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Torwart-Zoff: Neuer muss gegen ter Stegen nachlegen

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Mein DPA-Kollege Holger Schmidt hat eine wundervolle Aufgabe: Als
 

Fever Pit’ch

18. September · Ausgabe #237 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Mein DPA-Kollege Holger Schmidt hat eine wundervolle Aufgabe: Als Jury-Vorsitzender in der Deutschen Akademie für Fußballkultur darf er jetzt jährlich die schönsten Fußballsprüche zusammentragen und zur Abstimmung geben. In seiner Auswahl finden sich fantastische Sätze.
Zum Beispiel die hier:
“Der Meteorit, der während der Mondfinsternis auf dem Mond eingeschlagen ist, hat wohl die Größe eines Fußballs gehabt. Wir können allerdings noch nicht abschließend bestätigen, dass es sich um den Elfmeter von Uli Hoeneß aus Belgrad gehandelt hat.”
Elf Stück hat er zusammen. Auf einer Gala am 25. Oktober wird der beste Spruch ausgezeichnet. Noch nicht qualifiziert: ein Spruch aus dem Torwart-Zoff, den sich Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen gerade liefern. Beim DFB ist man entspannt: Keiner zielte unter die Gürtellinie.
Und so soll’s auch bleiben. In der Champions League hat ter Stegen gestern Abend in Dortmund gezeigt, warum ihn so viele Fans im Tor der Nationalmannschaft sehen wollen. Neuer muss heute Abend gegen Roter Stern Belgrad nachlegen, um die Deutungshoheit nicht zu verlieren.
Ein Weltklasse-Zweikampf auf dem Rasen: Etwas Besseres kann Bundestrainer Joachim Löw nicht passieren. Und trotzdem freue ich mich als Journalist, ehrlich gesagt, über die Ehrlichkeit, die das Wortgefecht zwischen den beiden Torhütern liefert. Endlich mal kein Bla-Bla.
Einen spruchreifen Mittwoch wünscht
Euer Pit Gottschalk

Torwart-Zoff: Neuer muss gegen ter Stegen nachlegen
Manuel Neuer mit Marc-André ter Stegen. Foto: Imago Images / Sven Simon
Manuel Neuer mit Marc-André ter Stegen. Foto: Imago Images / Sven Simon
"Wir brauchen und wollen diesen Konkurrenzkampf"
Von Pit Gottschalk
Man wartet nur darauf, dass Manuel Neuer, der Kapitän des FC Bayern, heute Abend die Angriffe seines Torwartkollegen Marc-André ter Stegen kontert und nach dem Belgrad-Spiel in der Champions League ausfällig wird. Er hat alle Argumente auf seiner Seite. Seine Leistungen seit der WM-Blamage 2018 sind tadellos, er gewann hernach Meisterschaft und DFB-Pokal und steht seinem Bundestrainer Joachim Löw nicht im Wege, wenn die eigenen Mitspieler in der Nationalmannschaft aussortiert werden.
Das Problem, das Manuel Neuer hat, ist mit Fakten nicht zu beschreiben. Man muss es vielleicht so formulieren: die öffentliche Meinung. Seit ihn derselbe Löw unvorbereitet eine Weltmeisterschaft bestreiten ließ und die Vorrunde mit vier Gegentoren schief lief, obwohl sein Stellvertreter fit war und das Tor über Monate glänzend gehütet hatte, wankt seine Stellung als unumstrittene Nummer 1. Die Öffentlichkeit empfindet Ungerechtigkeit, dass ter Stegen keine Chance bekommen hat, die den Namen verdient.
Es mag ter Stegen helfen, dass ihm sein Arbeitgeber FC Barcelona einen Glamour verleiht, der ungenaue Betrachter über Details im Torwartspiel hinwegsehen lässt. Was weiß man schon von seinen Leistungen in Spanien? Wenn Fernsehbilder gezeigt werden, dann sicherlich Paraden und andere guten Szenen; eine überdurchschnittliche Fehlerquote wird man ihm nicht nachsagen können. Aber wie steht es um seine Raumverteidigung? Seine Spieleröffnungen? Seinen Einfluss auf die Mentalität im Messi-Team?
"Der direkte Weg ist der beste" "Der direkte Weg ist der beste"
Zugegeben, Superstar Lionel Messi hätte schon für einen Wechsel im Tor gesorgt, wenn er die notwendige Qualität bei ter Stegen vermisste. Das überraschende Halbfinal-Aus in der Champions League voriges Jahr, das spektakuläre 0:4 von Liverpool, war dem Torwart allein nicht anzulasten. Denn ter Stegen ist ein sehr guter Schlussmann. Aber besser als Neuer? Für einen Tausch liegen aktuell keine sachlichen Gründe vor, sondern allein der Wunsch, dass irgendetwas passieren muss. Stichwort: öffentliche Meinung.
Und die fühlt sich bestätigt, wenn ter Stegen wie gestern Abend in Dortmund einen Strafstoß gegen Marco Reus pariert und das 0:0 im Auftaktspiel der Champions League hält. Die Bild-Zeitung zählte fünf Paraden. “Grüße gehen raus an Neuer”, titelte die Fan-App “One Football”. Eine schöne Bestätigung für vollmundige Worte. Manuel Neuer muss heute gegen Roter Stern Belgrad ebenfalls Weltklasse halten, um dieses verbale Fernduell bei den Wohnzimmer-Experten nicht zu verlieren.
Marc-André ter Stegen drückt aufs Tempo, weil er die Nummer 1 werden will. Ihm läuft so langsam die Zeit davon. Er ist auch schon 27, nur sechs Jahre jünger als Neuer. Vielleicht kann er noch eine Weltmeisterschaft spielen (dann wäre 30), aber vermutlich keine zweite. Bevor die Nübel- Generation nachrückt, muss er jetzt und nicht irgendwann den Druck auf Neuer erhöhen. Das erklärt seine unvernebelte Kritik am Bundestrainer und dessen Torwart-Entscheidung. Ter Stegen spielt Alles oder Nichts.
Kevin Trapp gegen Bernd Leno - das Schatten-Duell Kevin Trapp gegen Bernd Leno - das Schatten-Duell
Neuer spürt das und macht auch als Kapitän keine Zugeständnisse. Er lässt Bundestrainer Löw keine Wahl: Er wird Sepp Maier noch diese Saison als Rekordtorhüter Sepp Maier (95 Länderspiele) ablösen und wahrscheinlich zum ersten Nationaltorwart mit mehr als 100 Länderspielen aufsteigen. Sein Weg führt geradeaus in die “Hall of Fame” des deutschen Fußballs. Von Ruhm und Zahlen dieser Größenordnung kann ter Stegen, Barcelona hin oder her, mit seinen 22 Länderspielen nur träumen. 
Er muss sich an den Gedanken gewöhnen: Im deutschen Fußball wird er eine Fußnote bleiben. Soll er deswegen das Duell mit Neuer aufgeben? Bitte nicht. Erstens sollte jede Turnierteilnahme als Nummer 1 Motivation und Auszeichnung genug sein. Zweitens treibt sein Ehrgeiz den Konkurrenten zu noch größeren Anstrengungen, den Platz im Tor zu verteidigen. Drittens geht es doch genau darum: dass die Nationalmannschaft auf allen Positionen, auch auf den exklusiven, besser wird. Löw wird trotzdem nicht nachgeben.
Denn wenn Manuel Neuer heute Abend zurückschießen sollte (was er nicht tut), dann nur, weil er, der Weltmeister von 2014 und siebenmalige Deutsche Meister, längst nicht satt ist. Solange sein Torwartspiel modern bleibt, sein Reflex wie zuletzt atemberaubend schnell, bringt er jene 20 Prozent Mehrwert auf den Rasen, um den Konkurrenten den FC Bayern beneiden. Anders als Marc-André ter Stegen steht Manuel Neuer beim deutschen Publikum jede Woche auf dem Prüfstand. Man nennt es: Bundesliga.
Weltklasse in Dortmund
Der Sieger heißt ter Stegen Der Sieger heißt ter Stegen
Der Torwart lässt Borussia Dortmund verzweifeln Der Torwart lässt Borussia Dortmund verzweifeln
Grüße gehen raus an Manuel Neuer Grüße gehen raus an Manuel Neuer
"Die Leute wissen, zu was ich fähig bin" "Die Leute wissen, zu was ich fähig bin"
Alexander Steudel
Die Klappe aufreißen kann er, der ter Stegen, aber den Reus-Elfmeter hält er erst im Nachfassen. #BVBBarca #FCBayern @Manuel_Neuer
10:26 PM - 17 Sep 2019
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Cristiano Ronaldo kann das alles
Von Alex Steudel
Wo ist Cristiano Ronaldo eigentlich, wenn man ihn mal braucht?
Er ist da.
Ich gebe zu, ich finde den Portugiesen trotz seiner Macken wirklich großartig. Das war nicht immer so, es war quasi Liebe auf den zweiten Blick. Früher fand ich CR7 so sympathisch wie einen Autofahrer, der seinen Achtzylinder-SUV auf dem Behindertenparktplatz abstellt, um einen Cappuccino trinken zu gehen. Außerdem hasste ich diese schreckliche Angeberei. Immer musste und muss Ronaldo jedem sagen, wie toll er ist. Wenn Oliver Kahn recht damit hat, dass Fußballer Eier haben sollten, dann ist Ronaldo Hühnerfarmbesitzer.
Dass sich meine Einstellung im Laufe der Zeit komplett gedreht hat, hat mit einer Kombination von Ronaldo-Erlebnissen zu tun. Erstens natürlich mit seinen Leistungen. Ob bei ManU, Real, Juve oder im Nationalteam: Je weiter er vorher seine Klappe aufriss, desto besser spielte er danach. Und zwar nicht manchmal oder oft, nein, immer. Ronaldo liefert immer ab, er kann gar nicht anders, er liebt sich selbst so sehr, dass er es einfach nicht übers Herz bringt, sich zu enttäuschen. 
Cristiano Ronaldo: Bescheiden, wie man ihn kennt. Screenshots: DAZN
Cristiano Ronaldo: Bescheiden, wie man ihn kennt. Screenshots: DAZN
In einer aktuellen Ronaldo-Mini-Serie (hoffentlich erfährt er nie, dass ich “Ronaldo” und “Mini” in ein Wort gepackt habe) feuert der Portugiese auf DAZN ein Bengalo an Eigenlob ab. Als ich das sah und hörte, musste ich so viel lachen, dass ich irgendwann beschloss zurückzuspulen, um alles festzuhalten; ich konnte dabei kaum so schnell auf den Auslöser drücken, wie er sich toll fand.
Das beste in solchen Momenten ist, dass du erst denkst: Boah, wie kann man nur so angeben? Und dann denkst du: Naja, aber es stimmt halt auch alles. 
In der Filmbiographie “Ronaldo” gibt es eine herrliche Szene: Er bringt seinen Sohn in Madrid zum Kindergarten, und die beiden werden vor der Tür von einem riesengroßen Mann angesprochen. Wie sich herausstellt, ist er Basketball-Profi bei Real. Sie reden kurz, und als der Hüne weggeht, sagt Ronaldo junior erstaunt: Papa, der ist ja viel größer als du! Und Ronaldo antwortet todernst: Ja, aber Papa ist stärker. 
Ich ging voriges Jahr ohne große Erwartungen in sein Fußballmuseum auf Madeira und war tief beeindruckt: Nie zuvor habe ich so viele Pokale und Ehrungen auf einem Haufen gesehen. Das Zeug füllt eine ganze Halle. Und es ist ja alles nur das Werk eines einzelnen Spielers.
Titel, Pokale, Ehrungen: Hier nur eine Ecke des Ronaldo-Museums Foto: Steudel
Titel, Pokale, Ehrungen: Hier nur eine Ecke des Ronaldo-Museums Foto: Steudel
In der Biographie sieht man noch eine andere Seite von Ronaldo, und die hat mich bewegt: Der Junge aus Madeira, der mit 12 von zu Hause weggeschickt wird, um aufs Fußball-Internat von Sporting Lissabon zu gehen. Wie einsam und traurig er da wirkt. Dann die einfachen Verhältnisse, aus denen er kommt, seine enge Bindung zur Mutter, der frühe Tod des alkoholkranken Vaters. Wenn du das gesehen hast, verstehst du, warum sich jemand irgendwann so einen Schutzpanzer zulegt.
Ronaldos Schutzpanzer besteht aus Eitelkeit und Angeberei, und das ist okay so, denn er liefert und liefert, und das sogar noch mit 34. Ronaldo war Europameister, Champions-League-Sieger, Weltfußballer, er war Meister in England, Spanien und Italien. Er hat in der Champions League 126 Tore geschossen. Bisher.
Ich bin mir übrigens ganz sicher, Ronaldo würde sogar den HSV zur Deutschen Meisterschaft führen. Und zwar noch diese Saison, ohne vorher aufzusteigen, direkt aus der 2. Liga heraus. Der kriegt das hin. Garantiert.
Alle mal herschauen!
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