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Schmerzgrenze: Die Bayern und Bullen jammern nicht

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Nationalelf-Direktor Oliver Bierhoff tritt heute vor die Presse u
 

Fever Pit’ch

4. Dezember · Ausgabe #473 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Nationalelf-Direktor Oliver Bierhoff tritt heute vor die Presse und wird allenfalls nur die halbe Wahrheit von dem erzählen, was beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gerade hinter den Kulissen passiert. Die volle Wahrheit würde den weltweit größten Sportfachverband bloßstellen.
Alfred Draxler schreibt von einem “Saustall DFB”, Kollege Frank Hellmann von einem “Intrigantenstadl”. Was man inzwischen weiß: Präsident Fritz Keller wackelt, Vizepräsident Rainer Koch schießt, Generalsekretär Friedrich Curtius dümpelt. Alle anderen: aktuell nicht wichtig.
Man kann es so zusammenfassen: Jeder macht, was er will, keiner macht, was er soll - aber alle machen mit. Das ist ziemlich beschämend für einen Verband, der Zukunftsfragen beantworten soll, zum Beispiel Fragen zur Nationalmannschaft, zur Jugendförderung oder zur Gleichberechtigung.
Die Aufwandsentschädigungen für die Herren bewegen sich in einem sechsstelligen Bereich: angeblich bei 144.000 Euro für Vize Koch, 166.800 Euro für Schatzmeister Osnabrügge und sogar 246.000 Euro für Präsident Keller. Viel Geld, ja. Aber angemessen.
Wer beim DFB arbeitet, sollte nicht auf den eigenen Vorteil aus sein, sondern sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein, dass vom DFB Impulse und Vorbildfunktionen ausgehen. Doch der Ruf ist nicht der allerbeste und war es wohl nie. Schlimm genug, dass niemand das ändern will.
Man darf dafür erwarten, dass die Herren einen ordentlichen Job erledigen. Den Eindruck kann man zurzeit nicht gewinnen. Darum ist jeder Euro, der gezahlt wird, zu hinterfragen. Diese eine Frage sei erlaubt: Wie viele klamme Amateurvereine könnte man mit dem Geld unterstützen?
Ein verschmitztes Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk

Schmerzgrenze: Die Bayern und Bullen jammern nicht
Darum wackelt die Bayern-Abwehr so Darum wackelt die Bayern-Abwehr so
Von Thomas Häberlein
Noch zwei harte Wochen müssen sie durchhalten, dann haben sie wenigstens ein paar Tage Pause. Doch bereits jetzt, nach rund einem Drittel der Bundesliga-Saison, sind vor allem die sechs international beschäftigten deutschen Klubs offensichtlich an der Schmerzgrenze angekommen. “Einige Spieler gehen auf dem Zahnfleisch”, meldete etwa Sportdirektor Michael Zorc von Borussia Dortmund sorgenvoll. 
Zugegeben, das Programm ist eine Herausforderung. So könnten beispielsweise die Nationalspieler von Bayern München zwischen dem 3. Januar und dem 29. Mai auf 38 Einsätze kommen, müssten rein rechnerisch also alle 3,8 Tage spielen. Es sei angemerkt, dass der Rekordmeister zwischen dem Endspiel in der Champions League (23. August) und dem Wiederbeginn der Bundesliga-Saison (18. September) praktisch keine Pause hatte.
Schießt Sørloth auch die Bayern ab? Schießt Sørloth auch die Bayern ab?
Allerdings: Beim FC Bayern und übrigens auch bei RB Leipzig reagieren sie auf die extreme Beanspruchung auf die richtige Art: Sie jammern nicht. Es wäre auch nicht angemessen, täten sie es. Die Klubs müssen Geld generieren, sie nehmen es daher in ihrer Profitgier mit, wo sie es eben bekommen können - und drehen dafür ihre Spieler, die dieses Geld fordern, durch die Mangel. Wer dies beklagt, ist ein Heuchler.
Zum richtigen Umgang mit der Belastung gehört freilich auch eine kluge Steuerung derselben, heißt: Wer schon 25 Spieler im Kader hat, und das haben wohl alle international beschäftigten Klubs, der sollte sie auch möglichst geschickt einsetzen. Und nicht wie Trainer Lucian Favre zum Ausfall von Erling Haaland plötzlich erklären: “Vielleicht hat er zu viel gespielt.” Nun spielt Haaland erst mal gar nicht.
"Sieg gegen United wichtiger als gegen Bayern" "Sieg gegen United wichtiger als gegen Bayern"
Ja, Münchens Trainer Hansi Flick konnte es sich am Dienstag bei Atletico Madrid erlauben, mit Blick auf das Topspiel am Samstag in Leipzig stark zu rotieren - für das Achtelfinale der Champions League war der FC Bayern bereits qualifiziert. Flick konnte sich dies aber auch deshalb erlauben, weil er mit seinem Personal bislang gut umgegangen ist - und dann eben mal ein paar Junge spielen lässt, wenn die Leistungsträger auf dem Zahnfleisch gehen. Dafür sind sie ja auch da.
Thomas Häberlein ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
Dem FC Bayern war der Münchner nicht gut genug Dem FC Bayern war der Münchner nicht gut genug
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
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Warum die Liga toll ist und trotzdem alles falsch macht
Von Alex Steudel
Sportlich gesehen, war unsere Bundesliga lange nicht mehr so gut wie jetzt. Schaut nur auf die Tabelle: Endlich gibt es mehrere Klubs, die den Alleinherrscher FC Bayern, naja, zumindest ärgern können. Und alle sechs deutschen Teilnehmer stehen vor dem letzten Gruppenspieltag der Champions und der Europa League sehr gut da.
Sky meldet Rekordquoten. Aber halt nur Sky. Denn leider findet Bundesliga innerhalb einer Blase statt. Leider hat sie dasselbe Problem wie Jogi Löw: Der Nachwuchs fehlt. Der Nachwuchs, das sind eben nicht die 55-Jährigen, die am Samstag um Fünfzehndreißig mit fleckigem Unterhemd und Bierflasche in der Hand vor der verschlüsselten Glotze sitzen.
Immer weniger junge Leute interessieren sich für Bundesliga. Kürzlich hat die DFL selbst Alarm geschlagen: “In der Zielgruppe der 16- bis 24-Jährigen verliert der Fußball stark an Bedeutung”, sagte Boss Christian Seifert. Laut Statista gab es noch nie soviele Menschen in Deutschland, die sich “kaum oder gar nicht für Fußball interessieren”: 26,13 Millionen, das ist fast jeder Dritte.
Warum? Weil das Marketing null funktioniert. Fußball ist halt da und wird vermarktet. Die Bundesliga ist nicht sexy. Sie ist für Leute da, die Geld haben. Oder für Leute, die Fußball sowieso schon sehr mögen.
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Statt, wie in diesen Tagen geschehen, öffentlich nach neuen Investoren zu suchen, also die Bundesliga in einem Geldsack auf dem Rücken durch die Gegend zu tragen, sollte die DFL lieber auf den Putz hauen. Was die Bundesliga in Zukunft nicht braucht: noch mehr Teilhaber, die reinquatschen. Was sie braucht: junge Kundschaft. Die kriegst du mit einem verfügbaren Spitzenprodukt – plus Lärm, Geschichten, coolen Kampagnen, schlauen Ideen.
Und dann kommen sie vielleicht zurück, die jungen Fans. Fragst du aber heute Jugendliche, sagen sie: “Ich weiß nicht, wie ich das gucken soll. Es kostet ja überall was. Das Geld habe ich nicht”.
In Zeiten der Komplettverschlüsselung helfen auch Alibi-Studentenangebote nicht. Während Weltfirmen den Nachwuchs mit Superangeboten locken (z.B. bietet Microsoft Schülern und Studenten sein gesamtes Officepaket kostenlos an), wird Fußball zum Luxusartikel. Wenn du die Bundesliga komplett erleben willst, musst du jeden Monat mindestens 50 Euro auf den Tisch legen.
Meine Söhne (Studenten) erfahren in der Regel erst am Sonntag beim gemeinsamen Abendessen die Bundesliga-Ergebnisse vom Wochenende – von mir. Als sie noch bei mir wohnten und Sky gucken konnten, waren sie glühende Fußballfans. 
Morgen spielt der FC Bayern gegen RB Leipzig. Erster gegen Zweiter. Früher hat ganz Deutschland auf so ein Spitzenspiel geschaut und den Atem angehalten. Heute läuft das verschlüsselt.
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