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Schiedsrichter Gräfe bemängelt DFB und Videobeweis

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Natürlich wäre es einfach gewesen, den Fever Pit'ch Newsletter he
 

Fever Pit’ch

20. Januar · Ausgabe #323 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Natürlich wäre es einfach gewesen, den Fever Pit'ch Newsletter heute mit Erling Haaland aufzumachen. Der Norweger in Diensten von Borussia Dortmund hat eine sensationelle Bundesliga-Premiere beim 5:3 in Augsburg hingelegt. Nur: Praktisch jede deutsche Zeitung schreibt von seinen drei Toren. Warum sollte ich mitschwimmen? Fever Pit'ch soll sich unterscheiden.
Deshalb habe ich mich entschieden, ein Interview zu thematisieren, das der Schiedsrichter Manuel Gräfe dem Kicker gegeben hat. Gräfe bemängelt darin die Entscheidungswege beim DFB. Das ist nicht nur interessant, sondern erklärt auch so manche strittige Situation in der Bundesliga. Nur keine Sorge: Etwas weiter unten ist auch Haaland - in der Kolumne von Alex Steudel.
Einen skandinavischen Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Schiedsrichter Gräfe bemängelt DFB und Videobeweis
Manuel Gräfe hilft Marco Reus auf die Beine
Manuel Gräfe hilft Marco Reus auf die Beine
"Es geht immer noch zu wenig nach Leistung"
Von Pit Gottschalk
Man kann Manuel Gräfe nur ein Kompliment machen. Erneut hat der Bundesliga-Schiedsrichter aus Berlin den Mut, die Dinge, die ihn beim DFB stören, beim Namen zu nennen und anzuprangern. Leistungsprinzip, Videobeweis, Eignungstest: Jeder Interview-Satz im Montagskicker ist eine kritische wie differenzierte Bestandsaufnahme, wie es in Deutschland um das Schiedsrichterwesen bestellt ist. Offenbar nicht zum besten.
Am Wochenende konnte man es wieder erleben. Die Schiedsrichter haben die Vereine darüber informiert, dass ein Verstoß gegen die eine Regel, die Fairplay und Respekt auf dem Fußballplatz verlangt, schneller mit Gelb bestraft wird. Rudelbildung und lautstarker Protest zum Beispiel sollten damit unterbunden werden. Der Ansatz ist komplett richtig. Aber prompt schlug die gute Absicht ins Extreme aus. Diesmal traf es Werder Bremen.
Beim 1:0 in Düsseldorf sah Niklas Moisander zwei Mitspieler nach einem Crash am Boden. In der Hitze des Kellerduells tat er, was ein vorbildlicher Kapitän halt tut: Mit aller Emotion ging Moisander in den nur verbalen Schlagabtausch. Schiedsrichter Felix Brych blieb keine Wahl: Er, einer der drei besten deutschen Schiedsrichter und damit unter Beobachtung, folgte der neuen Richtlinie und gab Moisander, weil der schon Gelb hatte, Gelb-Rot.
Der Platzverweis offenbart das Missverhältnis zwischen der zweifelsfrei berechtigten Verbesserung und der praktischen Anwendung. Hätte Brych dem Werderaner kein zweites Gelb gezeigt, hätte sich niemand beschwert. Jeder hätte verstanden, warum Moisander sich aufregt, und Nachsicht für angebracht gehalten. Er hat nicht auf Zeit gespielt, keinen Aufstand initiiert, keinen Gegenspieler mutwillig gefoppt. Er war: ein Fußballer.
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Schiri-Chef Lutz Michael Fröhlich aber sieht das Regelwerk korrekt angewandt. Im Live-Gespräch beim SPORT1 Doppelpass am Sonntag sah er keine Veranlassung für ein Zugeständnis, dass Fußball eben nicht immer schwarz oder weiß ist. Und hier sind wir wieder bei Manuel Gräfe: Er sieht das genauso. Bei der Beurteilung kommen ihm “Spielmanagement und eine hohe Entscheidungsqualität zu kurz”. Was zu oft zählt: nur Fitness.
In der Bundesliga pfeifen ja nicht die im Land besten Schiedsrichter, sondern allenfalls die besten aus der jeweiligen Region. Proporzdenken aber hat selten etwas Gutes: Da entscheidet nicht die Leistung, sondern die Herkunft. Gräfe sagt: “Es geht aus meiner Sicht zu oft immer noch nach Politischem, Regionalem oder Persönlichem.” Er, vielleicht Deutschlands bester Schiri, durfte in der Hinrunde nur sechs Bundesliga-Spiele pfeifen.
Dabei sind seine Vorschläge konstruktiv, nachvollziehbar und definitiv diskussionswürdig. Zum Beispiel beim Videobeweis. Er fordert, dass er dem Publikum seine VAR-Entscheidung gerne am Mikrofon erklären würde; dann wüssten im Stadion alle bescheid. Er findet Team Challenges gut: Der Trainer meldet, wann er eine Schiri-Entscheidung überprüft haben will; zwei pro Spiel sollten erlaubt sein. Man merkt sofort: Da redet einer aus der Praxis.
Zu oft erlebten wir in der Vergangenheit Regeln und Regelanwendungen, die das Spiel bestenfalls störten. Man muss nur an die umstrittene Handregel denken. Bundesliga-Schiedsrichter können die Auslegung sofort erklären; der normale Fan aber nicht. Werder-Trainer Kohfeldt hat schon recht: Zu viele Regeländerungen bestehen den Stresstest im Liga-Alltag nicht. Manchmal fragt man sich: Für wen sind diese Regeln eigentlich?
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Was Erling Haaland am Samstag in Augsburg geleistet hat, habe ich noch nie erlebt. Es war ein Wunder. Bevor der 1,94-Meter-Mann kam, spielte Borussia Dortmund fast eine Stunde lang wie Borussia Dortmund und verlor 1:3. Mit ihm sah das Ganze plötzlich nach Liverpool aus und endete 4:0. Es waren übrigens Haalands erste Minuten als Fußballer, der 19-Jährige hatte vor dem Samstag noch nie richtig gespielt. Wenn man Schwellenländer wie Österreich mal ausnimmt.
Für mich ist Haaland der Schrecken der Stunde. Wer wohl in der Nacht zum Sonntag die übleren Alpträume hatte – seine Augsburger Gegenspieler oder der ihm zugeteilte Sky-Reporter? Sie alle machten jedenfalls gegen den Norweger keinen Stich: Haaland schoss in ein paar Minuten drei Tore, und er gab danach in ein paar Minuten null Antworten.
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So aggressiv und fordernd er auf dem Platz spielt, so zurückhaltend ist er nämlich am Mikrofon – das Sky-Interview mit dem Norweger wird in die Geschichte eingehen: “Hmm. Weiß nicht, ja, nein, vielleicht, Hmm”, presste er heraus. Mich erinnerte das ein bisschen an die Auftritte von Kronzeugen, die in Mafiaprozessen dann doch in letzter Sekunde den Rückzieher machen, weil Don Enzo noch ein paar Scheinchen draufgelegt hat.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Ich habe mich gefragt, was das Geheimnis seines Erfolges ist. Ich bin mir nicht sicher, ob der schüchterne Haaland einfach nur ein besonders guter Fußballspieler ist, oder ob seine Erscheinung entscheidend ist: Der Typ ist irre groß und sieht furchteinflößend aus. Als er in Augsburg zum Interview kam, hatte er den Spielball unterm Arm. Wenn es der Kopf des Augsburger Torwarts gewesen wäre, hätte ich mich auch nicht gewundert. Im Supermarkt würde ich Haaland jederzeit rückfragenlos meinen Platz in der Warteschlange überlassen und noch ein Kilo rohes Rindfleisch drauflegen.
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Haaland ist obendrein rasend schnell. Ein mit Usain Bolt gekreuzter Dirk Nowitzki also. Und das ist der Punkt. Ich glaube, dass da was nicht stimmen kann. Wenn Lionel Messi als Kind Wachstumshormone bekommen hat, dann müssen es bei Haaland Plutoniumspritzen gewesen sein. Dabei ist Haalands Vater, selbst auch mal Profifußballer, nur 1,84 Meter groß.
Das wirft Fragen nach der Mutter auf. Ich tippe auf einen der drei Drachen aus Game of Thrones.
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