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Wegen Zahnpasta: Heiko Herrlich verpatzt Corona-Debüt

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! In den wenigen Stunden bis zum Re-Start der Bundesliga-Saison 201
 

Fever Pit’ch

15. Mai · Ausgabe #372 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
In den wenigen Stunden bis zum Re-Start der Bundesliga-Saison 2019/20 werden genügend Kommentare erscheinen, die den Beschluss der Klubs zur Fortführung des Profifußballs abermals grundsätzlich infrage stellen. Man muss die Argumente ernst nehmen. Aber nicht überbewerten.
Für alle Fußballliebhaber, die ihren Beziehungsstatus als “es ist kompliziert” bewerten, hat Peter Turi zur Coronakrise ein Poesie-Album veröffentlicht. Der Gründer und Verleger des Branchendienstes Turi2 sammelte auf fast 200 Seiten alle Arten von Liebeserklärungen an den Fußball.
Und das Gute daran: Fever Pit'ch Leser können kostenlos in seinem Werk schmökern und sich bis zum Anpfiff am Samstag um halb vier erinnern, welche Rolle Fußball in ihrem Leben spielt. Ich will’s nicht so spannend machen, hier ist der Link - gerne klicken.
Ich selbst tauche in der Edition übrigens auch auf, genauer: auf Seite 92. In einem Doppel-Interview diskutiere ich mit Anna Kraft über die Lage, in die sich der Sportjournalismus manövriert hat. Eigentlich wollten wir uns in München persönlich austauschen. In Corona-Zeiten ging’s nur schriftlich.
Ein abenteuerlustiges Wochenende wünscht
Euer Pit Gottschalk
In eigener Sache
Sonntagmorgen sitze ich erstmals wieder im Check24 Doppelpass. Die Runde bei den Moderatoren Thomas Helmer und Laura Papendick ist prominent besetzt: Neben Ministerpräsident Markus Söder wird auch der Bayern-Präsident Herbert Hainer zu Gast sein, dazu Weltmeister Roman Weidenfeller und Dennis Aogo. Los geht’s um 11 Uhr auf SPORT1.

Wegen Zahnpasta: Herrlich verpatzt Corona-Debüt
Heiko Herrlich mit Sportchef Stefan Reuter
Heiko Herrlich mit Sportchef Stefan Reuter
Der Trainer des FC Augsburg plaudert eigenes Fehlverhalten aus
Von Pit Gottschalk
Heiko Herrlich hat wochenlang auf dieses Wochenende gewartet und hingearbeitet. Er wollte endlich sein Trainer-Debüt beim FC Augsburg feiern und seinem neuen Sportchef Stefan Reuter mit drei Punkten gegen den VfL Wolfsburg beweisen, dass er die richtige Wahl gewesen ist.
Nun wird Heiko Herrlich am Samstag nicht auf der Trainerbank sitzen und seine Quarantäne, wo auch immer sie sein wird, nicht verlassen dürfen. Er ist Opfer seiner eigenen Ehrlichkeit geworden. Ohne Hintergedanken hat er auf der Pressekonferenz ausgeplaudert, dass er gegen Auflagen verstoßen hat.
Mal eben Zahnpasta und Handcreme wollte er holen, als er verstohlen das Mannschaftsquartier verließ und zum Supermarkt um die Ecke eilte. Er ging vom Zimmer runter und wieder zurück, weil er seine Maske vergessen hatte, lieferte sich einen Plausch mit der Kassiererin, kaufte ein und kehrte zurück.
Heiko Herrlich bereut seine Einkaufstour
Nichts beschreibt die Anfälligkeit des verordneten Spielsystems typischer als diese Anekdote. Heiko Herrlich musste nicht enttarnt werden wie wenige Tage zuvor der Herthaner Kalou bei seinem Facebook-Video. Der Neue in Augsburg folgte einem nachvollziehbaren Trieb und dachte sich nichts dabei.
Sonst hätte er die Geschichte wohl kaum freimütig erzählt. Was aber nutzen die Vorschriften und guten Worte, wenn sogar das Führungspersonal der Liga die Regeln unterschätzt, umgeht und am Ende missachtet? Heiko Herrlich ist kein Dummer. Er hätte früher wissen müssen, was er da anstellt.
So wird es vielen Akteuren in der Bundesliga gehen. Man wird von einigen Vorfällen hören, die bestenfalls zum Schmunzeln reizen, schlimmstenfalls zum Wutausbruch, dass die Grenzen des Miteinanders nicht eingehalten werden. Taugt das Hygienekonzept der Bundesliga deshalb nicht?
"...das Toreschießen dann gleich verbieten"
Man kann den Sachverhalt mit dem Straßenverkehr vergleichen. Jeder weiß, dass ein Autofahrer jederzeit eine Rote Ampel überfahren und für die Fußgänger zu einer tödlichen Gefahr werden kann. Soll man deswegen den Straßenverkehr grundsätzlich verbieten? Konsequent wäre es wohl.
Das Hygienekonzept stellt für die Bundesliga Regeln auf, um die Gefahr einer Ansteckung allenfalls zu minimieren. Beseitigen kann die gute Absicht das Risiko nicht. Die Frage ist eher: Wie groß ist das Restrisiko? Der Theorie folgt am Samstag der Praxistest.
Und eines muss klar sein: So wenig wie die Polizei jeden schnappt, der bei Rot über die Ampel fährt, wird nicht jeder Übeltäter überführt. Im Moment können wir über den törichten Heiko Herrlich lachen. Aber wehe, er bleibt kein Einzelfall. Zahnpasta und Handcreme reichen nicht mehr als Ausrede.
Günter Klein
Lieber Heiko Herrlich,
ich habe ein Bild von Ihnen als Spieler. Sie waren verträumt wie Ihre Locken. Ihr Gesicht ist nun kantig, doch Sie sind kein Trainer. Ein Trainer cremt sich nicht ein, seine Hände brauchen Schwielen. Nur Schwielen können befehlen.
Herzlichst, F-J. Wagner
Bundesliga im Fernsehen
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Deutscher Fußball - endlich Vorreiter!
Warum es die Bundesliga verdient hat Warum es die Bundesliga verdient hat
Von Alex Steudel
Man sagt ja über die Deutschen, dass sie besonders brav, fleißig und ordentlich sind und das Altbewährte lieben. Das kann natürlich auch Nachteile mit sich bringen. Ich will gar nicht mit Geschichte anfangen, denn das hier ist eine Fußballkolumne. Also: Das Altbewährte lieben. Im Fußball mussten wir in der Vergangenheit oft von der aktuellen Entwicklung erst so richtig überrollt werden, ehe sich etwas änderte.
Wir haben zum Beispiel den Libero so lange brav und fleißig eingesetzt, bis es furchtbar was auf die Mütze gab. Auch die moderne Raumdeckung war lange Zeit geächtet in Deutschland. Ein Bundesliga-Trainer sagte Anfang der Neunziger Jahre mal den großen Satz zu mir: “Herr Steudel, den Raum muss man nicht decken, der schießt nämlich keine Tore.”
Warum hätten wir auch den Raum decken sollen, wir waren ja Weltmeister. Als in anderen Ländern Fußball-Mannschaften im Training schon auf kleinen Vierecken Taktik trainierten, machten wir noch Klappmesser zum Aufwärmen. Moderne Trainingsformen? Brachte Trainer Klinsmann. Aber erst 2004, als alles den Bach runterging. Wann fing der FC Bayern an, taktisch auf einem Level mit den internationalen Topklubs zu spielen? Erst 2009, unter Trainer van Gaal. Tempofußball? Spielten andere zuerst. Ach ja, und als Frankreich schon Fußball-Internate hatte, hatten wir noch Erich Ribbeck und eben jenen Libero, das Sinnbild für Rückstand.
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at
Okay, ich übertreibe etwas. Was ich sagen will: Der deutsche Fußball musste oft erst hart geweckt werden, um dann den überfälligen Schritt nach vorn zu machen. Der Schritt wurde jedes Mal sehr groß, weil Deutsche ja sehr genau und fleißig sind. So gewannen wir Titel. Aber den ersten Schritt haben wir nie gemacht. Das ist jetzt ein bisschen anders. Wie der deutsche Fußball die weltweite Corona-Krise angeht, das hat nichts mehr mit Hinterherhecheln zu tun. Wir machen es einfach saugut, also den Umständen entsprechend. Und wir sind jetzt mal ganz vorn in der Entwicklung. Speerspitze und so.
Die Welt schaut am Wochenende auf uns, weil hier alle einigermaßen an einem Strang ziehen und den Re-Start möglich machen. Sogar die Fußballprofis selbst fallen nicht weiter negativ auf (mit Ausnahmen, zugegeben). Sie verzichten auf Gehalt, und sie essen weniger Goldsteaks. Sie werden wahrscheinlich nicht mal auf den Rasen spucken.
Die Bundesliga ist plötzlich Vorbild. Weltweit. Das ist super. Mensch, sogar der spanische Weltmeister Sergio Ramos, der schon im Kindergarten Raumdeckung spielte und modern trainierte, der nicht die geringste Ahnung hat, was ein Libero ist, und deutschen Fußball bestimmt hasst wie die Pest, findet uns plötzlich vorbildlich. Er hat es genau so gesagt!
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