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Welche BVB-Mentalität offenbart das Werder-Spiel?

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28. September · Ausgabe #246 · Im Browser ansehen
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Welche BVB-Mentalität offenbart das Werder-Spiel?
Mentalitätsmonster brauchen kein Viagra-Omelett Mentalitätsmonster brauchen kein Viagra-Omelett
Von Pit Gottschalk
Als Uli Hoeneß kürzlich seinen Torwart Manuel Neuer infrage gestellt sah, bellte der Bayern-Präsident in einer Verbissenheit durch die Gegend, dass die einen zwar peinlich berührt waren. Die anderen aber sagten: Für seine Leute legt er sich sensationell ins Zeug. Seitdem hört man nichts mehr vom Neuer-Konkurrenten Marc-André ter Stegen.
Deshalb wurde es bei Borussia Dortmund etwas unruhig hinter den Kulissen, als Marco Reus nach seinem TV-Ärger mit Sky-Reporter Ecki Heuser zunächst keine öffentliche Unterstützung erfuhr. Niemand nahm ihn zwei Tage lang in Schutz, dass er Fragen zur Mentalität im Team fäkal beantwortet hatte. Scheiße, Kacke - Reus geriet unter Druck.
Bild wollte ihm sogar die Befähigung zum Kapitänsamt absprechen. Erst am Dienstag ließ sich BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zuerst hier bei Fever Pit’ch mit den Worten zitieren, dass jede Zweifel an Reus unangebracht sind: “Marco steht als Kapitän überhaupt nicht zur Diskussion, nullkommanull.” Donnerstag wiederholte der Kicker seine Worte.
Inzwischen überschlägt sich das übrige Führungspersonal mit Treuebekenntnissen. “Wir haben ganz klare Kante. Marco ist Kapitän und bleibt Kapitän”, sagte Sportdirektor Michael Zorc. “Es gibt überhaupt keinen Grund, etwas daran zu ändern.” Trainer Lucien Favre legte nach: “Er macht seinen Job sehr, sehr gut.”
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Dass man einer Nichtigkeit überhaupt diese Aufmerksamkeit schenkt, verrät die Nervosität, die den Vizemeister seit dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt heimsucht. Heute will Michael Zorc nichts mehr davon wissen, dass er selbst bei seiner Mannschaft Biss und Siegeswillen, also Mentalität, vermisst hat: “So spielt keine Spitzenmannschaft”, hatte er nach Abpfiff gesagt.
So verlor Borussia Dortmund in der noch jungen Bundesliga-Saison unnötig fünf Punkte im Titelrennen; drei bei der Niederlage in Berlin und zwei in Frankfurt. Das nächste Spiel ist zwar ein Heimspiel, aber der Gegner Werder Bremen weckt die düstere Erinnerung daran, wie wackelig Dortmund in scheinbar einfachen Spielen agiert. Die Partie ist wegweisend.
Da ist nicht nur die Pokalniederlage voriges Jahr, als Werder Bremen die Schwarz-Gelben ausgerechnet im Signal Iduna Park aus allen Träumen riss. Mindestens genauso prägend war der leichtfertige Punktverlust im entscheidenden Moment am 32. Spieltag. Das 2:2 im Weserstadion offenbarte die zwei Gesichter des BVB.
Zur Halbzeit führte Borussia Dortmund mit 2:0. Dann ließ Torwart Roman Bürki den Ball durch die Beine flutschen und verdaddelte Manuel Akanji den Ball an der Torauslinie. Man kann die Anfälligkeit ein Mentalitätsproblem nennen oder eine Unkonzentriertheit - beides macht die Sache nicht besser. Titelreife sieht anders aus.
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Damit kommt Marco Reus zurück ins Spiel. Als Kapitän ist er der verlängerte Arm des Trainers, eine Art Botschafter auf dem Rasen. Sein Feingefühl am Ball ist so unumstritten wie seine Schusstechnik. Wie kann es jedoch sein, dass er einfachste Bälle nicht über die Torlinie bugsiert? Muss ein Kapitän nicht Nervenstärke beweisen?
Der Trainer Ottmar Hitzfeld hat die Komplexität seiner besten Spieler oft mit der eines hochgezüchteten Ferraris verglichen: Die kleinste Kleinigkeit reicht, um das System fein aufeinander abgestimmter Rädchen zu stören. Genau da setzt ein Trainer an: Mit einem Schuss Öl, um im Bild zu bleiben, läuft jedes Rädchen wie geschmiert.
Vom ewigen Zauderer Lucien Favre sind aber noch immer keine klaren Worte zu hören, wie er eigentlich die ihm gestellte Aufgabe der Meisterschaft lösen will. Wo sind seine Antworten darauf, wie Reus zurück in Schuss kommt? Man wartet förmlich darauf, dass er Werder Bremen zum fast unbezwingbaren Riesen aufbaut - und vor ihm warnt.
“Das Spiel müssen wir gewinnen”, gibt ihm sein Sportdirektor Michael Zorc vor, wissend, dass anschließend zwei Auswärtsspiele folgen. Diese Phase jetzt ist wegweisend für den restlichen Verlauf der Hinrunde. Es ist tatsächlich an der Zeit, dass Lucien Favre als Trainer seinen Ferrari auf Hochtouren bringt. 
Werder-Profi Maxi Eggestein über den BVB und Mentalität
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