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Spielerstreik bei Mainz 05: Ein Boykott aus Solidarität?

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Zu den ersten Überschriften, die ich zum Spielerstreik in Mainz g
 

Fever Pit’ch

24. September · Ausgabe #422 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Zu den ersten Überschriften, die ich zum Spielerstreik in Mainz gelesen habe, gehörte die aus dem Kicker: “Beierlorzers Rückhalt in der Mainzer Mannschaft schwindet”. Ich habe keinen Zweifel, dass die Einordnung stimmt. Dennoch dachte ich: Das darf doch wohl nicht wahr sein! Soll am Ende wieder der Trainer schuld sein, dass sich Spieler unwohl fühlen?
Einen besessenen Donnerstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Spielerstreik bei Mainz 05: Ein Boykott aus Solidarität?
Mannschaft tritt wegen Adam Szalai in Streik Mannschaft tritt wegen Adam Szalai in Streik
Von Pit Gottschalk
Ein Profiverein hat das gute Recht, einen Spieler - warum auch immer - aus dem Kader zu bannen und zum Verkauf anzubieten. Das Geschäftliche regelt meistens der Arbeitsvertrag. Liegt arbeitsrechtlich kein Vergehen vor, darf der Spieler zumindest den Großteil des vereinbarten Gehalts beanspruchen.
Ein moralisches Recht auf den Arbeitsplatz sollte der Spieler besser nicht einfordern. Zu oft musste die Bundesliga erleben, dass ein Spieler, wenn irgendwo anders das große Geld lockte, wenig Vertragstreue offenbarte. Dumm ist nur, wenn es der Verein ist, der keine Lust mehr zeigt.
Die nächsten Tagen werden zeigen, wo das eigentliche Problem zwischen Adam Szalai und seinem Arbeitgeber Mainz 05 liegt. Nur eines ist sicher: Grundlos stellt der Verein seinen 32-jährigen Mittelstürmer ein Jahr vor dem Vertragsende nicht kalt. Meistens fürchten sie den Wertverlust.
Mainz 05 bestätigt Boykott beim Training
Die Spieler ihrerseits wissen um ihren Marktwert und treten in vielen Fällen so auf. Sie wollen bei Laune gehalten werden. Darin liegt ja das eigentliche Geschick eines guten Trainers: dass er die Balance zwischen Anforderung und Wohlgefühl in der Mannschaft hält. Sonst ist er selbst bald weg.
Trotzdem schickte man jetzt Adam Szalai in die Verbannung und riskierte einen Aufstand im Team. Angeblich waren es sportliche Gründe, warum man die drastische Personalmaßnahme durchsetzte. Die Mitspieler wollen das nicht glauben und verweigerten Trainer Beierlorzer die Zusammenarbeit.
Der Spielerstreik beim Training ist ein unmissverständliches Signal: Mainz 05 ist in Schieflage. Mit ihrer Solidarität zu Szalai drücken die Mitspieler auch ihre eigene Sorge aus: Sie könnten die nächsten sein, die aufs Abstellgleis geraten. In der Not zeigen sogar Egoisten Empathie. Und eskalieren.
Das steckt hinter dem Mainzer Spieler-Streik (€)
In der Coronakrise schauen aber halt ein paar Vereine, die kein üppiges Festgeldkonto pflegen, etwas genauer hin, ob sie für ein durchschnittliches Spielergehalt von zwei Mio. Euro im Jahr den angemessenen Gegenwert oder zumindest Verständnis für die wirtschaftliche Lage erhalten.
Dieselben Spieler, die sich nun als Ware empfinden, sind dieselben, die über ihre Berater jeden Euro aus den Vereinen quetschen. Nein, nicht alle Spieler. Aber leider zu viele. Man braucht dazu nicht einmal einen geldgierigen Piranha, um für Verstimmung zu sorgen.
Der Fehler von Mainz 05 liegt darin, die eigene Position im Fall Szalai nicht nachvollziehbar dargestellt zu haben. Nicht nur die Öffentlichkeit will Aufklärung. Offenbar auch die Mannschaft. Sonst wäre es wohl kaum zu einem Streik gekommen. Nun sind alle Seiten beschädigt.
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