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Wegen Corona: Bundesliga droht eine Pleitewelle

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Zwei wichtige Entscheidungen werden, wenn die handelnden Personen
 

Fever Pit’ch

16. März · Ausgabe #363 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Zwei wichtige Entscheidungen werden, wenn die handelnden Personen bei Verstand sind, diese Woche zum Thema Corona-Virus fallen. Die Bundesliga dehnt ihre Zwangspause aus, und die Uefa verschiebt ihre Europameisterschaft. Ausdrücklich möchte ich sagen: Niemand weiß, wie es weitergeht. Vermutlich hat Uli Hoeneß recht. Er sagte im Sport1 Doppelpass gestern: Wir alle sollten das öffentliche Leben auf Null zurückfahren und der Gesundheit zuliebe nicht daran denken, wann der Fußball auf die große Bühne zurückkehrt.
Eine blendende Woche wünscht
Euer Pit Gottschalk

Die Situation (nicht nur) im deutschen Fußball spitzt sich zu. Weitere Spielausfälle werden manche Klubs nicht verkraften. Foto: Imago
Die Situation (nicht nur) im deutschen Fußball spitzt sich zu. Weitere Spielausfälle werden manche Klubs nicht verkraften. Foto: Imago
Wegen Corona: Bundesliga droht eine Pleitewelle
Von Pit Gottschalk
Die Spielabsagen im Zuge der Coronakrise bringen die Profi-Klubs in eine finanzielle wie existenzielle Schieflage. Hinter den Kulissen kracht’s.
Freitagmorgen wollte die Bundesliga-Führung noch retten, was nicht mehr zu retten war. Der Plan: Den 26. Spieltag übers Wochenende irgendwie über die Runden bringen und dann auf der Mitgliederversammlung schauen, wie es weitergeht. Freitagnachmittag war dieser Plan zerstört.
Corona-Verdacht bei Steffen Baumgart, dem Trainer des SC Paderborn. Die Mannschaft des 1. FC Nürnberg komplett in Quarantäne. Alle Klubs, die zuletzt Gegner waren: unter Generalverdacht. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) konnte nicht anders: Alle Spiele abgesagt!
Doch jetzt geht der Streit erst richtig los. Heute Mittag treffen sich die 36 Vereine der ersten und zweiten Liga zur Krisensitzung im Sheraton-Hotel am Frankfurter Flughafen. Der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung: das Finanzielle - der Streit um die 700 Millionen Euro, die jetzt fehlen.
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“Es hat schon richtig geknallt”, verriet ein Insider. Man rechnet mit dem Schlimmsten. Wenn die restlichen acht Spieltage ausfallen, geht’s ans Eingemachte: Zur Disposition stehen: 330 Millionen Euro aus TV-Vermarktung, 240 Millionen Euro aus Sponsoring, 130 Millionen Euro aus Stadion-Einnahmen.
Dass der 26. Spieltag überhaupt stattfinden sollte, hatte nur den einen Sinn: ein Achtel von diesem Geld zu retten - rund 90 Millionen Euro. “Am Ende des Tages”, so Bayern-Boss Rummenigge, “geht’s im Profifußball um Finanzen.” Und für manchen Klub jetzt um die Existenz.
Die DFL will zwar beim anstehenden Lizensierungsverfahren notfalls ein Auge zudrücken. Aber das staatliche Insolvenzrecht lässt keinen Spielraum, Pleite ist Pleite. Jeder vierte DFL-Klub steht zurzeit auf der Kippe. Nach interner Einschätzung damit neun oder zehn Klubs.
Abbruch? Annullierung? Szenarien, Probleme
Wie wär's mit eine Gehaltsspende, Thiago? (€)
Schlimmer noch: Man rechnet damit, dass der Transfermarkt einbricht. Kein Spieler mit einem langfristigen Vertrag wird zu einem Verein wechseln, der weniger Gehalt zahlen kann. Ablösesummen sind aber nicht selten die Haupteinnahmequellen von kleinen Vereinen.
Heute wollen diese Vereine eine Lösung sehen. Zum Beispiel einen Ausgleichsfonds, wie ihn der ehemalige DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig bei SPORT1 vorgeschlagen hat. Eine Art Solidaritätsbeitrag. Da will nicht jeder Konkurrent mitmachen.
Eigentlich haben die meisten Klubs keine Wahl: Die Saison muss, um den Schaden zu begrenzen, irgendwie weiterlaufen. Notfalls als Geisterspiel ohne Zuschauer, damit kein TV-Sender und kein Sponsor einen Anlass findet, Zahlungen zurückzuhalten.
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Aber die Spieler meutern. “Fußballer werden in dieser Situation wie Affen im Zirkus behandelt”, schimpfte Rafal Gikiewicz, Torwart von Union Berlin. Bayern-Star Thiago wiederum meinte: “Wenn wir ehrlich sind, gibt es wichtigere Prioritäten.” Aber wie lange kann man aussetzen?
Selbst wenn die Europameisterschaft (ab 12. Juni) von der UEFA abgesagt wird, damit Europas Top-Ligen ihre Saison über den Mai hinaus fortsetzen können, drängt im Sommer die Zeit. Allein in der Bundesliga laufen am 30. Juni exakt 72 Spielerverträge aus, in der 2. Liga sogar 138 – spielen dürfen die im Juli nicht mehr.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Von Alex Steudel
Aus alter Gewohnheit habe ich am Samstag um 15.30 Uhr den Fernseher eingeschaltet, und es kam natürlich kein 26. Spieltag. Das war niederschmetternd; auch, weil ich genau in diesem Moment festgestellt habe, dass die Inkubationszeit von Langeweile nur wenige Sekunden beträgt. Angeblich wird jetzt wochen-, womöglich sogar monatelang nicht Fußball gespielt. Wie ich das durchhalten soll, ist mir ein Rätsel.
Ich habe dann so viele Artikel über Fortführungsmöglichkeiten des Spielbetriebs gelesen, dass ich sie hier gar nicht zusammenfassen kann. Für den weiteren Saisonverlauf gibt es inzwischen fast so viele Szenarien wie bei einem Eckball des HSV.
Ich setzte mich um 17 Uhr an meinem Schreibtisch und spielte die Möglichkeiten der Saison-Fortsetzung selber durch. Das Ergebnis stelle ich übrigens hiermit der Deutschen Fußball-Liga, die ja heute tagt, kostenlos zur Verfügung: fünfwöchige Vorsommerpause ab jetzt bis 20. April, Trainingsstart am 21. April, Ligastart am 1. Mai mit englischen Wochen bis Ende Mai. Und so wie die Tabelle am 31. Mai aussieht, so geht’s eben aus. Champions und Europa League werden ebenfalls im Mai in Einzel-k.o.-Spielen unter der Woche an neutralen Orten, der DFB-Pokal als Final Four im Herbst ausgetragen. Und am 12. Juni startet natürlich die EM. Kann ja wohl nicht so schwer sein.
Diese Gedankenspiele retteten mich in den Abend. Später beim Vietnamesen schaute ich aus Versehen zweimal aufs Handy: Wie steht’s wohl bei Union gegen Bayern? Antwort: Es stand null-zu-null, und zwar für immer. Das tat weh. Meine Freundin fragte: Wie lange ist jetzt kein Fußball? Ich antwortete: Kann Wochen dauern. Sie lächelte. Ich bestellte noch drei Rotwein.
Einsam winkt das Phrasenschwein Einsam winkt das Phrasenschwein
Man sollte beim Bewerten der Situation vielleicht berücksichtigen, dass es Gewinner gibt. Also Menschen, die nicht so viel von Fußball halten, und für die das, was Fußball-Fans jetzt gerade durchmachen, ansonsten Alltag ist. Ist mir aber egal. Denn mir ist langweilig.
Am Sonntag sagte jemand im Sport1-Doppelpass, der wegen Corona live vor keinem Studiopublikum ausgetragen wurde, es sei möglich, dass wir erst im Oktober wieder Fußball spielen. Dann hustete Jubiläums-Co-Moderator Rudi Brückner kurz, und alle Studiogäste erstarrten vor Schreck. Ich dachte: Dem Brückner passiert nichts, aber Oktober? Das darf nicht wahr sein, für soviel Pessimismus habe ich kein Verständnis.
Es ist auch gar nicht praktikabel: Wenn wir jetzt alle versuchen, bis Herbst Monopoly oder Mensch-Ärgere-Dich-Nicht zu spielen, was ja Uli Hoeneß im Doppelpass angeregt hat, werden spätestens im August die Würfel knapp.
Nein, ich halte mich mit solchen Gedankenspielen nicht auf, für mich geht’s, Stand jetzt, auf jeden Fall im Mai weiter. Siehe oben. Wie heißt es so schön im Fußball? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
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