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Zuschauerschwund beim DFB: Warum tut keiner was?

Revue
 
Guten Morgen, liebe Fußballfreunde! Das hat er nun davon: David Abraham wird für sieben Spiele gesper
 

Fever Pit’ch

14. November · Ausgabe #284 · Im Browser ansehen
Das Fußballthema des Tages

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!
Das hat er nun davon: David Abraham wird für sieben Spiele gesperrt, weil er den Trainer des Gegners in der Coaching-Zone gerammt hat. Die Strafe für den Kapitän von Eintracht Frankfurt kann nicht hart genug ausfallen. Wenn die Spieler erst damit anfangen, nicht nur ihre bessere Verhandlungsposition im Verein auszuspielen, sondern ihren Frust oder ihren Wut an Gegnern auszulassen (an Spielern oder Trainern, ganz egal), sind wir nur noch einen Schritt von der Anarchie entfernt. Der DFB hat mit seinem Urteil gegen Abraham das richtige Maß an Signalwirkung ausgesprochen: Die Grenze ist erreicht. Denn man darf nicht übersehen: Den jüngsten Gewaltausbrüchen bei den Amateurspielen gegen Schiedsrichter kann der DFB schwerlich begegnen, wenn man im Profibereich auch nur einen Hauch von Zweifel zulässt, dass jede Tätlichkeit angemessen bestraft wird. Abraham sollte nicht nur als Kapitän ein Vorbild sein, sondern auch als Profispieler: Kinder schauen sehr genau hin, was die Stars in der Bundesliga machen. Jetzt lernen sie: Rüpelhafte Attacken ziehen Konsequenzen nach sich. Das wird die zunehmend hemmungslose Gesellschaft nicht verändern. Der DFB aber hat zumindest ein gutes Zeichen gesetzt. Eintracht Frankfurt sollte das einsehen und den Einspruch gegen das DFB-Urteil zurückziehen.
Einen straffreien Donnerstag wünscht
Euer Pit Gottschalk

Zuschauerschwund beim DFB: Warum tut keiner was?
Nationalmannschaft: Die fetten Jahre sind vorbei Nationalmannschaft: Die fetten Jahre sind vorbei
Von Pit Gottschalk
An guten Ausreden mangelt es nie. November-Wetter und Anstoßzeiten, Gegner und Eintrittspreise: Man kann jeden Punkt einzeln oder gebündelt anführen, um den schleppenden Ticket-Vorverkauf vor den beiden Länderspielen am Samstag in Mönchengladbach (gegen Weißrussland) und am Dienstag in Frankfurt (gegen Nordirland) zu erklären.
Die Wahrheit ist: Wenn die Nationalmannschaft leidenschaftlich und attraktiv spielen würde, wären die Stadien voll, ganz gleich, wie die äußeren Umstände sind. Dass eine konstant gute Spielweise noch nicht zu erwarten ist, solange die Umbruchphase Formschwankungen provoziert, muss man einem unerfahrenen Spielerkader zugestehen. Zaubern kann keiner.
Umso wichtiger wäre dann, den eigenen Begründungen Folge zu leisten. Von den vier genannten Ausreden könnte man, wenn man denn wollte, zumindest zwei im Handumdrehen ändern: Anstoßzeiten und Eintrittspreise. Niemand zwingt den DFB doch, seine Länderspiele der TV-Quote wegen auf den späten Samstagabend zu legen. 
Länderspiele vor leeren Rängen: Warnzeichen von der Tribüne Länderspiele vor leeren Rängen: Warnzeichen von der Tribüne
Ein Länderspiel am Samstagnachmittag um drei, ein Vier-Personen-Familienticket für 60 Euro, vielleicht sogar Wurst und Pommes für kleines Geld, ein bisschen Volksfeststimmung auf dem Stadiongelände: Man könnte den Auftritt der DFB-Auswahl zu einem begehrten Ausflugsziel am Wochenende ausrufen. Man könnte…
Stopp! Natürlich geht das nicht. Der Fernsehvertrag mit RTL. Die Terminvorgaben im internationalen Spielkalender. Die Erwartungshaltung bei Sponsoren. Fehlt nur der Nachsatz: Haben wir noch nie gemacht. Ja, das stimmt: Veränderung kann unbequem sein. Aber lohnt sich der Aufwand nicht, um die Attraktivität der Nationalmannschaft zu erhöhen?
Es ist wenig authentisch, dass der DFB seine Fannähe in den albernen Adidas-Videos vorgaukelt, um ein paar Hemden zu verkaufen, wenn gleichzeitig die TV-Kameras gähnend leere Stadionränge wie kürzlich beim Argentinien-Länderspiel in Dortmund zeigen. Fannähe muss man vor- und gemeinsam erleben. Und keine Ausreden suchen.
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Denn der Preis ist hoch. Schon jetzt hat der Verband größte Schwierigkeiten, einen neuen Biersponsor zu akquirieren. Spitzenfußball ohne Bier: Einen deutlicheres Signal, dass etwas schiefläuft oder zumindest dass das Interesse dauerhaft abebbt, kann der DFB nicht bekommen. Schwarz-Rot-Gold alleine reicht halt nicht.
In der DFB-Geschichte gab es immer wieder Phasen, dass die Deutschen die Lust an ihrer Nationalmannschaft verloren. Das hatte oft mit den Spielertypen zu tun, die gerade zur Verfügung standen, dem ausbleibenden Erfolg. Schon bei der WM 2018 war der Vorwurf laut geworden, dass die Kluft zwischen Elite und Basis zu groß geworden sind.
Nun ist die Termingestaltung meistens schon auf Monate, wenn nicht Jahre minutiös festgelegt. Darum kann Nationalelf-Direktor Oliver Bierhoff nicht von heute auf morgen alles umwerfen, zumindest nicht ohne weiteres. Aber allen Beteiligten, auch RTL, sollte bewusst sein: Ein Weitermachen wie bisher kann nicht die Lösung sein.
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