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Superheld Leon Goretzka: Gut, dass wir den haben!

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Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Seit Tagen treibt mich die Frage, ob der deutsche Profifußball wä
 

Fever Pit’ch

16. November · Ausgabe #459 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Seit Tagen treibt mich die Frage, ob der deutsche Profifußball während der neuesten Coronawelle pausieren sollte. Sehr viele Betriebe müssen beim Lockdown Light dichtmachen. Die Nationalmannschaft aber spielte, obwohl der Gegner Ukraine aktuelle Coronafälle meldete. Fever Pit'ch Leser kennen das schon: Wenn ich mir bei einer wichtigen gesellschaftlichen Frage unsicher bin, fragte ich die Gemeinde. Hier kann man bei meiner Umfrage auf Facebook per Klick abstimmen und seine Meinung hinterlassen. Danke!
Einen konsequenten Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Superheld Leon Goretzka: Gut, dass wir den haben!
Leon Goretzka hat die Nase vorne
Leon Goretzka hat die Nase vorne
Muss er gegen Spanien auf die Ersatzbank?
Von Alex Steudel
Ich gebe zu, dass mir der Fußballspieler Leon Goretzka mal suspekt war. Komische Karriere. Kindheit in Bochum, spielt dann auf Schalke, will dort eigentlich bleiben, und geht dann plötzlich doch zum großen FC Bayern? Ich habe schon viele talentierte Profis zu Bayern wechseln und scheitern sehen, dachte ich, der schafft das nie. Naiv, der Kerl.
Falsch gedacht. Ich finde Goretzka heute großartig. Oder wie Karl-Heinz Rummenigge sagen würde: Ich wurde vom Saulus zum Paulus.
Ich mochte Goretzka ja schon vor Samstag ganz gern, aber Samstag hat mir den Rest gegeben. Beim 3:1 gegen die Ukraine war er Ballbehaupter, Scherenschlagflankengeber und Passgigant. Zwei Tore hat er vorbereitet, bester Mann auf dem Platz.
Zugegeben, die Ukraine war ersatzgeschwächt und ist in der Weltrangliste Dreiundzwanzigster, eingekeilt zwischen USA und Peru.
Aber mach’ mal bei der EM so ein Spiel, und jeder Scheich dieser Welt gibt eine Tagesproduktion Erdöl, damit du in seinen Klub kommst.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Das Besondere an ihm ist: Wenn du den Fußballer Goretzka kaufst, kriegst du den Menschen Goretzka kostenlos dazu. Der Teil von ihm, den ich anfangs für brav oder naiv hielt, hat sich als bescheiden und bodenständig entpuppt. Er war zum Beispiel (mit Joshua Kimmich) einer der ersten, die für Coronaopfer viel Geld einsammelten. Und er gibt sehr gute Interviews. Das Natürliche geht dabei nie verloren.
Goretzka schaut über den Tellerand hinaus, an dem sich so viele andere Fußballer die Augäpfel prellen. “Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Da antwortet man auf die Frage nach der Nationalität mit Schalke, Dortmund oder Bochum”, sagte er mal zum Thema Rassismus.
Spätestens da ahnte ich, dass ich Goretzka unterschätzt haben könnte. Bochum, wo das Herz noch zählt, nicht das große Geld – als das Grönemeyer sang, hätte ich vielleicht besser hinhören sollen. Papa Goretzka arbeitete übrigens in Bochum bei Opel am Band.
Nie vergessen werde ich den Moment, als Leon Goretzka zum ersten Mal in seinem Leben vor Béla Réthy stand. Die ZDF-Legende beeindruckte ihn so sehr, dass er dessen Frage vergaß. “Ich war ehrlich gesagt ein bisschen abgelenkt von ihrer Stimme, weil ich die von den Länderspielen als kleiner Junge kenne”, erklärte sich Goretzka lächelnd. Geht’s eigentlich sympathischer?
"Eine bessere Ausgangslage gibt es nicht" "Eine bessere Ausgangslage gibt es nicht"
Inzwischen steht er für sein Alter ganz schön weit oben. Er ist Deutscher Meister, Pokalsieger und hat mit 25 die Champions League gewonnen. Goretzka spielt überragend, ob in der Mitte oder rechts, ob beim FC Bayern oder im Nationalteam.
Und dann diese Muskeln. Sie kamen über Nacht. Manche Menschen wurden ja in der Coronazeit depressiv, andere traurig, viele krank. Goretzka wurde Hulk. Zum ersten Mal bin ich mir bei einem Nationalspieler nicht sicher, ob ich lieber so gut wie er kicken oder seine Oberarme haben möchte.
Goretzka ist der Mann, der von unten kam, und der es uns zeigte. Eine Mischung aus Rocky Balboa und Hulk. Material für eine ganze Netflix-Serie.
Gut, dass wir den haben.
Oliver Bierhoff traut Hansi Flick Löw-Nachfolge zu Oliver Bierhoff traut Hansi Flick Löw-Nachfolge zu
Heute im Fernsehen
19.30 Uhr, SPORT1: News
Perspektivwechsel
Im Zweifel für den Infizierten Im Zweifel für den Infizierten
Von Thomas Häberlein
Ein kleiner Auszug aus den Meldungen mit dem Thema “Corona und Sport” von diesem Wochenende: Die norwegische Regierung stellt die Fußball-Nationalspieler des Landes unter Quarantäne - das Nations-League-Spiel gegen Rumänien fällt aus; Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB), schlägt vor, Klubs sollten doch zwei Teams zusammenstellen, um die Terminhatz bewältigen zu können; in Leipzig spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, obwohl beim Gegner Ukraine fünf Infizierte mit nach Deutschland gekommen sind.
Der Sport, in diesem Fall Verbände und Vereine, versucht mit aller Macht, den (Spiel)Betrieb aufrechtzuerhalten. Das ist selbstverständlich im Rahmen der gesetzlichen und behördlichen Vorgaben sein gutes Recht. Aber: Ergibt dies alles noch einen Sinn, wenn es scheinbar nur noch darum geht, ein immer größer werdendes Chaos zu organisieren? Zwei Mannschaften? Kann sich vermutlich jeder Klub leisten…
Vielleicht wäre es auch besser gewesen, das Spiel am Samstag in Leipzig abzusagen. Nicht auszudenken, wenn ukrainische Spieler das Virus nun doch weiterverbreitet haben - hinein auch in die Bundesliga. Die steht in dieser Pandemie dank ihrer Hygienekonzepte ja noch einigermaßen gut da. Doch wie lange noch? Länderspiele sind eine Einladung an den Erreger, sich grenzenlos zu verbreiten. In Europa. Weltweit.
Die Blase ist geplatzt
Die Nationalelf gewinnt, der Fußball verliert
Das Spiel in Leipzig wird auf jeden Fall Auswirkungen haben. Es schadet zunächst dem Ansehen des Sports, in diesem Fall des Fußballs, wenn er den Anschein erweckt, als ignoriere er die Gefahr, als könne er sich auf Sonderrechte berufen in einer Zeit, da die Regierenden hierzulande die Menschen auf harte Wochen und Monate vorbereiten. 
Die norwegische Regierung hat an diesem Wochenende dem Sport, in diesem Fall dem Profifußball, zu verstehen gegeben: Bei uns steht erst mal die Gesundheit aller über den wirtschaftlichen Interessen einer Minderheit. Derlei Entscheidungen sind zumindest verantwortungsbewusst - und wohl auch wirksam: Derzeit steht Norwegen beim Kampf gegen das Virus noch verhältnismäßig gut da.
Thomas Häberlein ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)
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