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Trainer-Krise in der Bundesliga: Nur zwei sind unter 40

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! So ein Bundesliga-Tippspiel ist ein guter Gradmesser, wie verrück
 

Fever Pit’ch

25. November · Ausgabe #293 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
So ein Bundesliga-Tippspiel ist ein guter Gradmesser, wie verrückt die Liga gerade spielt. Nur vier Punkte holte ich am 12. Spieltag. Weder konnte ich das blamable Unentschieden von Borussia Dortmund gegen Aufsteiger SC Paderborn voraussagen noch die Heimniederlage von Eintracht Frankfurt gegen den VfL Wolfsburg, weder das tollkühne 2:0 von Union Berlin gegen den Tabellenführer Borussia Mönchengladbach noch die zwei Kantersiege der Krisenklubs Mainz 05 und FC Augsburg am Sonntag. Ein Tippspiel hat immer etwas von Lotterie. Diesmal hatte ich halt nur zwei Richtige: die Siege von Bayern München und RB Leipzig. Da kann man nichts machen.
Die Schwächephase von Borussia Dortmund dagegen war vorhersehbar. Geschäftsführer Aki Watzke sagte auf der Mitgliederversammlung gestern: “Auch wenn noch nicht jeder sein volles Potenzial abruft, haben wir einen Fehler gemacht: Wir hätten eine zweite 9 verpflichten sollen. Das haben wir falsch analysiert – aber mehr als das einzugestehen, können wir nicht machen.” Doch! Dass ein zweiter Mittelstürmer hinter Paco Alcacer fehlt, hätte er seit dem Sommer, genauer: seit dem 22. Juli wissen können. Damals stand hier zu lesen: “Watzke irrt gewaltig, wenn er wirklich meint, dass Borussia Dortmund keinen weiteren Mittelstürmer braucht.”
Seinen Trainer Lucien Favre erinnerte Watzke daran, dass gute Ergebnisse in seiner Verantwortung liegen: “Du hast weiter unser Vertrauen. Aber eines ist klar: Am Ende wird Fußball immer über Ergebnisse definiert.” Um eine “stabile Einheit” zu formen, gehöre jedoch Optimismus. Watzke wörtlich: “Schon Martin Luther hat einst gesagt: ,Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.‘“ Genau darum geht’s ja bei der Kritik an Favre ständig: dass er seinen Spielern ein riesiges Gepäck an taktischen Vorgaben auf den Rücken schnallt und Vorsicht zur Maxime erklärt. Schon am 2. September stand hier zu lesen: "Frust beim BVB: Als Hasenfuß wird man nicht Meister.”
Die Süddeutsche Zeitung kommt heute in ihrer Analyse zu dem Schluss, dass Borussia Dortmund die eigenen Handlungsoptionen ungeschickt reduziert hat. Wir erinnern uns: Sportdirektor Michael Zorc betonte immer wieder, dass man sich nicht mit Alternativen zu Lucien Favre beschäftigt. Auch das: ein Fehler. Wenn ein Verein tatsächlich kein Worst Case Szenario einkalkuliert und deshalb nicht vorbereitet ist, wenn alles den Bach runtergeht, ist das fahrlässig. Wo ist der Trainer, den man jetzt, zumindest übergangsweise, aus dem Hut zaubert? Ein Hansi Flick wie bei Bayern München? Mir fällt da nur einer ein: Matthias Sammer.
Aber was weiß ich schon! Bei diesen Tipp-Ergebnissen…
Einen flippigen Montag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Trainer-Krise in der Bundesliga: Nur zwei sind unter 40
Dem BVB fehlt einer wie Hansi Flick beim FC Bayern Dem BVB fehlt einer wie Hansi Flick beim FC Bayern
Von Pit Gottschalk
Von allen Trainern, die aktuell in der Bundesliga arbeiten, sind nur zwei länger als drei Jahre im Amt: Christian Streich beim SC Freiburg (sieben Jahre und fast elf Monate) und Friedhelm Funkel bei Fortuna Düsseldorf (drei Jahre und zehn Monate). 
Vom Rest darf sich glücklich schätzen, wer zwei Jahre geschafft hat, Steffen Baumgart beim SC Paderborn und Florian Kohfeldt bei Werder Bremen. Hinter ihnen liegt schon Lucien Favre - mit einem Jahr und vier Monaten bei Borussia Dortmund. Klingt das nicht verrückt?
Drei Trainer haben in dieser Saison bisher ihren Arbeitsplatz verloren. Ante Covic, erst seit dem Sommer Cheftrainer bei Hertha BSC, könnte der nächste sein, der gehen muss. Am Ende der Woche entscheidet sich dann auch das Schicksal von Lucien Favre.
Die offenbar immer kürzere Haltbarkeit von Bundesliga-Trainern wirft grundsätzliche Fragen auf. Zum Beispiel diese hier: Suchen die Vereine ihr Spitzenpersonal nicht gewissenhaft genug aus? Oder werden die Trainer nicht genügend ausgebildet?
37 und 32 Jahre alt: Florian Kohfeld (Werder Bremen) und Julian Nagelsmann (RB Leipzig) sind die zwei jüngsten Bundesliga-Trainer. Foto: Imago / Nordphoto
37 und 32 Jahre alt: Florian Kohfeld (Werder Bremen) und Julian Nagelsmann (RB Leipzig) sind die zwei jüngsten Bundesliga-Trainer. Foto: Imago / Nordphoto
Es ist schon auffällig, dass jeder zweite Bundesliga-Trainer nicht aus Deutschland stammt, obwohl Deutschland für sich als Fußballnation den Anspruch erhebt, eine führende Rolle im Weltfußball zu spielen. Jürgen Klopp in Liverpool ist der einzige deutsche Klubtrainer mit Weltruhm.
Offensichtlich bringen Trainer aus dem Ausland Fähigkeiten mit, die hierzulande nicht zu finden sind. Der Fachkräftemangel in Deutschland sollte ein Warnsignal sein: Nur Trainer mit Spitzenqualität formen Spieler mit Spitzenqualität.
Es ist nicht lange her, dass man die jungen Wilden in der Trainergilde gefeiert hat. Aktuell sind seit dem Tedesco-Abgang auf Schalke nur zwei unter 40 Jahre alt. Jeder zweite Bundesliga-Trainer ist schon über 50 Jahre. Man kann sagen: Erfahrung zählt. Aber auch: Innovation fehlt.
Genau darum blicken die Klubs ins benachbarte Ausland, wenn sie einen Trainer suchen. In solchen Momenten erst versteht man, warum Nationalelf-Direktor Oliver Bierhoff eine DFB-Akademie in Frankfurt wollte: Dort sollen die Fußballlehrer von morgen heranwachsen.
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Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
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Keine Kloppgeräusche mehr im BVB
Von Alex Steudel
Zur Mitgliederversammlung von Borussia Dortmund kamen gestern laut Bild.de ganz genau 767 Besucher. Das heißt, 99,5 Prozent aller Vereinsmitglieder sind zu Hause geblieben. Mich hat die Zahl 767 übrigens spontan an die Boeing 767 erinnert. Die ist ja ein sogenannter Tiefdecker und hat ihre besten Zeiten hinter sich, sie wird schon fast genau so lange nicht mehr gebaut, wie der BVB nichts Bedeutendes mehr gewonnen hat.
Manchmal habe ich in diesen Wochen tatsächlich das – nur von 45 Mailand-Minuten unterbrochene – Gefühl, dass sich der BVB gerade ebenso ein bisschen 767-entwickelt. Ich möchte manchmal die Chefs anschreien: Leute, jetzt macht doch mal endlich was!
Ich wundere mich über die lähmenden Auftritte der Spieler und der Bosse. Da ist nicht das Feuer früherer Zeiten, keine Entscheidungsfreude, eher Angst vor der Fehlentscheidung, und da ist auch null Überraschungsmomentbereitschaft, da ist nur noch Staatsmännisches und Lethargie und ständiges Verständnis füreinander, wahrscheinlich haben die sich alle bei Trainer Lucien Favre, den ich übrigens sehr sympathisch finde, angesteckt. Und jetzt kommt auch noch die krude Theorie dazu, dass die Dauerkrise an der Form der Spieler und am Fehlen eines Stürmers liegen könnte.
Ich musste gestern an die lustige Manuel-Neuer-Coca-Cola-Werbung aus 2014 denken. Wenn man die heute mit BVB-Boss Aki Watzke drehen würde, müsste der wahrscheinlich sagen: “Wenn du willst, kannst du alles haben. Wenn du willst, bin ich gar nicht der BVB, sondern Wick MediNait.” 
BVB-Boss Watzke macht Favre Druck
"Matthias Sammer ist für mich die 1A-Lösung"
Unterbrochen wird diese Lethargie im Klub ab und zu von kurzen, verstörenden Emotionsausbrüchen. Kapitän Marco Reus sagt dann so was wie “Scheiße”, und das war’s dann. Weiter im Programm.
Nein, das ist für mich nicht mehr der coole Klub, den ich kenne, da greifen gerade keine Rädchen ineinander, es ist ein bisschen, als würde Apple plötzlich Stofftiere verkaufen und von Annegret KK geführt.
Mal ehrlich, ist das für irgendwen noch der Champions-League-Sieger von 1997? Der Pokalsieger von 2017? Der Deutsche Meister von 2012, der den FC Bayern vollgasfußballtechnisch an der Nase durch den Ring führte?
Ist da noch ein Kloppgeräusch im BVB?
Ich frage mich, was wohl passieren würde, wenn die Bayern-Bosse den Klub für eine Woche übernehmen könnten. Das wäre ein lustiges Experiment. Vermutlich gäbe es einen monströsen Knall, und danach hätte die Hälfte der Leute im Verein so lustige Pflaster im Gesicht wie die Figuren in den Donald-Comics nach Unfällen, und kein Stein stünde mehr auf dem anderen, und sogar das Westfalenstadion hätte eine Abmahnung bekommen.
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