eine rassistische Äußerung zu Afrika getätigt und sein FC Schalke 04 eine selten dämliche Reaktion gezeigt. Die Vereinsgremien und der Aufsichtsratsvorsitzende blamierten ihren Klub bis auf die Knochen, das Krisenmanagement verdiente seinen Namen nicht. Dafür gab es wochenlang Kritik, heftig und berechtigt.
Und nun? Sind drei Monate Amtspause eine angemessene Strafe? Niemand ist jetzt berufen, Richter zu spielen und das Urteil aus dem Ehrenrat immer und immer wieder infrage zu stellen. Irgendwann muss Schluss mit dem Bashing sein. Tönnies hat niemanden umgebracht, keinen sexuellen Übergriff unternommen und keine Steuern in Millionenhöhe hinterzogen.
Wenn er demnächst ins Stadion zurückkehrt, sicht- und angreifbar, wird der Spießrutenlauf bei jenen Fans, die ihre Werte verletzt sehen, eine letzte große Bestrafung sein. Danach sollte das Vergehen abgegolten sein. Niemand auf Schalke geht eh unbeschadet aus der Sache heraus. Inzwischen sollte aber der Zeitpunkt erreicht sein, zur Tagesordnung überzugehen.
Das ist dem FC Bayern beim Steuerbetrug von Uli Hoeneß gelungen, und das sollte auch dem FC Schalke und seinem emotionalen Anhang bei Clemens Tönnies gelingen. Denn was wäre die Alternative? Dass erneut lästige Nebengeräusche die verheißungsvolle Entwicklung unter Trainer David Wagner beeinträchtigen? Wem wäre damit gedient?
Tönnies weiß doch, dass er Murks gebaut hat. Dass ihm der Versuch, mit einem Interview in den vereinseigenen Medien die Wogen zu glätten, vorgehalten wird, entlarvt eine gewisse Scheinheiligkeit. Man ist erst zufrieden, wenn der Sünder so reagiert, wie man es will. Die Wahrheit ist wohl: Weil er am Ende nicht zurücktritt, wäre man nie zufrieden gewesen.
Dass die Schilderung seiner, so wörtlich, “Leidenszeit” ins Theatralische verfällt, kann man ihm schwerlich vorwerfen. Tönnies steht da in einer Tradition von Schalker Klubbossen, die ihrem Amt stets etwas Dramatisches abgewinnen konnten. Man muss es so sagen: Jeder Verein bekommt den Vorsitzenden, den er verdient.
Einen melancholischen Freitag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Schalke 04 und Tönnies: Schluss mit dem Bashing!
Schalke-Chef Clemens Tönnies, jetzt mit Bart
Schalke-Chef Clemens Tönnies, jetzt mit Bart
"Ausdrücklich begrüßt"
Von Jürgen Magh
Das selbst auferlegte Arbeitsverbot in seinem geliebten Verein Schalke 04 war für Clemens Tönnies nicht das einzige Tabu. Als der mächtige Klubchef zum Derby gegen Borussia Dortmund im heimischen Wohnzimmer mit Trikot und Stollenschuhen erschien, wurde es Ehefrau Margit zu viel.
“Mit den Fußballschuhen kommst Du aber nicht aufs Sofa”, berichtete Tönnies von seinem Familienleben und musste über sich selbst schmunzeln: “Ich hatte mir tatsächlich meine Stulpen angezogen. Da kann man sich drüber totlachen, aber so bin ich eben.”
Tönnies hat seine Freude wiedergefunden, zumindest in Teilen. Denn im ersten Interview nach seinen rassistischen Äußerungen über Afrikaner wirkte der Fleischfabrikant auch nachdenklich. Tönnies räumte ein, gelitten zu haben. Der neue bärtige Look verstärkte das Bild.
"Bin ein Menschenfreund"
“Drei Monate ohne Schalke, das war eine harte Zeit. Ich hätte nicht erwartet, dass ich ein Stück weit leide”, sagte der 63-Jährige bei Schalke-TV, “das hat mir schon viele Gedanken gebracht über das, was ich gesagt habe, wie ich es eigentlich gemeint habe und wie es insgesamt aufgenommen wurde.”
Tönnies gab zu, von der “Wucht der Reaktionen total erschlagen” gewesen zu sein. “Ich habe Fehler gemacht, ich stehe für die Fehler ein und habe wahnsinnig viele Gespräche geführt mit unterschiedlichsten Menschen. Ich habe mich und das Thema hinterfragt”, sagte er.
Anfang August hatte er bei einer Festveranstaltung für einen Skandal gesorgt. In einer Rede zum Thema “Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung” empfahl er die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika und sagte dabei: “Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.”
"Es gibt nicht lebenslang"
Der S04-Macher betonte, ein besonderes Verhältnis zum afrikanischen Kontinent zu haben. “Ich bin häufig in Afrika gewesen und kenne die Menschen. Ich bin mit dem Auto 12.500 Kilometer durch Afrika gefahren, habe abseits der großen Straßen übernachtet”, sagte Tönnies und bekräftigte: “Ich bin der, der bei einer Anti-Rassismus-Kampagne als Erster das Plakat hochhält.”
Tönnies nutzte das Gespräch auch zur erneuten Entschuldigung. “Ich habe es ganz bestimmt nicht böse gemeint, beleidigend oder verletzend. Deswegen bin ich auch sofort angetreten und habe mich entschuldigt und tue es jetzt nochmal. Ich bin nicht der, der trennt, sondern der, der vereint”, sagte der Klubchef, in dessen Betrieben nach eigener Aussage “Menschen aus 87 Nationen arbeiten”.
Die harte Zeit von Tönnies: Clemens Snowden
Wann er wieder ins Schalker Stadion komme, ließ Tönnies weiter offen. “Ich kann es noch nicht sagen, aber lieber heute als morgen”, sagte er, “ich bin derzeit geschäftlich stark eingebunden. Ich gebe früh genug Bescheid.” Spannend wird, wie ihn die bislang sehr kritischen S04-Fans dann empfangen werden.
Auf seine Rückkehr an die Kommandozentrale der aktuell sportlich erfolgreichen Königsblauen freut sich Tönnies jedenfalls sehr: “Ich sehe die Riesenchance, was zu erreichen. Und ich möchte da gerne mit anfassen mit allen und Schalke weiter nach vorne bringen.”
Jürgen Magh ist Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (SID)
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Der Fever Pit'ch Podcast - diesmal mit Alex Steudel
Der Fever Pit’ch Podcast muss heute ohne Pit Gottschalk auskommen. Der ist auf dem entgegengesetzten Ende der Welt, in Australien, unterwegs – und versorgt euch von dort aktuell mit seinem Fever Pit’ch-Newsletter. Aber im Podcast hat er Malte Asmus alleine am Mikrofon zurückgelassen …
Aber keine Bange, ein Malte Asmus bleibt nicht lange alleine. Er hat sich kompetenten Ersatz besorgt. Nämlich Fever Pit’ch Kolumnist Alex Steudel. Und die beiden schauen auf das Duell Bayern München gegen Borussia Dortmund voraus, klären zunächst, warum dieses Spiel alles andere als ein Clasico ist und diskutieren dann die Baustellen bei beiden Klubs.
Außerdem fragen sie sich, wer von den zwei Großklubs nach der Champions League-Woche nun das größere Momentum hat. Und natürlich die Frage aller Fragen dazu: Wer soll neuer Bayern-Trainer werden?
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Die Welt rätselt: Wie kam der Hulk zum BVB?
Von Alex Steudel
Im Fußball ist seit Dienstag nichts mehr, wie es war. Weltweit fragen sich Fans und Experten, was zum Teufel in der Halbzeitpause des Spiels Dortmund gegen Mailand in der BVB-Kabine passiert ist. Wir alle werden den Moment nie vergessen können, als danach statt eines Woody Allen plötzlich der Hulk auf den Rasen kam. Es gibt keine wissenschaftliche Erklärung dafür.
Die Dortmunder halten sich bedeckt. Bisher wissen wir nur, was wir gesehen haben, dass nämlich vor dieser geheimnisvollen Pause gar nichts und danach eine Menge passiert ist – danach kam eine Mannschaft voller Superhelden aus der Kabine und ein Trainer mit Favre-Maske, und die walzten dann zusammen die armen Mailänder so dermaßen nieder, dass sie ihnen nie wieder ein Espresso schmeckt.
Dieser BVB wird natürlich morgen den FC Bayern sowas von plattwalzen. Die Münchner ahnen das schon, sie können den überirdischen Mentalitätsmonstern aus dem Ruhrpott nur eine ganz normale Fußballmannschaft entgegensetzen, die den Ball 90 Minuten lang von einem Mann zum anderen schiebt und darauf wartet, dass die Zuschauer einschlafen. Das mag gegen Griechen funktionieren, aber nicht gegen elf Iron Men. Und an der Linie steht beim Rekordmeister auch nur ein Trainer, der nicht aus Kryptonit ist, sondern aus Baden. 
BVB-Sportdirektor Zorc fordert Männerfußball
Diese armen Bayern fragen sich ängstlich: Was hat Dortmund plötzlich, das wir nicht haben? Waren dort am Dienstag übernatürliche Halbzeitkräfte am Werk? Haben die Spieler in einer Séance händchenhaltend den Geist von Fritz Walter (3:2 nach 0:2 gegen Ungarn) reingeholt? War Schockstromtherapie im Spiel? Oder noch brutaler: Hat jemand in der BVB-Kabine aus Versehen ein HSV-Video abgespielt? 
Es ist alles so verrückt. Ich habe gehört, dass Steven Spielberg den Dortmundern bereits Unsummen für die Rechte an der Verfilmung der Halbzeitpause anbietet. Das ganze soll 2020 als vierte Staffel von “Stranger Things” auf Netflix laufen. 
Allerdings gibt es auch Probleme. Die Uefa ermittelt gegen den BVB, weil der Klub ganz offensichtlich 25 Spieler eingesetzt hat, also 11 im ersten und 14 im zweiten Durchgang. Das Einwohnermeldeamt überprüft, wer der Typ war, der in Hälfte zwei gegen Mailand an der Seitenlinie rumgerast ist. Lucien Favre war’s jedenfalls nicht, der Mann sah für mich eher aus wie eine Mischung aus Christoph Daum und Werner Lorant, die sie durch die Digital De-aging Software von Martin Scorsese gejagt haben.
Alle mal herhören!
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