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VfB Stuttgart: Rassismus-Eklat oder Missverständnis?

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Der Präsidentschaftswahlkampf beim Zweitligisten VfB Stuttgart ge
 

Fever Pit’ch

29. November · Ausgabe #297 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Der Präsidentschaftswahlkampf beim Zweitligisten VfB Stuttgart geht in die entscheidende Phase. Von einem guten Dutzend Anwärtern sind noch zwei Kandidaten übrig geblieben, die am 15. Dezember das Votum der Mitgliederversammlung gewinnen wollen: der Facility-Manager Claus Vogt (50) sowie Christian Riethmüller (45), Chef einer Buchhandelskette.
Das Amt des VfB-Präsidenten verspricht maximales Prestige in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. Mit der Ernennung zum Oberhaupt des schwäbischen Traditionsvereins sitzt man über Nacht bei Großkonzernen wie Daimler (Mercedes-Benz) am Tisch oder darf mit dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann über Fußball plaudern.
Der VfB-Präsident repräsentiert einen Verein, der mit Recht stolz auf seine Nachwuchsarbeit, die Förster-Brüder oder das Magische Dreieck verweist. Beim VfB Stuttgart hat Joachim Löw seinen ersten Titel geholt, hier reifte Jürgen Klinsmann zum Fanliebling. Vereinsboss Gerhard Mayer-Vorfelder stieg seinerzeit sogar zum Taktgeber des deutschen Fußballs auf.
Eine besondere formale Qualifikation verlangt ein solches Amt im Verein grundsätzlich nicht. Wenn ein Klub Glück hat, einigen sich die Mitglieder auf einen geeigneten Präsidenten, der Mehrheiten und Führungsqualitäten gleichermaßen auf sich vereint. Läuft es schlecht, stürzt der Verein ins Chaos. Wie unter dem bisherigen Amtsinhaber beim VfB, Wolfgang Dietrich.
In den guten Profivereinen passt man deshalb auf, wen man an die Spitze lässt. Beim VfB Stuttgart übt der Mitglieder-Ausschuss diese Kontrolle aus. In diesem offiziellen Gremium haben sich die zwei Kandidaten am 19. November (in den Stunden vor dem Nordirland-Länderspiel) vorgestellt und ihren Werdegang geschildert.
Bei seiner Vorstellung soll Christian Riethmüller einen Satz gesagt haben, von dem Ausschussmitglieder behaupten, er sei, wenn nicht rassistisch, dann doch diskriminierend gegen Türken ausgefallen. Vielleicht war der Satz, wie Riethmüller mir am Telefon versichert hat, wirklich nicht böse gemeint. Aber: Wie missverständlich darf sich ein zukünftiger Klub-Chef äußern?
Darum geht’s im Aufmacher von Fever Pit’ch heute.
Einen eindeutigen Freitag wünscht
Euer Pit Gottschalk

VfB Stuttgart: Rassismus-Eklat oder Missverständnis?
Christian Riethmüller selbst erklärend
Christian Riethmüller selbst erklärend
"Der Verein muss sich gesellschaftspolitisch äußern"
Von Pit Gottschalk
Noch am Donnerstagmorgen hatte Christian Riethmüller im Kicker klare Kante gezeigt und sich als Präsidentschaftskandidat beim VfB Stuttgart unmissverständlich gegen die AfD positioniert. Das Zitat: “Die Privatperson Christian Riethmüller sagt ganz klar: Ich sehe die Partei extrem kritisch. Der Präsident und der Verein sollten sich so nicht zu einzelnen Parteien äußern. Aber der VfB muss gesellschaftspolitisch sagen: Wir sind zum Beispiel gegen Rassismus, gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung.”
Im Laufe des Donnerstags erfuhr Fever Pit'ch von Gerüchten, die Zweifel an seiner politischen Haltung nährten. Es ging um einen Satz in der Sitzung des Mitglieder-Ausschusses vorige Woche Dienstag. Als sich Riethmüller wie sein Gegenkandidat Claus Vogt dem 18-köpfigen Gremium vorstellte, erwähnte er auch seine berufliche Station bei Aldi Süd 1999 bis 2002. Damals sei es wie jetzt beim VfB Stuttgart ebenfalls um einen Umbruch gegangen. Aldi habe ein bestimmtes Image gehabt: Bei Aldi gingen ja, so wörtlich überliefert, “immer nur die Türken einkaufen”. Der Satz hallte nach.
An dieser Stelle gehen bei den Sitzungsteilnehmern die Interpretationen der Äußerung auseinander. Die einen sagen: Alles harmlos - kein einziges Ausschussmitglied habe seine Empörung geäußert. Andere halten dagegen: Die Empörung habe sich in den folgenden Stunden entfaltet und zu äußerst aufgeregten Telefongesprächen geführt. Die Leitfrage sei gewesen: Darf sich ein Präsidentschaftskandidat so äußern? Was die Situation noch heikler machte: Dem Ausschuss gehört der sehr geschätzte Projektmanager Murat Altuntas an, ein Deutscher mit türkischem Migrationshintergrund.
“Ich weiß nicht, wem das helfen soll, mir Diskriminierung vorzuwerfen!”, sagte Christian Riethmüller bedauernd, als ihn Fever Pit’ch gestern mit dem Vorwurf konfrontierte. “Es mag Menschen geben, die versuchen, mir mit jedem Zitat das Wort im Mund zu verdrehen. Das ändert aber nichts an meiner Haltung für eine offene und vielfältige Gesellschaft.” Er versichert in seiner Stellungnahme: “Wer mich kennt und mit mir zusammenarbeitet, weiß genau, dass ich für eine diverse Gesellschaft stehe. Diese müssen wir auch beim VfB noch besser abbilden.”
Erinnerungen an den Fall Tönnies
Der Fall erinnert sehr an Clemens Tönnies auf Schalke. Im Sommer hatte der Aufsichtsratsvorsitzende eine missratene Rede auf dem Handwerker-Tag in Paderborn gehalten. Nach seinem öffentlichen Vorschlag, die Bevölkerungsentwicklung in Afrika mithilfe von Kraftwerken einzudämmen, flogen ihm Rassismus-Vorwürfe um die Ohren, die zu einer dreimonatigen Zwangspause beim FC Schalke 04 führten. Seine rassistische Äußerung verstieß gegen den Wertekanon des S04 und provozierte einen Eklat.
Beim VfB Stuttgart liegt der Fall anders. Der Verein hält den Eklat bewusst unter Verschluss. Nicht mal Riethmüllers Gegenkandidat will Stellung beziehen: “Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich nicht dazu äußere”, sagte Claus Vogt gestern. Der betroffene Murat Altuntas räumt gegenüber Fever Pit'ch zwar ein, dass “der Satz unglücklich formuliert” war. Er habe sich aber mit Riethmüller getroffen und die Sache ausgeräumt: “Ich bin VfB-Fan durch und durch. Mir ist nicht wichtig, was war, sondern was er als Präsidentschaftskandidat mit dem VfB Stuttgart in Zukunft vorhat.”
So bleibt die Frage ungeklärt, aus welchem Holz der oberste Repräsentant eines Bundesliga-Vereins geschnitzt sein muss. Darf er mit seiner Wortwahl überhaupt in eine Situation geraten, dass man ihm eine rassistische Äußerung unterstellen kann? Es ist wie bei Tönnies: Das Internet-Zeitalter lässt kaum Differenzierung zu. Das Glück des VfB bestand darin, dass die umstrittene Äußerung in einer nicht-öffentlichen Sitzung fiel - und nicht gegen Vereinswerte verstieß. Im eigenen VfB-Leitbild geht’s nämlich um Tradition, Leistungswillen, Unternehmertum - aber nicht gegen Rassismus. 
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Jadon Sancho im Reich der Sorgenfalten
Von Alex Steudel
Jadon Sancho ist ein bisschen unzuverlässig, wahrscheinlich schläft er gern mal länger. Er wirkt manchmal etwas miesepetrig und stapft dann lustlos durch die Gegend. Meistens kommt er aber sehr sympathisch rüber. 
Anders ausgedrückt: Er ist ein ganz normaler 19-Jähriger Teenager. 
Das heißt, er wäre es, würde er nicht das BVB-Trikot mit der “7” tragen und 100 Millionen Euro wert sein. Wenn du als Fußballspieler 100 Millionen wert bist, ist nichts mehr normal. Dann interessiert es keine Sau, ob du gerade noch Comics gelesen und Pickel ausgedrückt hast. 100 Millionen katapultieren dich mit Lichtgeschwindigkeit ins Reich der Sorgenfalten.
Neuer BVB-Ärger mit Jadon Sancho
Du musst schlagartig jederzeit zu 1000 Prozent da sein. Du kommst gefälligst nicht zu spät zum Essen, du verschläfst nicht. Weckt man dich nachts um drei, entscheidest du notfalls ein WM-Finale. Du bist eine 19 Jahre alte Kampfmaschine. Sonst gibt’s Probleme.
In Dortmund brennt gerade die Hütte, weil Jadon Sancho ein bisschen zu 19-jährig ist. Die ganze Fußballwelt leckt sich die Finger nach dem Engländer. Und er kommt trotzdem zu spät zur Besprechung? Skandal! Dortmund verliert in Barcelona, und der junge Herr kann nicht mal das verhindern? Geht gar nicht!
Wie geht man damit um? Natürlich weiß keiner so genau, aus welcher Richtung die Gefahr kommt. Hat Jadon Sancho vielleicht Berater, die ihm Flausen in den Kopf gesetzt haben? Kommt er zu spät zum Training, weil er zu lange von sich selbst im Barca-Trikot geträumt hat? Will er die Grenzen des Erlaubten ausloten? Oder ist er einfach nur ein bisschen schludrig?
Marco Reus auf Tauchstation
Natürlich hält es kein Profikader dauerhaft aus, wenn sich nicht alle Spieler an die Regeln halten. Andererseits: Vielleicht sollte jeder mal kurz darüber nachdenken, was er/sie mit 19 so getrieben hat. Ich zum Beispiel habe gern bis mittags geschlafen, ein sehr mittelmäßiges Abi fabriziert, und ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie es mit mir weitergeht. 
Und das war total okay, ich war ja erst 19. Mein Porsche hing als Poster an der Wand, und meine Ablösesumme stand, glaube ich, bei Zweifünfzig. Ohne Mehrwertsteuer.
Alle mal herschauen!
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