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Werder Bremen: Wie viel Rehhagel steckt in Kohfeldt?

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Ich liebe ja diese alten Fußballgeschichten, wenn Anekdoten und Z
 

Fever Pit’ch

11. Februar · Ausgabe #339 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Ich liebe ja diese alten Fußballgeschichten, wenn Anekdoten und Zitate die Erinnerungen wecken und so ein Gefühl bewirken, als sei das Erzählte erst gestern passiert. Mein Kollege Holger Luhmann zum Beispiel schreibt heute bei SPORT1 über die Geburtsstunde eines Dortmunder Fußballgotts. Ich war 1997 live dabei, als Jürgen Kohler im Halbfinal-Rückspiel bei Manchester United einen Cantona-Schuss quasi mit dem Stollen von der Torlinie kratzte und mit der Heldentat den späteren Champions-League-Sieg vorbereitete.
Was damals kaum jemand wusste: Dramatische Stunden lagen hinter Kohler. Seine Frau lag im Klinikum (Einzelheiten gehören nicht hierher). Wichtig ist: Gespielt hat er trotzdem. Diese Kohler-Episode steht in einem Buch, das der Klartext-Verlag in Essen herausgegeben hat, es heißt: “Borussia Dortmund für Klugscheißer: Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten”. Mit größter Kraftanstrengung versuche ich gerade, jeden aktuellen Bezug, den dieser Buchtitel zum BVB 2019/20 provoziert, zu ignorieren.
Einen schlauen Dienstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Werder Bremen: Wie viel Rehhagel steckt in Kohfeldt?
Hoffnung sieht anders aus: Werder-Trainer Florian Kohfeldt Foto: Imago / Nordphoto
Hoffnung sieht anders aus: Werder-Trainer Florian Kohfeldt Foto: Imago / Nordphoto
Jetzt regiert das Prinzip Hoffnung beim Vorletzten Bremen
Es gibt eine relativ einfache Möglichkeit, die Arbeit eines Trainers zu bewerten: Man schaut sich die Bundesliga-Rangliste der Spielerkader-Marktwerte an und achtet auf Unterschiede zur aktuellen Bundesliga-Tabelle. Meistens gibt es keine. Kleiner Beweis gefällig? FC Bayern, Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Gladbach und Schalke 04 sind die sechs Klubs mit den teuersten Kadern, und genau diese sechs Klubs belegen aktuell in fast identischer Reihenfolge auch die ersten sechs Plätze.
Große Abweichungen sind entweder wunderbar oder eben alarmierend, aber immer selten. Und diese Saison ist das auch so. Die momentan zwei großen Abweichler heißen Hertha BSC mit dem Trainer-Duo Jürgen Klinsmann/Alexander Nouri – und Werder Bremen mit Florian Kohfeldt. Und hier brennt es auch am stärksten.
Für einen Trainer ist die Rangliste gefährlich. Sie deckt Schwächen auf. Er weiß: Wenn deine Spieler einen Haufen Geld wert sind, aber keine Leistung bringen, liegt es ziemlich wahrscheinlich an dir selbst.
Bremen zeigt in dieser Saison keine Leistung. Der Klub weist die zweitgrößte Abweichung aller 18 Klubs auf. Hat den elfteuersten Kader der Liga, steckt aber mitten im Abstiegskampf – Platz 17. Da muss die Frage nach den Krisenmanagement-Fähigkeiten von Trainer Kohfeldt schon erlaubt sein.
Ärger um Pizarro: Fliegt er aus dem Kader?
Natürlich ist es schön, dass sich Bremens Manager Frank Baumann nach dem 0:2 gegen Union Berlin vor seinen Trainer und gegen die Spieler stellt. Wie wahrscheinlich ist es aber, dass momentan rund 20 Profis gleichzeitig eine scheinbar unheilbare Fußballerkrankheit befallen hat? Gering.
In Bremen hat momentan kaum jemand den Eindruck, dass es Anzeichen für Aufschwung gibt. Gegen Union Berlin setzte es die fünfte Bundesliga-Heimniederlage in Folge. Und Kohfeldt? Wirkte vollkommen ratlos. Er musste sogar schlechte Bauchgefühle vor dem Spiel im Bus beschwören.
Auf dem Platz klappe mit Ausnahme des Pokalsieges gegen Dortmund “schon länger nichts mehr”, schrieb der Weser-Kurier und konstatierte “Einfallslosigkeit”, “statisches Spiel” und “Langsamkeit, die alle Bereiche nach und nach befallen hat”. Das klingt nicht nach einem Trainer, der eine kriselnde Mannschaft mitreißen kann oder zumindest Herr der Lage ist. Zumal jetzt auch noch schwere Brocken im Weg liegen. Die drei nächsten Gegner in der Bundesliga heißen: Leipzig, Dortmund, Frankfurt.
Die Marktwerte der 18 Bundesligisten
Und da stellt sich die logische Frage: Soll Kohfeldt bleiben – oder lieber nicht? Hochgelobt wurde er in den vergangenen beiden Jahren, ein bisschen Otto Rehhagel könne in ihm stecken, hieß es, und das ganze sogar in deutlich kommunikativer. Mit Rehhagel gewann Bremen drei Meisterschaften, zweimal den DFB-Pokal und einmal den Europapokal der Pokalsieger.
Die Frage ist aber auch: Steckt vielleicht eher ein Alexander Nouri in Kohfeldt? Sein Vorgänger hatte nämlich ebenfalls eine gute Zeit in Bremen, blieb zwischendurch sogar elf Pflichtspiele in Folge ohne Niederlage – bis der komplette Strömungsabriss kam, den er nicht beheben konnte.
Nouri arbeitet jetzt in Berlin Cheftrainer Jürgen Klinsmann zu, ein Konstrukt wie einst im Nationalteam mit Joachim Löw und Klinsmann. Und ausgerechnet Hertha ist der Klub, dessen Kader-Marktwert noch weiter vom Tabellenplatz abweicht als bei den Bremern: Klinsmann/Nouri verfügen über das siebtwertvollste Team der Liga, stehen aber nur auf Platz 14.
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